# taz.de -- Shortlist Leipzger Buchmesse: Der Vergangenheit zugewandt
> Die Nominierten für den Preis der Leipziger Buchmesse stehen fest.
> Deutlich erkennbar ist eine Hinwendung zum Geschichtlichen.
(IMG) Bild: Programm-Pressekonferenz zur Buchmesse am 19. Februar in Leipzig: am 19. März um 16 Uhr werden die Presiträger:innen bekanntgegeben
Rückwärtsgewandt muss man die Auswahl zum diesjährigen Preis der Leipziger
Buchmesse nun nicht nennen, das täte den einzelnen Titeln unrecht, doch
deutlich der Gegenwart ab- und der Vergangenheit zugewandt hat man sich in
der Jury schon.
Da wäre in der Kategorie der literarischen Preisanwärter:innen
zunächst Norbert Gstreins „Im ersten Licht“ (Hanser) zu nennen, der ein
Menschenschicksal vor dem Hintergrund zweier Weltkriege erzählt. Anja
Kampmann blickt in [1][„Die Wut ist ein heller Stern“ (Hanser)] hinter den
Vorhang eines Varietétheaters im Hamburg der 1930er Jahre, und auch
Katerina Poladjan lässt ihren Erzähler in [2][„Goldstrand“ (S. Fischer)]
auf der Therapeutencouch seinen Erinnerungen nachgehen. Kampmann wie
Poladjan galten im Herbst durchaus als Favoritinnen für den Deutschen
Buchpreis, schafften es aber nicht auf die Longlist.
Weiter im Skript: [3][Helene Bukowski] widmet sich in „Wer möchte nicht im
Leben bleiben“ (Claassen) dem Schicksal einer Pianistin aus Neubrandenburg
zu DDR-Zeiten. Überraschendes verspricht das Romandebüt von Elli Unruh, die
sich in „Fische im Trüben“ (Transit Verlag) einer mennonitischen Gemeinde
im ländlichen Kasachstan annimmt.
## Eis- und NS-Zeit
In der Kategorie Sachbuch bleiben alle fünf Nominierten auf dem Boden der
Geschichte. Ungefähr Zeitgleiches behandeln [4][Marie-Janine Calic] in
„Balkan-Odyssee. 1933–1941. Auf der Flucht vor Hitler durch Südosteuropa“
(C. H. Beck), Ines Geipel in „Landschaft ohne Zeugen. Buchenwald und der
Riss der Erinnerung“ (S. Fischer) und [5][Jan Jekal,] wenn Letzterer auch
den Kontinent wechselt in „Paranoia in Hollywood. Wie die USA exilierte
Künstler erst retteten und dann verfolgten. 1941–1953“ (Matthes & Seitz
Berlin).
Bis in die Eiszeit blickt Ulli Lust im zweiten Teil ihrer Comicreihe „Die
Frau als Mensch: Schamaninnen“ (Reprodukt), [6][die für Teil 1 im letzten
Jahr bereits mit dem Deutschen Sachbuchpreis ausgezeichnet wurde.] Manfred
Pfister behandelt die „Englische Renaissance“ (Galiani).
In Leipzig wird traditionell auch die Übersetzung des Jahres ausgezeichnet.
Hoffnung auf den Preis machen sich in diesem Jahr Ulrich Faure, der Anjet
Daanjes „Das Lied von Storch und Dromedar“ (Friedenauer Presse) aus dem
Niederländischen übertragen hat, und Timea Tankó, der Ungarischübersetzer
von András Viskys „Die Aussiedlung“ (Suhrkamp). Erfreulicherweise nominiert
ist [7][Irene Solàs Hexentanzfabel „Ich gab dir Augen, und du blicktest in
die Finsternis“ (S. Fischer)] in der Katalanischübersetzung von Petra
Zickmann.
Des Weiteren auf der Liste stehen Tina Flecken, die Auður Ava Ólafsdóttirs
„Eden“ (Insel Verlag) aus dem Isländischen übertragen hat, und die
spanische Übersetzung des Peruaners Gustavo Faverón Patriau: „Unten leben“
(Literaturverlag Droschl) von Manfred Gmeiner.
Vage oder zumindest allgemein wird die Auswahl von Juryseite begründet. Man
stelle die ausgewählten Titel „mit Freude allesamt nun in den nominierten
Reigen“, so Juryvorsitzende Katrin Schumacher, die auf höhere
Verkaufszahlen für den kriselnden Buchmarkt setzt: „Im Vertrauen darauf,
für Entdeckung und Wertschätzung zu stehen, Haltung und Lesevergnügen, und
natürlich in der Hoffnung, bei neugierigen Leser*innen schon vor der
Messe die Zahl der Lektürestunden hochzutreiben.“
Die Preisträger:innen aus den drei Kategorien werden am 19. März um 16
Uhr zum Auftakt der Leipziger Buchmesse bekanntgegeben.
25 Feb 2026
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## AUTOREN
(DIR) Julia Hubernagel
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