# taz.de -- Wahrscheinlicher Rechtsbruch an Grenzen: Der Innenminister hat Kontrollzwang
> Bundesinnenminister Alexander Dobrindt verlängert die Kontrollen an den
> Grenzen um ein halbes Jahr. Dabei hatte der Kanzler zuletzt signalisiert,
> sie beenden zu wollen.
(IMG) Bild: Grenzpfeiler an der Oder bei Lebus
Die höchstwahrscheinlich illegalen Zurückweisungen von Asylsuchenden an den
deutschen Grenzen werden fortgesetzt. Bundesinnenminister Alexander
Dobrindt (CSU) verlängerte am Montag [1][die Kontrollen an den deutschen
Außengrenzen] um ein weiteres halbes Jahr bis in den Herbst. Dobrindt
sagte, die Grenzkontrollen seien „ein Element unserer Neuordnung der
Migrationspolitik in Deutschland“. Dabei hatte zuletzt ein früheres Ende
des umstrittenen Einsatzes der Bundespolizei im Raum gestanden.
Ein Sprecher des Innenministeriums teilte am Montag mit, die
Grenzkontrollen seien „aus den bisherigen migrations- und
sicherheitspolitischen Gründen weiterhin notwendig“. Es sei allerdings
„natürlich“ Ziel der Bundesregierung, dass dies kein Dauerzustand werde.
Grenzkontrollen sind innerhalb der EU nur in Ausnahmefällen zulässig. Sie
müssen bei der EU-Kommission angemeldet werden und dürfen maximal sechs
Monate andauern. In der Praxis meldet die Bundesregierung allerdings nach
einem halben Jahr einfach neue Kontrollen an. Auf diese Art und Weise
kontrollieren Bundespolizist*innen einzelne Grenzabschnitte zu
Österreich bereits seit mehr als zehn Jahren.
## Dobrindt sieht weiterhin „nationale Notlage“
Dobrindts Amtsvorgängerin Nancy Faeser (SPD) weitete die Praxis dann im
Herbst 2023 auf alle deutschen Grenzen aus. Nach seinem Amtsantritt im Mai
2025 ließ Dobrindt dann die Kontrollen noch weiter verstärken und ordnete
an, dass auch Asylsuchende an der Grenze zurückgewiesen werden sollten.
Solche Zurückweisungen von Schutzsuchenden sind nach EU-Recht jedoch nicht
erlaubt. Stattdessen muss jeder und jede, die um Asyl bittet, zunächst ins
Land gelassen werden und der Antrag dort geprüft werden. Erst danach sind
Abschiebungen möglich. Dobrindt setzt sich über diese eindeutige Rechtslage
hinweg und argumentiert, Zurückweisungen Asylsuchender seien zulässig, weil
eine „nationale Notlage“ herrsche.
Daran änderte sich auch nichts, als das Berliner Verwaltungsgericht im
vergangenen Sommer im Fall dreier somalischer Asylsuchender entschied, dass
ihre Zurückweisung durch Bundespolizisten rechtswidrig gewesen war. Die
Bundesregierung zog sich auf die Position zurück, dass dies nur für den
Einzelfall der drei Somalier*innen gelte – und setzte die Praxis
einfach fort. Seit Einführung der verstärkten Grenzkontrollen im Mai 2025
wurden etwa 24.400 Personen zurückgewiesen. Etwa 1.200 von ihnen waren
Asylsuchende.
## Opposition sieht „ökonomischen Irrsinn“
Im Dezember hatte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) aber nahegelegt,
[2][dass die Kontrollen enden sollten], sobald die Reform des gemeinsamen
europäischen Asylsystems Geas in Kraft getreten ist. Das ist planmäßig im
Juni der Fall. Mit [3][den Verschärfungen auf europäischer Ebene] „schaffen
wir es auch, die Grenzkontrollen an die europäischen Außengrenzen zu
verlagern“, so Merz damals. Er habe „die Grenzkontrollen immer als etwas
von begrenzter Dauer und Wirkung empfunden.“
An Dobrindts Ankündigung vom Montag äußerten die Grünen scharfe Kritik. Der
innenpolitische Sprecher der Fraktion im Bundestag, Marcel Emmerich, sagte:
„Die Verlängerung der Grenzkontrollen schadet Europa, lähmt die Polizei,
belastet die Wirtschaft und bricht mit Zurückweisungen geltendes Recht.“ Es
sei „ökonomischer Irrsinn“ in einer Wirtschaftskrise die Lieferketten durch
zeitaufwändige Kontrollen zu stören und Tourismus abzuwürgen.
16 Feb 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Grenzkontrollen-haben-kaum-Effekt/!6035717
(DIR) [2] /Europaeisches-Asylsystem-Geas/!6134626
(DIR) [3] /Umsetzung-der-GEAS-Reform/!6107972
## AUTOREN
(DIR) Frederik Eikmanns
## TAGS
(DIR) Schwerpunkt Flucht
(DIR) Grenzkontrollen
(DIR) Alexander Dobrindt
(DIR) Alexander Dobrindt
(DIR) Schwerpunkt Flucht
(DIR) Schwerpunkt Flucht
(DIR) Grenzkontrollen
(DIR) Grenzkontrollen
(DIR) Nancy Faeser
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Kritik an Bundesregierung: Polizei-Gewerkschaft will weniger Grenzkontrollen
Die Gewerkschaft der Polizei fordert, Beamte von der Grenze zu Polen
abzuziehen. Durch den Kurs von Innenminister Dobrindt fehle Personal an
Bahnhöfen.
(DIR) Widerstand gegen Migrationspolitik: Immer mehr Pilot*innen verhindern Abschiebungen
Abschiebungen kosteten den Bund letztes Jahr Millionen. Dabei wendeten
Polizisten tausendfach Gewalt an. Hoffnung macht das Verhalten der
Flugcrews.
(DIR) Integrationskurse gestrichen: Bundesregierung verbaut Ukrainer*innen den Weg in den Job
Ukrainer*innen finden sich bisher gut in Deutschland ein. Die
Bundesregierung gefährdet das, indem sie Jobcenterberatung und
Integrationskurse streicht.
(DIR) Gemeinsames Europäisches Asylsystem: Merz rechnet mit Ende der Grenzkontrollen
Nach der Verschärfung der EU-Asyl-Regeln könnten Grenzkontrollen und
Zurückweisungen in absehbarer Zukunft eingestellt werden, sagt
Bundeskanzler Merz.
(DIR) Kontrollen an deutschen Außengrenzen: Klagen gegen Ausweiskontrollen im Zug
Drei Reisende klagen gegen die Kontrollen an der Grenze nach Österreich und
nach Frankreich. Und sie haben durchaus Aussicht auf Erfolg.
(DIR) Grenzkontrollen in Deutschland: Maßnahmen könnten jährlich 100 Millionen Euro kosten
Seit vergangenem Herbst wird an allen deutschen Grenzen kontrolliert. In
nur sechs Wochen kostete das zusätzlich 12,3 Millionen Euro.