# taz.de -- Statistik für 2025: Nur noch halb so viele Erstanträge auf Asyl
> Bundesinnenminister Dobrindt verkauft den dramatischen Rückgang der
> Flüchtlingszahlen als seinen Erfolg. Dabei liegt der Grund eher im Nahen
> Osten.
(IMG) Bild: Bundesinnenminister Dobrindt und Bayerns Ministerpräsident Söder bei Grenzkontrollen in Kiefersfelden am 15.05.2025
Im vergangenen Jahr kamen nur rund halb so viele Geflüchtete nach
Deutschland wie noch 2024. Das Bundesinnenministerium präsentierte am
Sonntag eine neue Statistik, wonach die Zahl der Erstanträge auf Asyl von
rund 230.000 auf etwa 110.000 gefallen ist. Betrachtet man auch die
Folgeanträge, bleibt ein Rückgang von 250.945 auf 168.543 – und damit um
rund ein Drittel. [1][Bundesinnenminister Alexander Dobrindt] (CSU) sagte:
„Wir ordnen mit Klarheit und Konsequenz das Migrationsgeschehen.“
Dobrindt hat in den bisherigen acht Monaten seiner Amtszeit einen Kurs der
massiven Abschottung eingeschlagen. Mit der höchstwahrscheinlich illegalen
Zurückweisung von Asylsuchenden an den deutschen Grenzen, den damit
einhergehenden verstärkten Grenzkontrollen und dem ausgesetztem
Familiennachzug für subsidiär Geschützte sollen Geflüchtete davon
abgehalten werden, nach Deutschland zu kommen. Gleichzeitig forciert die
Bundesregierung Abschiebungen [2][und zwang 2025 erstmals seit vielen
Jahren auch wieder Menschen zurück nach Afghanistan und Syrien, wo die
Menschenrechtslage schlecht ist].
Dobrindt präsentierte diese Politik der Härte nun als Grund für die
zurückgegangenen Antragszahlen: „Das klare Signal aus Deutschland heraus,
dass sich die Migrationspolitik in Europa geändert hat, ist in der Welt
angekommen.“ Und weiter: „Kontrolle, Kurs und klare Kante wirken.“
Genau daran gibt es aber erhebliche Zweifel. Denn der massive Rückgang der
Antragszahlen begann schon vor Dobrindts Amtsantritt im Mai. Auch im ersten
Quartal 2025 lag die Zahl der Anträge schon um 45 Prozent niedriger als im
gleichen Zeitraum 2024. Der Hauptgrund für den Rückgang ist wohl nicht die
deutsche Innenpolitik, sondern vielmehr die sicherheitspolitische Lage im
Nahen Osten. Ende 2024 stürzten syrische Rebellen den Langzeitdiktator
[3][Baschar Al-Assad] und sein brutales Regime. Zwar gibt es weiterhin
gravierende menschenrechtliche, politische und wirtschaftliche Probleme in
dem Land, allerdings haben sich die Verhältnisse dort soweit stabilisiert,
dass deutlich weniger Syrer*innen das Land Richtung Europa verlassen.
## Rückgang auch in anderen europäischen Ländern
Gegen Dobrindts Behauptung, seine Politik habe die Flüchtlingszahlen
gesenkt, spricht außerdem, dass die Antragszahlen auch in vielen anderen
europäischen Ländern deutlich gesunken sind. EU-weit sank die Zahl der
Erstanträge im ersten Halbjahr 2025 um 23 Prozent. Neuere Zahlen gibt es
noch nicht für alle Länder.
Deutlich zu erkennen war aber bereits, dass der Rückgang der Erstanträge in
jenen Ländern besonders deutlich war, die zuvor Hauptziel für syrische
Geflüchtete waren, unter anderem weil es dort bereits große syrische
Communities gibt. Deutschland steht hier an erster Stelle, aber auch
Österreich verzeichnete einen Rückgang um über 30 Prozent. Schwächer war
der Rückgang dagegen in Ländern, in die vor allem Menschen aus
afrikanischen Staaten flüchten, etwa Italien und Spanien. Letzteres wurde
im Verlauf des vergangenen Jahres auch zunehmend zum Ziel für
spanischsprachige Menschen aus [4][Venezuela], die vor der dort seit Jahren
grassierenden Wirtschaftskrise flohen. Welche Auswirkungen die jüngste
Militärintervention der USA dort nun hat, ist noch nicht auszumachen.
4 Jan 2026
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