# taz.de -- Die US-Außenpolitik nach den Midterms: Trump hat noch zwei Jahre Zeit, sich ein Denkmal zu setzen
       
       > Trumps Außenpolitik sorgt in Europa für Irritationen und Verzweiflung.
       > Kommt nach der Wahlniederlage im Kongress die Wende? Experten sind
       > skeptisch.
       
 (IMG) Bild: Was hat er vor, wenn er die Air Force One besteigt? Trump im Abflug begriffen
       
       Krieg mit Iran. Die Ukraine als Spielball der Großmächte USA, Russland und
       China. Zuckerbrot-und-Peitsche-Spiele für die Europäer. US-Präsident Donald
       Trumps außenpolitisches Gebaren in den vergangenen zwei Jahren sorgte für
       mehr als Irritationen und oft für verzweifelte Strategielosigkeit im Umgang
       mit einem der mächtigsten Männer der Welt.
       
       Bringt der Sieg der Demokraten bei den Zwischenwahlen in den [1][USA nun
       die Wende?] Also mehr Stabilität, Zuverlässigkeit und gar die Hoffnung auf
       eine Rückkehr zu alten transatlantischen Gepflogenheiten? Der Erfolg der
       Demokraten im US-Kongress wird die Außenpolitik des Präsidenten nicht
       deutlich verändern. Davon geht Célia Belin vom European Council on Foreign
       Relations in Paris aus: Trump hatte etliche Male schon die Mehrheit seiner
       eigenen Republikaner missachtet und wird dies wohl erst recht mit den
       Demokraten so handhaben.
       
       Dies bedeutet aus ihrer Sicht, er werde seine Macht als Präsident weiterhin
       exzessiv nutzen – um langjährige Allianzen der USA etwa mit Europa zu
       schwächen, um Militäreinsätze anzuordnen oder Truppen zurückzuziehen oder
       Deals mit anderen Staaten zu machen. Der Kongress hätte trotz
       demokratischer Mehrheit wenig Einfluss auf Trump, sagt Belin.
       
       Außenpolitische Themen spielten im Wahlkampf durchaus eine Rolle. Etwa bei
       den Öl- und Benzinpreisen, die durch den Krieg mit Iran deutlich gestiegen
       waren. Doch Themen, die vor allem die Europäer beschäftigen, liefen eher
       unter dem Radar: der Krieg in der Ukraine, die [2][Annexionsfantasien
       gegenüber Grönland] oder der Umgang mit Europa und der Europäischen Union
       an sich. Die neuen Abgeordneten der Demokraten, die jetzt nach Washington
       kommen, müssten erst mit diesen Themen vertraut gemacht werden, heißt es
       aus der Pariser Denkfabrik. Und das bedeutet Arbeit für die Europäer, wenn
       sie denn gehört werden wollen.
       
       ## Die Europäer sollten sich wappnen
       
       US-Expertin Nevada Joan Lee fordert die Europäer auf, das Momentum gegen
       Trump zu nutzen, Prioritäten zu setzen und langfristig zu denken. Lee hat
       das Jahr 2028 im Kopf, wenn ein neuer US-Präsident gewählt werden soll, und
       die Zeit darüber hinaus. „Stellen Sie sich vor, ein Demokrat gewinnt die
       Wahlen 2028, aber jemand wie Pete Hegseth (Trumps Verteidigungsminister, d.
       Red.) gewinnt vier Jahre später“, warnt sie. Die Europäer sollten sich
       dafür wappnen. Und zwar jetzt.
       
       Deutlich besorgniserregender schätzt Liis Mure vom International Center for
       Defense and Security in Tallinn die Lage ein. „Trump wird jetzt
       offensichtlich bei inländischen Entscheidungen deutlich eingeschränkter
       sein und demzufolge mehr Energie auf die Außenpolitik verwenden. Das wird
       uns sicher nicht mehr Stabilität geben“, so Mure in einem Statement. Trump
       wolle sich selbst ein Denkmal setzen, in die Geschichtsbücher eingehen.
       
       Dieses Ziel werde Trump nicht nur mit Monumenten und Statuen daheim in den
       USA verfolgen, sondern auch als „Friedensbringer“. „Sein Verständnis von
       Außenpolitik war bisher revolutionär“, analysiert Mure. „Und zwar im Sinne
       von: Ich reiße alles ein und schaffe etwas komplett Neues.“ Als Beispiel
       nennt die Wissenschaftlerin das von Trump anberaumte – oder besser:
       erhoffte – Dreiertreffen mit Chinas Präsident Xi und dem russischen
       Machthaber Putin in zwei Wochen beim Apec-Gipfel in China. „Er will etwas
       Großes erschaffen.“
       
       Damit solche Bestrebungen nicht völlig aus dem Ruder laufen und sich die
       Sorgen etlicher Nato-Staaten, die mit scharfen Trump-Attacken rechnen,
       nicht bewahrheiten, liegt nun die Hoffnung auch bei den Republikanern im
       Kongress, meint Mure. „Öffentlich wurde Trump bisher kaum kritisiert.
       Intern ja, vor allem seit Beginn des Irankriegs. Vielleicht ist es nun
       stärker möglich, parteiintern Einfluss auf seine Außenpolitik zu nehmen.“
       
       4 Nov 2026
       
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