# taz.de -- Prozess in Budapest: Maja T. zu acht Jahren Haft verurteilt
> In Budapest ist im Prozess um Gewalttaten gegen Rechtsextremisten das
> Urteil gegen die deutsche Antifaschist*in Maja T. gefällt worden.
(IMG) Bild: Zu acht Jahren Haft verurteilt: Maja T. aus Jena
dpa/afp | Das Budapester Stadtgericht hat die nicht-binäre Thüringer*in
Maja T. zu einer Gefängnisstrafe von acht Jahren verurteilt. Richter Jozsef
Sos, der das Urteil verlas, sah es als erwiesen an, dass die 25-jährige
Antifaschist*in an blutigen Angriffen auf mutmaßliche Rechtsextremisten
beteiligt war.
Das erstinstanzliche Urteil ist noch nicht rechtskräftig, dagegen kann noch
Berufung eingelegt werden. Es stellt die Straftatbestände der versuchten
lebensbedrohenden Körperverletzung sowie der Mitgliedschaft in einer
kriminellen Vereinigung fest. Die Strafe könne nicht zur Bewährung
ausgesetzt werden, sagte Richter Sos. [1][Die Staatsanwaltschaft hatte 24
Jahre Gefängnis verlangt, die Verteidigung einen Freispruch].
Rund 20 deutsche und andere mutmaßliche Linksradikale hatten zwischen dem
9. und 11. Februar 2023 an fünf Stellen der ungarischen Hauptstadt Menschen
mit Teleskop-Schlagstöcken, Gummihämmern und Pfefferspray angegriffen,
unter ihnen ein deutsches Paar. Von ihren Opfern nahmen die
Angreifer*innen an, dass sie am sogenannten Tag der Ehre teilgenommen
hatten, einem jährlichen SS-Gedenken, das die Behörden in Budapest
tolerieren. Bei den meist brutal durchgezogenen Angriffen sollen neun
Menschen verletzt worden sein, vier von ihnen schwer.
## Harte Bestrafung von Ministerpräsident Orbán erwartet
[2][Die Staatsanwaltschaft warf Maja T. die Beteiligung an zwei dieser
Angriffe vor.] T. selbst nahm im Prozess zu den Vorwürfen nicht Stellung.
Der Fall hatte in Ungarn für großes Aufsehen gesorgt. Der
rechtspopulistische Ministerpräsident Viktor Orbán und andere
Regierungsmitglieder hatten mehrfach ihre [3][Erwartung einer harten
Bestrafung geäußert.] Orbán stufte außerdem die „Antifa-Gruppierung“ als
Terrororganisation ein.
## Kritik an Prozess
Nach dem Urteil erklärte der Vater von Maja T., Wolfram Jarosch: „Leider
haben sich meine Befürchtungen bestätigt. Hier wurde ein politischer
Schauprozess durchgeführt.“ Es sei deutlich geworden, was „Autokratie“ in
Ungarn bedeute: „Ministerpräsident Orbán persönlich unterstellt Terror und
fordert ein hartes Urteil. Staatsanwaltschaft, medizinische Gutachter und
Richter Jozsef Sos arbeiten Hand in Hand, um das entsprechend harte Urteil
zu liefern. Dies ist der traurige Höhepunkt des Unrechts gegen mein Kind.“
Der Vater rief Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) auf, nun tätig zu
werden, damit Maja T. zurück nach Deutschland komme. Schon zuvor hatte der
Vater gegenüber der Nachrichtenagentur AFP von einem politischen Prozess
gesprochen, der darauf abziele, dass der rechtsnationalistische
Ministerpräsident Viktor Orbán Stimmen für die im April anstehende
Parlamentswahl sammeln könne.
Auch der Co-Vorsitzende der Linksfraktion im Europaparlament, Martin
Schirdewan, kritisierte das Urteil in Budapest scharf. „Das heutige Urteil
gegen Maja T. ist Ergebnis eines politischen Schauprozesses, der niemals in
Ungarn hätte stattfinden dürfen“, erklärte er. Acht Jahre Haft sei
„unverhältnismäßig“. Er betonte: „Trotz der lückenhaften, lediglich auf
Indizien bauenden Anklage folgte der Richter der Linie der
Staatsanwaltschaft und befand Maja schuldig, auch wenn das Strafmaß nicht
deren geforderte drakonische Höhe hat.“
Schirdewan hielt dem Rechtsnationalisten Orbán vor, er habe „diesen Prozess
bewusst für seinen Wahlkampf instrumentalisiert“. Das Urteil füge sich
„nahtlos in die autoritäre Inszenierung seiner Regierung ein, die mit Härte
gegen politische Gegner*innen punkten will und dabei die Justiz
missbraucht“.
4 Feb 2026
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