# taz.de -- Koalitionsausschuss legt Ergebnisse vor: Reichensteuer, Krankmeldungspflicht, sonntags länger Brötchen
> Die Spitzen von Union und SPD stellen ein Bündel von Reformen vor, auf
> die sie sich geeinigt haben. Verstaatlichung von
> Wohnungsbaugesellschaften wird unterbunden.
(IMG) Bild: Schönwetter-Pressekonferenz: Klingbeil, Merz, Bas und Söder am Donnerstagmorgen
dpa/afp/taz | Die Spitzen von Union und SPD haben sich nach langem Ringen
im Koalitionsausschuss auf ein Reformpaket für wirtschaftliches Wachstum
und soziale Sicherheit verständigt.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sprach am Donnerstagmorgen von einem
guten Tag für Deutschland. Es werde mehr Wettbewerb geben, aber auch der
Sozialstaat gesichert. Alles steht unter dem Ziel „Deutschland wieder
flott“ zu kriegen.
Zu den wichtigsten Entscheidungen zählte Merz die Umsetzung der 33
vorgeschlagenen Reformpunkte der Rentenkommission bis zum Jahresende.
## Gesplittete Reichensteuer als Teil der Reform
Zudem werde es eine Steuerreform geben, die die unteren und mittleren
Einkommen entlasten solle. Bis zu 600 Euro im Jahr mache das für einen
Durchschnittshaushalt aus, so Merz. Dies sei die zweite große Reform nach
der Gesundheitsreform, die noch vor der Sommerpause in Bundestag und
Bundesrat abgeschlossen sein solle.
Die Gegenfinanzierung solle vor allem über eine Veränderung der
„Reichensteuer“ erfolgen. Diese soll gesplittet werden: Ab einem zu
versteuernden Einkommen von 250.000 EUR soll ein Steuersatz von 45 Prozent
gelten, ab einem zu versteuernden Einkommen von 280.000 EUR ein Satz von 47
Prozent. Derzeit liegt der Höchststeuersatz bei 45 Prozent, der ab einem zu
versteuernden Einkommen von 277.826 Euro greift.
## Krankschreibung wird Pflicht ab dem ersten Tag
Angesichts hoher Fehlzeiten in Unternehmen sollen die Regeln für
Krankschreibungen von Beschäftigten nach Plänen der schwarz-roten Koalition
verschärft werden. Eingeführt werden soll die verpflichtende Vorlage einer
Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung schon ab dem ersten Tag der Erkrankung –
vorgeschrieben ist eine ärztliche Bescheinigung bisher erst ab dem vierten
Tag. Abgeschafft werden soll die Möglichkeit zu telefonischen
Krankschreibungen. Zudem soll die „unrichtige Ausstellung einer
Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung“ (AU) stärker bestraft werden, wie die
Bundesregierung am Donnerstag mitteilte.
Als weiteren Punkt nannte der Kanzler verlängerte Öffnungszeiten für
Bäckereien an Sonntagen.
## Verstaatlichung privater Wohnungsbaugesellschaften wird unterbunden
Die Bundesregierung will zudem die Verstaatlichung von Mietwohnungen
verhindern. Per Bundesgesetz werde „die Verstaatlichung privater
Mietwohnungsbestände durch Vergesellschaftungsgesetze auf Landesebene“
unterbunden, erklärte die Regierungskoalition am Donnerstag. Hintergrund
ist demnach, dass derartige Vorhaben den privaten Wohnungsbau gefährden
würden.
In Berlin hatte vor Jahren ein Volksentscheid für die Verstaatlichung
großer Wohnungsbaugesellschaften gestimmt. Der Entscheid ist bisher von der
dort regierenden Koalition aus CDU und SPD ignoriert worden. Ein mögliches
rot-rot-grünes Bündnis nach [1][der Abgeordnetenhauswahl im September]
könnte es aber umsetzen.
Auf die Frage der taz-Reporterin vor Ort, ob das eine Reaktion darauf sei,
dass die Linkspartei in Berlin [2][laut Umfragen mittlerweile die stärkste
Partei ist], lächelte Merz erstmal nur. Durch die Debatte, die in Berlin
geführt wird, sagte der Kanzler dann, werde „in der ganzen Welt gefragt,
was ist in Deutschland los, müssen wir mit Enteignungen rechnen?“ Deshalb
müsse man reagieren. Die Antwort sei „Nein“.
## Monatelange Verhandlungen
Monatelang haben die Koalitionspartner a[3][n einem großen Reformpaket
gearbeitet], das die sozialen Sicherungssysteme stabilisieren, [4][die
Bürger steuerlich entlasten] und die stagnierende deutsche Wirtschaft
wieder in Schwung bringen soll. Das Treffen im Kanzleramt galt als
entscheidende Runde – und brachte nach 8 Stunden gegen 22.30 Uhr
schließlich Ergebnisse. Die werden nicht nur für die Wirtschaft und die
Stimmung im Land von Bedeutung sein, sondern auch für das Schicksal des
Regierungsbündnisses.
2 Jul 2026
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