# taz.de -- Konflikt zwischen Ungarn und der Ukraine: Selenskyjs verbale Entgleisungen
       
       > Wolodymyr Selenskyj droht Viktor Orbán, ein paar seiner Soldaten bei ihm
       > vorbeizuschicken. Das könnte dem ungarischen Premier gerade gelegen
       > kommen.
       
 (IMG) Bild: Je länger der Krieg dauert, desto mehr verliert Wolodymyr Selenskyj die Contenance
       
       Dass der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj keine Sympathien für
       Viktor Orbán hegt – wer wollte ihm das verdenken. Ungarns Regierungschef
       antichambriert bei Russlands Präsidenten Wladimir Putin, wo immer es geht.
       
       Große politische Schnittmengen zwischen den beiden, verbunden mit der
       Aussicht auf russische Energielieferungen an Budapest, machen es möglich.
       Demgegenüber zieht Orbán jedes Register, um Entscheidungen der EU, die der
       kriegsgebeutelten und in ihrer Existenz bedrohten Ukraine helfen könnten,
       per Veto zu stoppen.
       
       Entsprechend schlecht ist es um die ungarisch-ukrainischen Beziehungen
       bestellt, es herrscht quasi Dauerfrost. Doch was wir in den vergangenen
       Wochen erleben, zeigt, dass unter der Gürtellinie offensichtlich noch eine
       Menge Platz ist. [1][Bei der diesjährigen Münchner Sicherheitskonferenz im
       Februar attackierte Selenskyj den Freund des Kremlchefs mit der
       Feststellung, Orbán konzentriere sich darauf, seinen Bauch wachsen zu
       lassen, anstatt die Armee zu stärken]. Noch abgründiger wurde es dann an
       diesem Donnerstag. Da avisierte Selenskyj Orbán, ihm ein paar seiner
       Soldaten vorbeizuschicken, um Orbáns Blockade eines
       90-Milliarden-Euro-Kredits der EU detailliert zu erörtern.
       
       ## Absolut ungeeignet
       
       Auch wenn Selenskyjs Frust nachvollziehbar ist – solche Einlassungen sind
       total kontraproduktiv. Sie beschädigen nicht nur die Führungsspitze der
       Ukraine, sondern könnten das Land als Ganzes in Misskredit bringen. Auch
       sind sie absolut ungeeignet, um sich bei EU-Staaten zu empfehlen, die einer
       weiteren Unterstützung Kyjiws skeptisch gegenüber stehen.
       
       Last but least: Selenskyjs verbale Entgleisungen könnten eine willkommene
       Wahlkampfhilfe für Orbán sein. Das zeigen die Stellungnahmen des
       Oppositionspolitikers Péter Magyar, der ebenfalls nicht mit Kritik an
       Selenskyj sparte. Magyar kann sich berechtigte Hoffnungen machen, die
       Parlamentswahl am 12. April zu gewinnen. Doch auch ein weiteres Mandat für
       Orbán ist nicht ausgeschlossen. Das kann niemand ernsthaft wollen. Auch
       Wolodymyr Selenskyj nicht.
       
       7 Mar 2026
       
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