# taz.de -- Harte Kritik an Dobrindt: SPD sauer wegen gekürzter Integrationskurse
> CSU-Innenminister Dobrindt will Hunderttausende Zugewanderte von
> Sprachkursen ausschließen. In der SPD wächst der Widerstand.
(IMG) Bild: Künftig soll keine freiwillige Teilnahme an den Integrationskursen mehr bewilligt werden
Neuer Streit in der Koalition: In der SPD gibt es Unmut über die
Entscheidung von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU),
[1][Integrationskurse massiv zu kürzen]. Der Geschäftsführer der
SPD-Fraktion im Bundestag, Dirk Wiese, äußerte sich ebenso kritisch wie die
Vizefraktionsvorsitzende Sonja Eichwede und andere Abgeordnete. Auch aus
der Partei sowie aus der SPD-Landesregierung in Hamburg kommen harte Worte.
Eichwede sagte der taz: „Wir haben uns als Koalition vorgenommen, mehr in
Integration zu investieren und die Integrationskurse fortzusetzen.“
Entsprechend sei man über die Ankündigung des Bundesamts für Migration und
Flüchtlinge (Bamf) „mehr als überrascht“ und halte sie für falsch. Eine
Zugangsbeschränkung für Sprachkurse sei „das völlig falsche Signal – sowohl
integrationspolitisch als auch gesellschaftlich“. Das schade auch der
Wirtschaft, [2][die dringend neue Fachkräfte brauche.] Wiese sprach von
„voreiligen Maßnahmen“ und kündigte an: „Da ist das letzte Wort noch nicht
gesprochen.“
Das dem Innenministerium unterstehende Bamf hatte am Montag mitgeteilt,
dass künftig keine freiwillige Teilnahme an den Integrationskursen mehr
bewilligt werde. Die Kurse sollen Neuzugewanderten vor allem
Deutschkenntnisse, aber auch Grundwissen über die deutsche Gesellschaft
nahebringen.
Immigranten werden von den Behörden oft zur Teilnahme verpflichtet, wenn
sie schlecht Deutsch sprechen oder Sozialleistungen empfangen. Allerdings
waren die Kurse bislang auch für Neueingereiste offen, die keine solche
Verpflichtung hatten. Das wurde insbesondere von vielen
Asylbewerber*innen und ukrainischen Geflüchteten genutzt – und weithin
positiv bewertet. Umso überraschender kam die Ankündigung des Bamf vom
Montag. Ausgeschlossen werden dürften nun rund 120.000 der insgesamt etwa
300.000 Teilnehmer*innen, mit denen bislang für dieses Jahr gerechnet
wurde.
Für die Träger der Kurse – oft Volkshochschulen – bedeutet die Ankündigung
Chaos und finanzielle Unsicherheit. Fast die Hälfe der Teilnehmenden habe
einen Berechtigungsgutschein vom Bamf, sagte der Direktor der Hamburger
VHS, Uwe Grieger. „Dieser abrupte Stopp ist nicht zu kompensieren und wird
große Lücken lassen“.
## „Politisch, menschlich und wirtschaftlich nicht nachvollziehbar“
Auch aus der SPD-geführten Landesregierung in Hamburg kommt Kritik. Die
Entscheidung des Bamf, die Zulassung zu Integrationskursen einzustellen,
sei „politisch, menschlich und wirtschaftlich nicht nachvollziehbar“,
kritisiert Bildungssenatorin Ksenija Bekeris. Entgegen der
gesellschaftlichen Notwendigkeit, Flüchtlinge zu integrieren, würden hier
die hilfesuchenden Menschen außen vor gelassen und Bildungsstrukturen
„nachhaltig beschädigt“, so die SPD-Politikerin.
[3][„Um arbeiten zu können], braucht es Sprachkenntnisse“, ergänzte
Wirtschaftssenatorin Melanie Leonhard. „Ohne ausreichende Deutschkenntnisse
gelingt Zugewanderten der Schritt auf den Arbeitsmarkt in der Regel nicht“,
so Leonhard, die zugleich SPD-Landes-Chefin ist. Die Kurskürzung führe am
Ende zu höheren Sozialausgaben, die die Einsparungen um ein Vielfaches
übersteigen. Sozialsenatorin Melanie Schlotzhauer sprach von einem „fatalen
Signal für Länder und Kommunen“. Sprache sei der Türöffner zu Arbeit,
Bildung und Teilhabe.
Aziz Bozkurt, Vorsitzender der AG Migration und Vielfalt in der SPD, sagte
der taz: „Herr Dobrindts Ansatz scheint zu sein: Heute Integration
verhindern, morgen mangelnde Integration skandalisieren.“ Das sei „Gift für
den Zusammenhalt“. Die SPD-Fraktion im Bundestag sei in der
Migrationspolitik zuletzt oft „völlig schmerzbefreit“ über
„sozialdemokratische Grenzen“ gegangen, jetzt müsse sie wenigstens am
Grundsatz festhalten, Integration zu stärken. „Das muss die Fraktion nun
deutlich einfordern und durchsetzen.“
Die Opposition im Bundestag und die Zivilgesellschaft sind über die
Kürzungen ohnehin erbost. Sie kritisierten schon in den letzten Tagen nicht
nur, dass das Innenministerium offenbar Integration aktiv verhindern wolle,
sondern auch die Begründung, die dafür gegeben wurde.
In der Mitteilung des Bamf hieß es, es gelte, „finanzielle Risiken zu
vermeiden und eine dauerhaft tragfähige Finanzierung des
Integrationskursangebots sicherzustellen“. Tatsächlich ist im [4][Haushalt]
für das laufende Jahr genug Geld eingeplant, um die Kurse auch für
freiwillige Teilnehmer*innen anzubieten.
11 Feb 2026
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