# taz.de -- Urteil gegen Maja T.: Deutschland ist mitschuldig
> Antifaschist:in Maja T. wurde in Budapest zu acht Jahren Haft verurteilt.
> Dass es so weit kam, hat auch mit dem Handeln deutscher Behörden zu tun.
(IMG) Bild: Rechtsstaatlichkeit, ein Privileg, welches Antifas wie Maja T. oft nicht zuteilwird
Am 12. Dezember hält Thomas DiNanno, ein US-amerikanischer
Unterstaatssekretär, in Budapest [1][eine Rede über Terrorismusbekämpfung].
Er warnt darin vor dem „linksextremen Terrorismus“ der „Antifa“ in Europa.
Explizit bezieht er sich auf die deutsche mutmaßliche Gruppe „Antifa Ost“,
nennt Antifas „Faschisten“, kündigt ein Kopfgeld von 10 Millionen US-Dollar
an – und lobpreist die europäische Vorreiterrolle Ungarns, „diese
Terrorzellen in unseren Ländern auszulöschen“. Ungarns rechtsautoritären
Ministerpräsidenten Viktor Orbán müssen diese Worte des Trump-Gesandten
glücklich gemacht haben.
Nun, keine zwei Monate später, hat die kaum noch unabhängige ungarische
Justiz geliefert. Am Mittwochnachmittag wurde Maja T., Antifaschist:in aus
Jena, zu acht Jahren Gefängnis verurteilt. Der Vorwurf: T. sei als Teil der
„Antifa Ost“ [2][an Angriffen auf Neonazis in Budapest im Februar 2023
beteiligt gewesen]. Es ist ein hartes Urteil, wenn auch nicht ganz so
schlimm ausgefallen, wie die Forderung der Staatsanwaltschaft mit 24 Jahren
zwischendurch erwarten ließ. Und dennoch: In Deutschland hat Hanna S., die
ebenfalls als Teil des sogenannten Budapest-Komplexes angeklagt wurde, drei
Jahre weniger Haft erhalten.
Es wird jetzt viel über die fehlende Rechtsstaatlichkeit in Ungarn geredet
werden, über die politische Einflussnahme des Orbán-Regimes und [3][die
dünne Beweislage, dass T. tatsächlich an den Angriffen beteiligt war]. Der
Blick auf Ungarn ist auch richtig. Aber nicht vergessen werden darf die
deutsche Mitschuld. Denn Deutschland ist nicht die rechtsstaatliche
Bastion, die unbeteiligt am Seitenrand steht. Deutsche Behörden haben erst
möglich gemacht, dass dieser Prozess überhaupt in Ungarn geführt werden
konnte.
Im Juni 2024 wurde Maja T. [4][in einer rechtswidrigen
Nacht-und-Nebel-Aktion so schnell nach Ungarn gebracht], dass das
Bundesverfassungsgericht nicht mehr einschreiten konnte. Seither übt sich
Außenminister Johann Wadephul (CDU) im Nichtstun. Er lässt damit den
Vorstoß der globalen Rechten laufen, [5][militanten Antifaschismus als
„Terror“ zu brandmarken]. Selbst die rechte Regierung in Italien hat sich
für ihre im „Budapest-Komplex“ angeklagte Staatsbürgerin Ilaria Salis
eingesetzt. Deutschland aber kuscht vor den rechten Regimen in Budapest und
Washington. Maja T. kostet das wohl nun mehrere Jahre Lebenszeit. Umso
wichtiger ist, dass Maja T. wenigstens jetzt nach Deutschland geholt wird,
um den Rest der Haft hier abzusitzen. Dafür muss die Zivilgesellschaft noch
lauter werden. Denn bröckelt der Rechtsstaat für eine:n, verlieren alle.
4 Feb 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.state.gov/opening-remarks-for-under-secretary-dinannos-participation-in-the-u-s-hungary-interagency-counterterrorism-dialogue
(DIR) [2] /Prozess-gegen-Maja-T/!6068242
(DIR) [3] /Maja-T-nach-dem-Hungerstreik/!6099884
(DIR) [4] https://www.google.com/url?sa=t&source=web&rct=j&opi=89978449&url=https%3A%2F%2Ftaz.de%2FAuslieferung-von-Antifaschistin%2F!6020213%2F&ved=2ahUKEwiu49idhsCSAxX2VfEDHYbxD4AQFnoECCIQAQ&usg=AOvVaw13RgY3oUm5Hdj5z2xxjr0a
(DIR) [5] /Aktivistinnen-zu-US-Terrorvorwurf/!6136525
## AUTOREN
(DIR) Timm Kühn
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Beweise.