# taz.de -- Das Reformpaket und seine Folgen: Ach, das bisschen Pflege
       
       > Was so harmlos klingt wie „Reformvorschlag“, ist alles andere als
       > harmlos. Es belastet vor allem jene, die ohnehin schon am Limit sind.
       
 (IMG) Bild: Was sagt das über eine Gesellschaft aus, die ausgerechnet bei der Menschenwürde das größte Einsparpotenzial sieht?
       
       Es reicht, schon lange. Aber wir haben einen großen Fehler gemacht: Wir
       haben funktioniert. Jeden Tag. Jede Nacht. Am Wochenende. Jahrzehntelang.
       Wir sind viele, Millionen, wir sind das System. Wir haben Körper gewaschen,
       Medikamente gegeben, freundliche Worte gehabt. Wir sind zu Therapien
       gefahren, haben uns durch Formulare gequält, mit Krankenkassen angelegt,
       nächtelang an Betten gesessen. Wir sind am Limit. Und deshalb oft leise.
       Doch jetzt ist etwas passiert, es nennt sich Reformvorschlag. Das klingt
       harmlos, heißt aber im Klartext: Kürzungen. [1][Rentenbeiträge pflegender
       Angehörige]r, Verhinderungspflege, Teilhabe, kann das jetzt alles weg?
       
       Wir haben die Schnauze voll davon, dass die Politik so tut, als sei „der
       größte Pflegedienst der Republik“ ein dekadenter Milliardär mit zu viel
       Zeit. Pflege ist kein prätentiöses Hobby, Selbstbestimmung kein Luxus. Was
       sagt das über eine Gesellschaft aus, die ausgerechnet bei der Menschenwürde
       das größte Einsparpotenzial sieht? Irgendwann trifft es alle. Die Oma lässt
       immer häufiger den Herd an. Das Kind hat plötzlich schlechte Blutwerte. Man
       selbst hat einen Unfall. Das eigene Leben kann sich drastisch ändern,
       mitunter über Nacht. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann der
       „Reformvorschlag“ auch dich, dich oder dich treffen wird. Es geht nicht,
       das sei hier deutlich gesagt, um Mitleid. Es geht um Solidarität.
       
       Denn intensive Care-Arbeit ist Survival. Man ist, wie gesagt, schneller im
       Club, als man denkt: vielleicht nicht heute, vielleicht aber in zehn
       Jahren. Die Mitgliedschaft ist unausweichlich. Menschen, die offenbar nicht
       wissen, wie normale Menschen in Deutschland leben – entscheiden über unsere
       Zukunft. [2][Wir arbeiten, zahlen Miete, Kredite, horrende
       Lebensmittelpreise.] Parallel dazu versorgen wir Angehörige, ziehen Kinder
       groß – und versuchen, quasi nebenbei, selbst noch ein bisschen zu leben.
       
       Wie wäre es, wenn Bundestagsabgeordnete Pflege mal im Ehrenamt machen? Das
       ist auch gut fürs Gewissen und erst recht für die Reputation. [3][Das
       bisschen Pflege] macht sich ja schließlich von allein. Oder etwa nicht?
       
       7 Jul 2026
       
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