# taz.de -- Reformpaket der Bundesregierung: 50 Euro für die Mitte
> Die Einkommensteuerreform der Bundesregierung konzentriert sich auf
> kleine und mittlere Verdienste von Eltern. Reiche sollen etwas mehr
> beitragen.
(IMG) Bild: Rund 600 Euro mehr pro Jahr soll die Steuerreform für mittlere Einkommen bringen
Eine bescheidene [1][Reform der Einkommensteuer] hat die Koalition aus
Union und SPD in die Wege geleitet. Beschäftigte mit mittleren Einkommen
sollen ab 2028, wenn die Änderungen voll greifen, rund 600 Euro weniger pro
Jahr zahlen. Finanzieren wollen Union und SPD das unter anderem mit einer
leicht höheren Reichensteuer. Das hat der [2][Koalitionsausschuss] am
späten Mittwochabend beschlossen.
Bereits in ihrem Koalitionsvertrag hatte die Regierung im vergangenen Jahr
geschrieben, dass kleine und mittlere Einkommen ab 2027 entlastet werden
sollen. Insgesamt sollen die Entlastungen nun geringer ausfallen als
angekündigt – nur auf rund zehn Milliarden Euro jährlich. Der Grund: der
strapazierte Bundeshaushalt und das Unvermögen der Parteien, einen
Kompromiss zu einer breiteren Gegenfinanzierung zu schließen.
Genaue Zahlen gab es am Donnerstag erstmal nicht. Man sei noch am Rechnen,
sagte Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD). Allerdings präsentierte
das Haus bereits einige Beispielrechnungen. Ein Paar aus Pflegekraft und
Busfahrer, zwei Kindern und zusammen 5.600 Euro Bruttoeinkommen käme auf
gut 52 Euro mehr monatlich, etwa 630 Euro zusätzlich pro Jahr. Eine
Ingenieurin und ein Lehrer mit zwei Kindern und 10.000 Euro gemeinsamem
Bruttoeinkommen hätten 678 Euro mehr. Und eine [3][alleinerziehende]
Pflegekraft, zwei Kinder, 2.800 brutto, profitierte mit 468 Euro.
Obwohl diese Zahlen einen soliden Eindruck vermitteln, kritisierte Ökonom
Stefan Bach: „Dies stellt keine nennenswerte Entlastung der arbeitenden
Mitte dar.“ Denn einen Teil der Erleichterung müsse die Regierung sowieso
umsetzen, argumentiert der Steuerexperte des Deutschen Instituts für
Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin – wegen der Inflation, die ein höheres
Existenzminimum und einen angehobenen steuerlichen Grundfreibetrag
erfordere. Dies bedingt auch teilweise den Anstieg des Kindergeldes, das
von 259 auf 272 Euro wachsen soll. In den Beispielen des Finanzministeriums
macht dieser Faktor einen erheblichen Teil der Entlastung aus. Leute ohne
Kinder haben weniger Vorteile.
Der Grundfreibetrag, bis zu dem keine Steuer fällig ist, soll von heute
12.348 Euro „voraussichtlich in zwei Stufen bis auf 12.900 Euro im Jahr
2028“ steigen, schreibt das Finanzministerium. Zudem werden die Steuersätze
„zwischen 17.800 und 70.600 Euro“ leicht verschoben, sodass sie erst bei
etwas höheren Verdiensten greifen. Diese Entlastung der Mitte liegt im
gemeinsamen Interesse von CDU, CSU und SPD. Die Konservativen können
verbuchen, dass der Spitzensteuersatz von 42 Prozent auch etwas später
einsetzt.
## „Einkommensteuerreform der heißen Luft“
Und die SPD rühmt sich, dass sie die Anhebung der sogenannten Reichensteuer
durchgesetzt hat. Damit sollen künftig schon ab 250.000 Euro zu
versteuernden Jahreseinkommens 45 Prozent Steuer gezahlt werden, nicht erst
ab 278.000 Euro wie momentan. Ab 280.000 Euro sollen künftig 47 Prozent
entrichtet werden. Dadurch sollen etwa 2,5 Milliarden Euro generiert
werden.
Ebenfalls ein Finanzierungsbeitrag: Für Minijobs soll die pauschale Steuer,
die die Arbeitgeber abführen, von zwei auf fünf Prozent steigen. Und
Dienstleistungen von Handwerkern im Haushalt werden bald nur zu 15 Prozent
von der Steuer abgesetzt werden können, nicht mehr zu 20 Prozent wie zur
Zeit. Auch das bringt dem Staat gewisse Zusatzeinnahmen.
Die Opposition ließ kein gutes Haar an den Maßnahmen. „Die angekündigten
Steuerentlastungen sind eine Mogelpackung für untere und mittlere
Einkommen“, bemängelte Grünen-Finanzexpertin Katharina Beck. „Die 20 bis 30
Prozent der Beschäftigten mit den niedrigsten Einkommen zahlen keine
Steuern, weshalb dort keine Entlastung möglich ist.“ Und auch für mittlere
Einkommen handele es sich um ein Nullsummenspiel, weil die steuerliche
Entlastung durch den [4][höheren Rentenbeitrag] mehr oder weniger
aufgefressen werde, sagte Beck.
Als „Einkommensteuerreform der heißen Luft“ bezeichnete Linken-Politikerin
Doris Achelwilm den Plan der Regierung. Die Entlastung für kleine und
mittlere Einkommen falle „viel zu gering aus. Statt die niedrigsten
Einkommen am stärksten zu entlasten, profitieren vor allem Einkommen um
60.000 Euro.“
2 Jul 2026
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## AUTOREN
(DIR) Hannes Koch
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