# taz.de -- Kritik an Bundesregierung: Polizei-Gewerkschaft will weniger Grenzkontrollen
> Die Gewerkschaft der Polizei fordert, Beamte von der Grenze zu Polen
> abzuziehen. Durch den Kurs von Innenminister Dobrindt fehle Personal an
> Bahnhöfen.
(IMG) Bild: Verkehrshindernis in Uniform: Grenzkontrolle an der A 12 zwischen Polen und Deutschland
dpa/taz | Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) hält es für sinnvoll, für die
Kontrollen an der deutsch-polnischen Grenze weniger
Bundespolizist*innen einzusetzen. Stattdessen solle der Einsatz etwa
an Bahnhöfen verstärkt werden, teilte der GdP-Vorsitzende für die
Bundespolizei und den Zoll in Berlin-Brandenburg, Andreas Broska, auf
Anfrage mit. Die Aufgriffszahlen bei den Grenzkontrollen gingen seit
Monaten zurück. Der aktuelle personelle Ansatz sei nicht mehr
gerechtfertigt.
„Wir fordern daher eine Reduzierung der eingesetzten Kräfte für die
aktuellen Grenzkontrollen sowie eine stärkere Verlagerung der verfügbaren
Ressourcen auf andere polizeiliche Schwerpunkte, etwa an Bahnhöfen oder an
Flughäfen“, sagte Broska.
Die Kontrollen an allen deutschen Grenzen sollen nach dem Willen von
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) [1][bis mindestens September
fortgesetzt werden.] Ziel ist, [2][unerwünschte Migrant*innen und
Flüchtlinge abzufangen.] Der Bundesinnenminister teilte der EU-Kommission
mit, dass die wiedereingeführten Binnengrenzkontrollen an Deutschlands
Landgrenzen über den 15. März hinaus für zunächst weitere sechs Monate
verlängert werden.
## Hoffnung auf ein Ende der Kontrollen im Sommer
Die Landesregierung in Brandenburg reagierte mit Kritik und erwartet von
der Bundesregierung einen Plan für ein Ende der Grenzkontrollen.
Europaminister Robert Crumbach (parteilos) sagte am Donnerstag, mit der
Anwendung der Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems im Juni
dieses Jahres sollten die Grenzkontrollen spätestens im Sommer auslaufen.
Die Zahl der Asylanträge gehe seit 2023 bereits stark zurück.
Die Lage bei den Kontrollen im Bereich Frankfurt (Oder) und auf den
angrenzenden Autobahnabschnitten habe sich zuletzt etwas entspannt, so der
Gewerkschafter Broska. Allerdings komme es weiterhin zu vorübergehenden
Rückstaus und erhöhtem Kontrollaufkommen – vor allem zu verkehrsstarken
Zeiten.
Gleichzeitig spricht sich die Gewerkschaft für eine personelle Aufstockung
der Grenzinspektionen aus. So könnten derzeit eingesetzte
Unterstützungskräfte – insbesondere aus der Bundesbereitschaftspolizei –
perspektivisch abgezogen und wieder für ihre originären Aufgaben verwendet
werden.
## Kontrollen seit Herbst 2023
Seit Herbst 2023 gibt es in Brandenburg an der Grenze zu Polen stationäre
Grenzkontrollen der Bundespolizei. Klagen aus Wirtschaft und Politik gab es
unter anderem über lange Staus wegen der eingerichteten Grenzkontrollstelle
auf der stark befahrenen A 12. Hier wurde die Verkehrsführung im
vergangenen Dezember geändert.
Immer weniger Menschen [3][stellen einen Antrag auf Asyl in Deutschland.]
Die Zahl der Erstanträge lag laut einer Mitteilung des
Bundesinnenministeriums im Jahr 2025 bei 113.236. Im Jahr davor waren es
noch 229.751 Anträge.
Auch der Polen-Beauftragte der Bundesregierung, Knut Abraham, hatte im
vergangenen Herbst gesagt, die Grenzkontrollen dürften kein Normalzustand
werden. Grenzkontrollen sind im Schengen-Raum eigentlich nicht vorgesehen.
Am 14. Juni 1985 hatten Deutschland, Frankreich, Luxemburg, Belgien und die
Niederlande in Schengen den schrittweisen Abbau der Grenzkontrollen
vereinbart. Heute gehören 29 Länder mit rund 420 Millionen
Einwohner*innen zum sogenannten Schengen-Raum.
20 Feb 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Wahrscheinlicher-Rechtsbruch-an-Grenzen/!6155147
(DIR) [2] /Deutsch-polnische-Grenze/!6083325
(DIR) [3] /Statistik-fuer-2025/!6142641
## TAGS
(DIR) Alexander Dobrindt
(DIR) Grenzkontrollen
(DIR) Schengen-Raum
(DIR) Schengen-Abkommen
(DIR) Bundespolizei
(DIR) Brandenburg
(DIR) Asyl
(DIR) Fluchtrouten
(DIR) Migration
(DIR) Gewerkschaft der Polizei (GdP)
(DIR) Social-Auswahl
(DIR) Schwerpunkt Flucht
(DIR) Schwerpunkt Flucht
(DIR) Schwerpunkt Flucht
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Widerstand gegen Migrationspolitik: Immer mehr Pilot*innen verhindern Abschiebungen
Abschiebungen kosteten den Bund letztes Jahr Millionen. Dabei wendeten
Polizisten tausendfach Gewalt an. Hoffnung macht das Verhalten der
Flugcrews.
(DIR) Wahrscheinlicher Rechtsbruch an Grenzen: Der Innenminister hat Kontrollzwang
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt verlängert die Kontrollen an den
Grenzen um ein halbes Jahr. Dabei hatte der Kanzler zuletzt signalisiert,
sie beenden zu wollen.
(DIR) Statistik für 2025: Nur noch halb so viele Erstanträge auf Asyl
Bundesinnenminister Dobrindt verkauft den dramatischen Rückgang der
Flüchtlingszahlen als seinen Erfolg. Dabei liegt der Grund eher im Nahen
Osten.