# taz.de -- Widerstand gegen Migrationspolitik: Immer mehr Pilot*innen verhindern Abschiebungen
       
       > Abschiebungen kosteten den Bund letztes Jahr Millionen. Dabei wendeten
       > Polizisten tausendfach Gewalt an. Hoffnung macht das Verhalten der
       > Flugcrews.
       
 (IMG) Bild: Immer mehr Pilot*innen folgen ihrem Gewissen und bleiben am Boden
       
       Um pro Jahr einige tausend Migrant*innen in ihre Herkunftsländer
       abzuschieben, betreibt die Bundesregierung einen gewaltigen Aufwand. Wie
       gewaltig, zeigt die Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Anfrage
       der Linken-Abgeordneten Clara Bünger. Daraus gehen nicht nur die enormen
       Kosten und erschreckende Zahlen zur Gewaltanwendung hervor – sondern auch,
       dass Pilot*innen immer öfter Abschiebungen blockieren. „Der
       [1][Abschiebewahn] der Bundesregierung muss endlich enden“, sagte Bünger.
       
       Dass die Zahl der Abgeschobenen mit rund 23.000 Betroffenen im letzten Jahr
       13 Prozent höher lag als 2024, ist bereits seit einigen Wochen bekannt.
       Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) verkauft dies als Teil
       [2][seiner „Asylwende“] und brüstet sich auch mit der massiv gesunkenen
       Zahl neuer Asylanträge. Die Antworten des Innenministeriums auf Büngers
       Anfrage liefern jetzt viele weitere Details zu den Abschiebungen, die
       bisher unbekannt waren.
       
       So beliefen sich die Kosten für die Abschiebungen durch
       Bundespolizist*innen letztes Jahr auf mehr als 10 Millionen Euro,
       wobei der Großteil des Geldes in die Gehälter von
       Bundespolizist*innen floss, die mitflogen. Besonders teuer war die
       [3][Charter-Abschiebung nach Afghanistan] im Herbst, die über Katar
       abgewickelt wurde und rund 600.000 Euro kostete. Es war die erste
       Abschiebung in das Land, seit dort die islamistischen Taliban die Regierung
       übernommen haben. Menschenrechtsorganisationen kritisierten die Aktion
       scharf.
       
       Das Vorgehen der Bundespolizei bei den Abschiebungen ist oft rabiat. Teils
       saßen über 100 Beamt*innen in einem einzigen der Charterflieger, damit
       kamen auf einen Abzuschiebenden teils drei Polizist*innen. Und die
       Polizist*innen wendeten 2025 deutlich öfter Gewalt gegen die
       Abzuschiebenden an als früher. In fast 1.700 Fällen kamen „Hilfsmittel der
       körperlichen Gewalt“ zum Einsatz, wie die Bundesregierung es formuliert.
       Ein Anstieg von etwa 40 Prozent.
       
       ## 1.600 Mal scheiterten Abschiebungen
       
       Gefesselt wurden besonders oft Menschen aus afrikanischen Staaten. So
       wurden etwa zwei Drittel aller abgeschobenen Algerier*innen in Fesseln
       zurück in ihr Herkunftsland gebracht. Bünger sagte dazu: „Das erinnert an
       die dystopischen Bilder aus den USA. Abschiebungen um jeden Preis darf es
       in einem demokratischen Rechtsstaat eben nicht geben.“
       
       Außerdem stieg die Zahl sogenannter freiwilliger Ausreisen deutlich.
       Tatsächlich kommen solche Ausreisen aber fast immer unter Druck der
       Behörden zustande, Aktivist*innen sprechen deshalb lieber von
       „Selbstabschiebungen“. In fast 17.000 Fällen erhielten die Betroffenen
       finanzielle Unterstützung durch die Bundesregierung, um sie zum Gehen zu
       bewegen, 2024 gab es nur etwa 10.000 solcher Fälle. Weitere 36.000
       „freiwillige“ Ausreisen kamen ohne finanziellen Anreiz zustande, das sind
       so viele wie seit 2017 nicht mehr.
       
       Deutlich stärker als die Zahl der abgeschlossenen Abschiebungen stieg
       letztes Jahr aber die Zahl der gescheiterten Abschiebungen. Über 1.600 Mal
       mussten solche Aktionen abgebrochen werden, nachdem die Betroffenen schon
       in den Händen der Bundespolizei waren. In fast einem Drittel der Fälle war
       dafür ausschlaggebend, dass die Pilot*innen von genutzten Linienflügen
       sich weigerten, dabei mitzuwirken. Ein deutlicher Anstieg: im Jahr davor
       hatte es nur rund 300 solcher Fälle gegeben. 2025 gelang es außerdem rund
       300 Mal den Betroffenen selbst, ihre Abschiebung zu verhindern. 36 Mal
       verletzten sich die Betroffenen dabei selbst.
       
       Bünger fordert: „Wir sollten uns an Spanien orientieren.“ Die
       linksgerichtete Regierung in Madrid hatte Ende Januar [4][ein großes
       Naturalisierungsprogramm] beschlossen. Statt sie abzuschieben, sollen rund
       500.000 Migranten*innen, die bisher keine Papiere haben, einen regulären
       Aufenthaltstitel bekommen. Damit soll der Überalterung der spanischen
       Gesellschaft entgegengewirkt werden und die Wirtschaft gestärkt werden.
       Bünger meint: „Das wirkt, auch politisch: Wer Menschen nicht zum Sündenbock
       macht, hält die Rechten klein.“
       
       19 Feb 2026
       
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