# taz.de -- Midterms-Ergebnis der US-Republikaner: Riesenklatsche, unsichere Zukunft
> Bei den Midterms in den USA gewinnen die Demokraten beide Kammern des
> Kongresses zurück. Es ist ein deutliches Votum gegen die Politik Trumps –
> der nun noch gefährlicher wird.
(IMG) Bild: Die beiden Demokrat*innen James Talarico und Gina Hinojosa haben den Lone Star State Texas gewonnen
Die US-Amerikaner*innen haben Präsident Donald Trump und der von ihm
dominierten Republikanischen Partei in den Zwischenwahlen eine
[1][derartige Klatsche] verpasst, dass selbst die sonst so wortgewaltigen
US-TV-Kommentatoren kaum Worte dafür fanden. Die Demokraten haben den
Republikanern weitaus mehr Sitze im Repräsentantenhaus und im Senat
abgenommen, als nötig gewesen wäre, um die Kontrolle über beide
Kongresskammern zu übernehmen.
Selbst in tief republikanischen Staaten konnten die Demokraten gewinnen
oder zumindest republikanische Amtsinhaber ins Wackeln bringen. Nur zwei
Jahre nach Trumps überragendem Wahlsieg gegen Kamala Harris hat eine große
Mehrheit der US-Amerikaner*innen von diesem Präsidenten die Nase gestrichen
voll. Oder zumindest: Von den Ergebnissen seiner Politik. [2][Nicht wenige,
die Trump 2024 gewählt hatten, sagten Reporter*innen vor der Wahl in
die Mikrophone, sie seien über Trumps gebrochene Versprechen enttäuscht]:
Die Senkung der Lebenshaltungskosten und die Absage an neue Kriege sind
Trumps inflationstreibender Zollpolitik und dem benzinpreiserhöhenden Krieg
gegen den Iran gewichen.
[3][Und die Abschiebung „illegaler“ Migrant*innen fanden viele ebenfalls
nur so lange erstrebenswert, bis vermummte Bewaffnete auftauchten, die
Nachbarn verschleppten] und der Wirtschaft die Arbeitskräfte wegnahmen. Die
Wahlergebnisse dieser Nacht bedeuten auch, dass doch keine Mehrheit der
US-Amerikaner*innen komplett gefühllos und verrückt geworden ist.
Markiert also diese Wahl tatsächlich das Ende des Trumpismus in den USA und
in der Republikanischen Partei? Nicht bei einem wie Trump. Jeder andere
Präsident würde bei so einem Ergebnis zur lahmsten aller lahmen Enten,
würde sich vielleicht in ein paar außenpolitische Initiativen flüchten, bei
denen der Kongress kaum Mitspracherecht hat und ansonsten aus dem Weißen
Haus beobachten, wie in seiner Partei um die Nachfolgekandidatur gekämpft
wird.
Das ist für Trump nur schwer vorstellbar – freiwillig wird er das
Rampenlicht jedenfalls nicht verlassen. Es ist vielmehr zu vermuten, dass
er, je enger ein demokratisch kontrollierter Kongress ihn einzuhegen
versucht, auch den letzten Rest an Respekt für Regeln und Gesetze verliert
und umso wilder und wütender um sich schlägt. Das kann im Übrigen auch
Europa treffen, Kuba, den Nahen Osten, ganz sicher die Ukraine.
Es wird eine der großen Fragen werden, ob die Wahlklatsche jetzt endlich zu
einem Aufwachen der Republikaner führt, um nicht als Partei mit Trump
unterzugehen. Dazu braucht es aber Führungsfiguren, die den Widerspruch
wagen. Der erzrechte Kulturkämpfer Ron DeSantis, abtretender Gouverneur von
Florida, hat gerade erste Schritte in die Richtung gemacht, indem er sich
traute, die hohen Benzinpreise Trumps Krieg im Iran anzulasten. Aber ob da
noch mehr kommt, ist ungewiss.
Die Demokraten ihrerseits haben einerseits innerparteiliche Machtkämpfe vor
sich, und nicht nur über die Frage der Präsidentschaftskandidatur 2028. Sie
haben so umfassend gewonnen, dass sich daraus kaum ableiten lässt, ob nun
linke, progressive oder doch eher zentristische Ansätze
erfolgversprechender sind.
Und: Sie müssen sich sehr genau überlegen, was sie mit ihrer neuen Macht in
Washington anstellen wollen. Es wird sehr schnell der Moment kommen, an dem
Trumps Regelverstöße ein Ausmaß annehmen, dass eine demokratische Führung
des Repräsentantenhauses glauben wird, kaum anders zu können, als ein
weiteres Amtsenthebungsverfahren einzuleiten – eine zutiefst unpopuläre
Maßnahme auch bei vielen, die jetzt demokratisch gewählt haben.
Trump hat alles daran gegeben, die Machtkompetenzen in Washington weiter
Richtung Weißes Haus zu verschieben. Aufgabe der Demokraten muss es sein,
zumindest wieder ein effektives Gegengewicht aufzubauen. Und Europa sollte
angesichts dieses Wahlergebnisses nicht in Euphorie verfallen: Im
transatlantischen Verhältnis wird erstmal nichts leichter, womöglich sogar
vieles erst einmal noch viel dramatischer.
4 Nov 2026
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