# taz.de -- Midtermwahlen in den USA: Mehr Macht, aber viele Risiken
> Was bedeutet der Wahlerfolg innenpolitisch für die Demokraten? Und welche
> Vorhaben kann Trump auch ohne sie umsetzen?
(IMG) Bild: Trumps Porträt hängt am Justizministerium in Washington: Die Demokraten können nicht verhindern, dass Trump weiter über Dekrete regiert
Die Demokratische Partei gewinnt die Kontrolle über beide Kammern des
US-Kongresses zurück. Mit der Konstituierung des neuen Kongresses Anfang
Januar bekommen [1][der designierte Sprecher des Repräsentantenhauses,
Hakeem Jeffries,] und bisherige demokratische Minderheitsführer im Senat,
Chuck Schumer, eine Menge Macht.
Aber im Weißen Haus herrscht noch bis zum 20. Januar 2029 weiterhin Donald
Trump. Und der hat es wie kein Präsident vor ihm vermocht, die eigentlich
in der US-amerikanischen Verfassung angelegte Gewaltenteilung zwischen
Präsident, Kongress und Oberstem Gerichtshof einseitig in seine Richtung zu
verschieben.
Was also können die Demokraten mit ihrer neuen Stärke wirklich anfangen?
Die wichtigste Funktion des Kongresses, wie jedes Parlaments, ist die
Verabschiedung von Gesetzen. Beide Kammern müssen sich mehrheitlich auf
denselben Text einigen, dann kommt der Gesetzentwurf auf den Schreibtisch
des Präsidenten und tritt mit dessen Unterschrift in Kraft.
## Trump hat das Veto
Nur: Er muss nicht unterschreiben, sondern hat die Macht des Vetos. Schon
in der vergangenen Nacht postete Trump ein Foto von sich mit einer roten
„VETO“-Kappe. Um wiederum dieses Veto zu überstimmen, bräuchte es
Zweidrittelmehrheiten in beiden Kongresskammern. Die haben die Demokraten
nicht, und dass es in der Republikanischen Partei derartige
Abwanderungsbewegungen von Trump gibt, dass überparteilich zwei Drittel
erreicht werden können, erscheint unwahrscheinlich.
Dazu kommt: In die neuen, großen demokratischen Fraktionen ziehen neue
Abgeordnete und Senator*innen sehr unterschiedlicher ideologischer
Prägung und politischer Ausrichtung ein. Schon jetzt sitzt jemand wie John
Fetterman aus Pennsylvania in der demokratischen Senatsfraktion, der gern
mit den Republikanern gemeinsam stimmt. Dass sich diese unterschiedlichen
Flügel leicht auf Gesetzesvorhaben einigen, die anschließend ohnehin per
Veto gestoppt werden, ist kaum zu erwarten.
Dabei wäre für die Demokrat*innen etwa ein Gesetzesentwurf, der die
schlimmsten Härten streicht, die sich aus Trumps 2025 verabschiedeten
[2][„Big Beautiful Bill“] für die Gesundheitsversorgung von Millionen
US-Amerikanern ergeben, absolut sinnvoll und populär. Symbolpolitik
womöglich, aber sinnvolle Symbolpolitik mit der klaren Botschaft: Wir
kämpfen für eure Rechte, Trump dagegen.
Gesichert ist zukünftiger Streit in Fragen des Haushalts. Die Verfassung
sieht vor, dass das Repräsentantenhaus einen Haushaltsentwurf vorlegt, der
dann mit dem Senat abgestimmt und schließlich wie ein Gesetz dem
Präsidenten vorgelegt werden muss. Eine Einigung erscheint vollkommen
ausgeschlossen – undenkbar auch, dass eine demokratische Mehrheit sich noch
einmal mit Regierungsshutdowns dazu erpressen lässt, untragbaren
Gesetzesteilen zuzustimmen. Aber die Regierung darf kein Geld ausgeben,
dass der Kongress nicht bewilligt hat. Das gibt in den nächsten zwei Jahren
richtigen Hickhack.
Die Demokraten können nicht verhindern, dass Trump weiter über Dekrete
regiert. Aber die haben gegenüber Gesetzen eine kürzere Halbwertzeit: Der
nächste Präsident kann sie per Federstrich zurücknehmen, so wie Trump es
mit fast allen Biden-Dekreten gemacht hat.
Aber erst einmal kann der Präsident seine Politik per Dekret um- und
durchsetzen – jedenfalls so lange, bis sie mit Kongressbeschlüssen in
Konflikt kommt, insbesondere zu freigegebenen oder verweigerten
Finanzmitteln. Der alte Kongress hat das mit sich machen lassen – der neue
müsste das nicht. Damit sich Trump allerdings an solche Vorschriften hält,
bräuchte es vermutlich die Hilfe des Obersten Gerichtshofs. Und die ist
keineswegs gewiss.
Was die Demokraten sicher können: Sie können Nominierungen Trumps für
Kabinettsposten, vor allem aber für Bundesgerichte verhindern oder
gegebenenfalls verzögern.
## Konservativer Supreme Court
Gleich zwei konservative Richter des Obersten Gerichtshofes, Samuel Alito,
76, und Clarence Thomas, 78, hatten über einen Rücktritt noch während
Trumps Amtszeit nachgedacht oder waren von rechter Seite aus dazu
aufgefordert worden. Der Gerichtshof ist derzeit 6:3 konservativ besetzt.
Gehen die beiden noch zu Trumps Amtszeit, so war die Überlegung, könnte
Trump einfach nachbesetzen und die rechte Mehrheit bliebe erhalten. Das
funktioniert jetzt nicht mehr: Fällt jetzt ein Richter aus, gibt es keine
Garantie, dass ein Trump-Kandidat tatsächlich durchgeht.
Der Weiße Elefant im Raum ist der Kampf gegen die offenkundige Korruption
der Regierung, die schamlose Bereicherung der Trump-Familie selbst, aber
auch anderer Regierungsmitglieder. Ein demokratisch geführter Kongress hat
das Instrument des Untersuchungsausschusses, kann Zeugen und Minister
vorladen und deren Machenschaften öffentlich machen.
Und schließlich ist da die Möglichkeit eines Impeachment-Verfahrens, das in
und nach Trumps erster Amtszeit schon zweimal gegen ihn durchgeführt wurde.
Dabei formuliert eine Mehrheit im Repräsentantenhaus eine Anklage wegen
kriminellen Fehlverhaltens, die dann vom Senat wie in einem Gerichtsprozess
verhandelt wird und verurteilt werden kann – was wiederum eine
Zweidrittelmehrheit erfordert, die nicht gegeben ist.
Die Versuchung, erneut zu diesem Instrument zu greifen, ist angesichts
Trumps permanenter Regelübertretungen riesig. Und doch sind sich nahezu
alle politischen Analysten einig, dass es ein Irrweg wäre. Denn die
Außenwirkung ist immer: Der ohnehin unbeliebte Kongress ergeht sich in
parteipolitischen Scharmützeln, statt sich um die Probleme der Menschen zu
kümmern. Und das, so steht zu befürchten, stimmt auch dann, wenn nicht
Trump, sondern etwa „Kriegsminister“ Pete Hegseth Ziel der Anklage wäre,
wie es Hakeem Jeffries kürzlich einmal angedeutet hat.
Was die Demokraten machen und was sie lassen, wird nicht ganz einfach zu
entscheiden sein. Sicher ist, dass Trump ihnen eine Falle nach der nächsten
Stellen wird. Ob sie reinfallen, liegt an ihnen.
4 Nov 2026
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## AUTOREN
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