# taz.de -- Midtermwahlen in den USA: Ein bisschen mehr Regenbogen
       
       > Bei den Wahlen haben queere Kandidat:innen gut abgeschnitten. Aber
       > Rechte von trans Menschen wurden nur bedingt gestärkt.
       
 (IMG) Bild: Hat die Wahl gewonnen: die trans Frau Sarah McBride (2. v. li.) bei der Gay-Pride-Parade in San Francisco
       
       Die US-Amerikaner:innen haben [1][bei den Midterms nicht nur blau,] sondern
       in Regenbogenfarben gewählt: Zu den Wahlgewinner:innen gehören
       zahlreiche queere Politiker:innen. Chris Pappas aus New Hampshire wird der
       erste schwule Mann des Senats sein, die lesbische Abgeordnete Sharice
       Davids zieht erneut in den Kongress ein ebenso wie trans Frau Sarah
       McBride. Und das sind nur einige Beispiele für die geschlechtliche und
       sexuelle Vielfalt der Gewählten.
       
       Die Rechte von queeren Menschen wurden bei den Zwischenwahlen jedoch nur
       bedingt gestärkt. Zusätzlich zur Kongress- und Senatswahl haben in
       verschiedenen Bundesstaaten Referenden stattgefunden. Unter anderem welche,
       die die körperliche Selbstbestimmung und andere Rechte von queeren Menschen
       und Frauen betreffen.
       
       So wurde in Virigina für die gleichgeschlechtliche Ehe und eine
       Verfassungsänderung gestimmt, laut der nun künftig zwischen „sex“ und
       „gender“ – also dem biologischen und dem sozialen Geschlecht –
       unterschieden wird. Doch neben diesem gesellschaftlichen Fortschritt haben
       die Wähler:innen vor allem für Einschränkungen der Rechte von trans
       Kindern gestimmt.
       
       In den Bundesstaaten Washington, Arizona und Nebraska und Colorado deuten
       die bisherigen Auszählungen darauf hin, dass künftig trans Mädchen vom
       Schulsport für Mädchen ausgeschlossen werden sollen. Die
       Befürworter:innen begründen das mit der angeblichen Sicherheit von
       Mädchen. In Nebraska bestand das Verbot schon vorher und soll nun in der
       Verfassung festgeschrieben werden. In Washington soll das biologische
       Geschlecht vor dem Sportunterricht nicht durch eine Geburtsurkunde bewiesen
       werden, sondern durch eine medizinische Untersuchung. Ein Vorgehen, das
       nicht nur unter Mediziner:innen stark umstritten ist.
       
       ## Wenig Fortschritt bei Recht auf Abtreibung
       
       In Colorado sollen nach jetzigem Zählstand zusätzlich
       geschlechtsangleichende Operationen an Minderjährigen verboten werden.
       Außerdem sollen OPs von Erwachsenen künftig nicht mehr aus Staats- oder
       Versichertengeldern bezahlt werden dürfen. Ein ähnliches Anliegen in
       Missouri wurde abgelehnt.
       
       Im Hinblick auf die körperliche Selbstbestimmung von Frauen gibt es dabei
       ein wenig Fortschritt. In vier Staaten gab es Referenden zum Recht auf
       Abtreibung. Im Ergebnis haben sich drei davon für ein grundsätzliches Recht
       darauf entschieden.
       
       [2][Seit der Supreme Court 2022 in einer historischen Entscheidung Roe vs
       Wade gekippt hat], ist das Abtreibungsrecht eine Entscheidung, die den
       einzelnen Bundesstaaten obliegt. Mehr als zwanzig Staaten hatten daraufhin
       Schwangerschaftsabbrüche entweder verboten oder extrem erschwert. In von
       Demokraten regierten Staaten, wie beispielsweise Kalifornien oder Michigan,
       wurde das Recht damals in die Verfassung des Bundesstaates geschrieben.
       
       In Nevada und Virginia haben sich nun die Wähler:innen für eine
       weitreichende Liberalisierung ausgesprochen. In Nevada sollen
       Schwangerschaftsabbrüche legal sein, bis der Fötus außerhalb des Körpers
       der Gebärenden überlebensfähig ist – also ungefähr bis zur 20.
       Schwangerschaftswoche. In Virigina soll ein fundamentales Recht der
       reproduktiven Freiheit festgeschrieben werden. Heißt: Der Staat darf
       Abtreibungen nicht verweigern, Ausnahmen gelten für das dritte Trimester.
       In den letzten Wochen der Schwangerschaft darf diese nur beendet werden,
       wenn das Leben der Mutter in Gefahr ist.
       
       In Missouri wurde ein Vorschlag der Republikaner abgelehnt, die
       Abtreibungen nur bis zur 12. Schwangerschaftswoche und auch nur im Fall von
       Inzest oder einer Vergewaltigung erlauben wollten. In Idaho stand zur Wahl,
       dass Schwangerschaftsabbrüche bis zur Lebensfähigkeit des Fötus legalisiert
       und medizinische Fachkräfte nicht bestraft werden sollten. 56 Prozent der
       Wähler:innen stimmten dagegen.
       
       4 Nov 2026
       
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