# taz.de -- J. D. Vance in Budapest: Späte Wahlkampfhilfe
       
       > Kurz vor den Wahlen in Ungarn kommt aus den USA Rückenwind in Person des
       > Vizepräsidenten. Ob Vance das Blatt für Orbán noch wenden kann, ist
       > fraglich.
       
 (IMG) Bild: J. D. Vance und Viktor Orbán am 7. April in Budapest
       
       Kampagnen gegen kritische Journalisten. Desinformation in ungeahntem
       Ausmaß. Eine aus dem Hut gezauberte Sicherheitsbedrohung nahe einer
       Gasleitung. Und nun auch Wahlkampfhilfe des US-Vizepräsidenten J. D. Vance.
       Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán zieht alle Register, um an der Macht
       zu bleiben. Denn Herausforderer [1][Péter Magyar und seine Tisza] führen
       seit Monaten alle Umfragen an.
       
       Orbáns Hauptproblem: Die Regierungspropaganda zieht nicht mehr. Der stete
       Aufstieg seines Gegners ist ein klares Signal dafür. Viele Ungarn haben die
       Angstmache und die Lügen des Regierungslagers satt. Waren in der
       Vergangenheit wahlweise Roma, Migranten oder die LGBTIQ-Gemeinschaft die
       Feindbilder Orbáns, so ist es heute die Ukraine. Diese würde, so Orbán,
       gezielt die Energieversorgung Ungarns blockieren. Auch die jüngst
       entdeckten Sprengsätze in Serbien wollte er Kyjiw – erneut ohne jegliche
       Faktenbasis – zuschreiben.
       
       Die Erzählung von der feindseligen Ukraine und der kriegstreiberischen EU
       wiederholte der Ministerpräsident auch beim Besuch von J. D. Vance in
       Budapest. Der sprach sich erwartungsgemäß für Orbán aus, offenbarte aber,
       dass ihm von einer ukrainischen Sicherheitsbedrohung nichts bekannt sei.
       Das ist bezeichnend: Selbst der enge Verbündete übernimmt Orbáns Erzählung
       nicht.
       
       Bei der letzten Wahl im April 2022 führte Orbáns Behauptung, nur er könne
       Frieden und Sicherheit garantieren, zu seinem bisher besten Wahlergebnis.
       Das war kurz nach Beginn der russischen [2][Vollinvasion in der Ukraine].
       Dieselbe Erzählung funktioniert im fünften Kriegsjahr aber nicht mehr. Blöd
       für Orbán: Sie ist sein einziges Thema.
       
       Worüber sollte er auch sonst sprechen? Die maroden Krankenhäuser? Die um
       sich greifende Armut? Die Isolierung Ungarns in Europa? All das ist das
       Ergebnis von 16 Jahren Orbán. Auch die himmelschreiende Korruption wollen
       viele frühere Anhänger nicht länger akzeptieren. Am Ende wird auch die
       Schützenhilfe von J. D. Vance keinen Unterschied mehr machen.
       
       7 Apr 2026
       
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