# taz.de -- SPD-Politiker über Urteil gegen Maja T.: „Das war kein rechtsstaatliches Verfahren“
> Der SPD-Abgeordnete Falko Droßmann war einer der ersten, der Maja T. in
> Ungarn in Haft besuchte. Im Interview kritisiert er die deutsche
> Regierung.
(IMG) Bild: Dauerhaft in Ketten: Antifaschist*in Maja T. am Mittwoch bei der Urteilsverkündung vor Gericht in Budapest
taz: Herr Droßmann, die [1][deutsche Antifaschist*in Maja T. wurde am
Mittwoch in Ungarn zu acht Jahren Haft verurteilt] – für einen Angriff am
Rande eines rechtsextremen Aufmarsches. Wie bewerten Sie das Urteil?
Falko Droßmann: Acht Jahre sind furchtbar, aber ich habe mehr befürchtet.
Ich hätte mir einen Freispruch gewünscht, das ist überhaupt keine Frage.
Jetzt haben sowohl Maja T. als auch die Staatsanwaltschaft angekündigt, in
Berufung zu gehen. Ich hoffe, dass wir Maja so schnell wie möglich zurück
nach Deutschland bekommen.
taz: Wie stark ist das Urteil durch den politischen Rahmen in Ungarn
geprägt? Welche Rolle spielt aus Ihrer Sicht Ministerpräsident Viktor
Orbán?
Droßmann: Ein Präsident, die Exekutive, hat sich aus der Judikative
herauszuhalten, vor allem wenn es um einen laufenden Prozess geht. Das hat
Orbán nicht gemacht, er hat sich da ganz nach Trump-Art eingemischt. Das
war unerträglich. Ich habe den Eindruck, das war kein rechtsstaatliches
Verfahren. Dafür waren auch die Richter zu sehr unter Druck. Ich habe immer
bewundert, wie stark Maja ist und wie stark sie als Person damit umgeht.
taz: Unter anderem die AfD hat das Urteil begrüßt und erklärt, wer Gewalt
als Mittel der politischen Auseinandersetzung einsetze, müsse mit
rechtsstaatlichen Konsequenzen rechnen. Wie begegnen Sie dem?
Droßmann: Rechtsstaatliche Konsequenzen muss jeder immer fürchten. Aber es
muss auch ein Rechtsstaat sein und es muss auch ein rechtsstaatliches
Urteil sein! Daran zweifle ich. Ich will eigentlich gar nicht darauf
eingehen, was die AfD so raushaut. Es war schon unsäglich, was sie in der
Vergangenheit zu dem Thema gesagt hat. Der AfD geht es vor allem auch
darum, dass Maja T. eine nonbinäre Person ist. Für queere Menschen haben
die ohnehin einen ganz anderen Begriff vom Rechtsstaat – nämlich gar
keinen.
taz: [2][Sie haben Maja T. im Sommer 2025 in Ungarn in Haft besucht und
auch die Haftbedingungen selbst miterlebt]. Was folgt daraus für Sie nach
dem Urteil?
Droßmann: Was ich da gesehen habe, kann man nicht mit Haftbedingungen in
deutschen Untersuchungsgefängnissen vergleichen. Ich hoffe, dass das
Verfahren jetzt schnell weitergeht und irgendwann ein Freispruch oder ein
rechtskräftiges Urteil kommt, damit dann die Bundesregierung endlich dafür
sorgen kann, dass Maja T. nach Deutschland geholt wird.
taz: Hat sich [3][das Auswärtige Amt bislang zu wenig eingesetzt]?
Droßmann: Das Problem fängt ja schon damit an, dass Maja T. damals nach
Ungarn gebracht wurde. Das war höchst kritisch. Ich hätte mir schon von der
damaligen Außenministerin Annalena Baerbock gewünscht, dass sie da sehr
viel stärker eingestiegen wäre. Johann Wadephul hat zumindest noch einen
Staatssekretär hingeschickt und bei unserem EU-Partner Ungarn für ein
rechtsstaatliches Verfahren geworben. Ja, natürlich hätte ich mir mehr
Engagement gewünscht – auch von der deutschen Botschaft vor Ort.
taz: Maja T. [4][wurde im Juni 2024 von Deutschland nach Ungarn
ausgeliefert], ohne eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts
abzuwarten. Dieses Vorgehen wurde später für rechtswidrig erklärt. Braucht
es hier noch weitere Aufklärung?
Droßmann: Absolut braucht es da weitere Aufklärung, und zwar ganz
unabhängig vom Fall Maja T. Denn wenn das Bundesverfassungsgericht
ankündigt, sehr schnell zu einer Entscheidung zu kommen, und diese
Entscheidung nicht abgewartet wird, dann wirft das ganz große Fragen auf in
unserem Land.
taz: Insgesamt sehen wir, dass Antifaschismus unter Druck gerät. [5][Die
USA unter Donald Trump haben die „Antifa Ost“ als Terrororganisation
eingestuft], ebenso [6][Viktor Orbán]. Wie sollten wir damit umgehen?
Droßmann: Ich gehe davon aus, dass jeder Demokrat generell Antifaschist
ist. Aber das darf sich nicht durch Gewalt gegen Menschen und Unbeteiligte
ausdrücken. Wir dürfen menschliche Schicksale auch nicht für politische
Zwecke ausnutzen. Man kann Antidiskriminierung und Antifaschismus in die
Verfassung schreiben, es hilft aber nichts, wenn wir es nicht vorleben.
Demokratie heißt auch die Macht des Volkes und die Macht des Parlamentes.
Deshalb werde ich nicht lockerlassen, damit der Fall Maja T. nicht in der
medialen Versenkung verschwindet.
5 Feb 2026
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