# taz.de -- Schwarz-Rotes Reformpaket: Programm für Armut und Stagnation
> Die angekündigten Reformen der Bundesregierung werden viele Menschen in
> Deutschland ärmer machen. Und dabei nicht einmal die Wirtschaft
> ankurbeln.
(IMG) Bild: Unterm Strich wird die Regierung viele Menschen ärmer machen
Die Bundesregierung will mit ihrem [1][„Programm für Wachstum und
Beschäftigung“] die Konjunktur ankurbeln. Das wird nicht gelingen. Denn
Union und SPD setzen keinerlei Wachstumsimpulse, wollen aber weitere
Belastungen für Bürger:innen. Sie bringen so nicht nur immer mehr
Wähler:innen gegen sich auf, sondern schaden auch der Volkswirtschaft.
Das Bruttoinlandsprodukt wird nicht wachsen, weil Beschäftigte [2][ab dem
ersten Krankentag] eine ärztliche Bescheinigung brauchen oder es keine
telefonische Krankschreibung mehr gibt – das füllt nur die bereits
überfüllten Arztpraxen weiter. Von der [3][Einkommensteuerreform] werden
viele Beschäftigte überhaupt nicht profitieren, weil ihre Einkünfte unter
dem Grundfreibetrag liegen.
Für sie und auch für Beschäftigte mit mittleren Einkommen werden mit der
Reform die Lücken nicht ausgeglichen, die die Regierung mit den geplanten
Belastungen in der Pflege-, Kranken- und Rentenversicherung reißt. Allein
die neue „Kapitalrente“ wird dafür sorgen, dass in den kommenden Jahren
etliche Milliarden Euro nicht mehr für Ausgaben für Lebensunterhalt und
Lebensfreude zur Verfügung stehen, sondern auf die Kapitalmärkte fließen.
Unterm Strich macht die Regierung viele Menschen ärmer. Das schwächt die
Kaufkraft – die deutsche Wirtschaft braucht aber mehr und nicht weniger
Nachfrage. Spitzenverdienende mit Einkommen von mehr als 250.000 Euro
werden dagegen kaum mehr belastet. Über eine Vermögensteuer denkt die
Koalition nicht einmal nach. Sie hat keine Ambitionen, das Land gerechter
zu machen.
## Nicht das Vermögen
Zwar hat die Regierung den Ehrgeiz, die Wirtschaft zu stärken – aber nicht
das Vermögen, das Richtige zu tun. Die deutsche Volkswirtschaft ist nach
wie vor stark. Angesichts der anhaltenden Stagnation aufgrund diverser
Krisen gibt es allerdings tatsächlich Handlungsbedarf.
Ursache der ökonomischen Probleme sind jedoch nicht angeblich zu häufig
blaumachende Bürger:innen oder der Sozialstaat. Doch Friedrich Merz,
Lars Klingbeil, Bärbel Bas und Markus Söder suggerieren mit ihren
Scheinlösungen genau das. Sie zeigen sich unfähig, die Lage wirklich zu
verbessern.
Denn dafür müssten sie ein echtes Konjunkturprogramm mit ökologischem
Wachstumspotenzial auflegen und die soziale Absicherung der Bürger:innen
verbessern – finanziert vielleicht mit einem Krisen-Soli der Vermögenden
und Superreichen.
Aber davon will die Bundesregierung nichts wissen. Sie steht von rechts
unter einem enormen Druck. Sie gibt diesem Druck nach, statt sich gegen ihn
zu stemmen und so das Ruder politisch und ökonomisch herumzureißen. Der
Preis dafür wird hoch sein, bei Wahlen und beim Wirtschaftswachstum.
2 Jul 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Reaktionen-auf-das-Reformpaket/!6192897
(DIR) [2] /Koalition-beschliesst-Reformpaket/!6192892
(DIR) [3] /Koalitionsausschuss-legt-Ergebnisse-vor/!6192803
## AUTOREN
(DIR) Anja Krüger
## TAGS
(DIR) Schwarz-Rot
(DIR) Friedrich Merz
(DIR) Reformpaket
(DIR) Bundesregierung
(DIR) GNS
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) Haushalt
(DIR) Wirtschaft
(DIR) Bundesregierung
(DIR) Steuerreform
(DIR) Bundesregierung
(DIR) Bundesregierung
(DIR) Steuern
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Reformpaket der Bundesregierung: Friede den Palästen, Krieg den Hütten
Das Reformpaket stützt die Reichen und nimmt von den Armen. Solche Reformen
verschärfen die soziale Spaltung, statt sie zu kitten.
(DIR) Das Reformpaket und seine Folgen: Ach, das bisschen Pflege
Was so harmlos klingt wie „Reformvorschlag“, ist alles andere als harmlos.
Es belastet vor allem jene, die ohnehin schon am Limit sind.
(DIR) Das steckt im Haushalt: Mehr Schulden, weniger Finanzhilfen
Die schwarz-rote Koalition hat sich auf ein Reformpaket geeinigt – nun geht
es um die nächste große Baustelle: den Bundeshaushalt 2027. Was steckt
drin?
(DIR) Ökonom:innen zu Reformpaket: Leichter gesagt als gewachsen
Helfen die Beschlüsse des Koalitionsausschusses, die wirtschaftlichen
Probleme zu lösen? Ökonom:innen geben unterschiedliche Antworten.
(DIR) Reformpaket der Bundesregierung: Hauptsache, es kracht nicht
Union und SPD präsentieren ein Reformpaket und vor allem sich selbst – als
eine Koalition, die liefert. Die Inhalte sind da eher Nebensache.
(DIR) Reformpaket der Bundesregierung: 50 Euro für die Mitte
Die Einkommensteuerreform der Bundesregierung konzentriert sich auf kleine
und mittlere Verdienste von Eltern. Reiche sollen etwas mehr beitragen.
(DIR) Beschluss von Schwarz-Rot: Drastische Einsparung bei der Informationsfreiheit
Die Koalition will Anfragen an Staat und Behörden beschneiden. Das sei der
schwerste Angriff auf staatliche Transparenz, kritisiert die Initiative
„Frag den Staat“.
(DIR) Koalition will Vergesellschaftungsverbot: Frontalangriff im Dienste des Immobilienkapitals
Die Bundesregierung will Vergesellschaftung von Wohnungen auf Landesebene
verbieten. Das Vorhaben ist ein Angriff auf Mieter:innen – und
hanebüchener Unsinn.
(DIR) Koalitionsausschuss legt Ergebnisse vor: Reichensteuer, Krankmeldungspflicht, sonntags länger Brötchen
Die Spitzen von Union und SPD stellen ein Bündel von Reformen vor, auf die
sie sich geeinigt haben. Verstaatlichung von Wohnungsbaugesellschaften wird
unterbunden.