# taz.de -- Midterm-Wahlen in den USA: Debakel für die Republikaner – aber Trump noch nicht am Ende
       
       > Bei den Zwischenwahlen erleben Trump und die Republikaner eine
       > historische Niederlage. Trotz ihres Triumphs stellt das auch die
       > Demokraten vor neue Herausforderungen.
       
 (IMG) Bild: Kleines Störmanöver der Republikaner am Himmel während einer Veranstlatung der Demokraten in Georgia Ende Oktober 2026
       
       Eine solche politische Sturmflut haben die USA schon lange nicht erlebt.
       Die Partei Donald Trumps, der noch vor zwei Jahren die
       Präsidentschaftswahlen klar und deutlich gewinnen konnte, hat bei den
       Zwischenwahlen [1][eine umfassende Niederlage erlitten]. Das ist kein
       Denkzettel mehr, das ist eine Abwahl, über die sich freuen muss, wer
       Demokratie und Rechtsstaatlichkeit schätzt. Zusätzlich Grund zur
       Schadenfreude ist, dass weder [2][Elon Musks Millionen] noch [3][das
       hemmungslose Neuzeichnen von Wahlkreisen] das republikanische Desaster
       haben verhindern können. Trump ist trotz alledem rundheraus abgestraft
       worden.
       
       Nur, dass Trump selbst, so oft er auch gefordert hat, die Wähler*innen
       sollten so tun, als stünde er auf dem Wahlzettel, in Wirklichkeit eben
       nicht zur Wahl stand, sondern weitere zwei Jahre weiter regieren darf.
       
       Jeder andere Präsident würde bei so einem Ergebnis zur lahmsten aller
       lahmen Enten, würde sich im Weißen Haus verkriechen und beobachten, wie in
       seiner Partei um die Nachfolgekandidatur gekämpft wird. Das ist für Trump
       nur schwer vorstellbar – freiwillig wird er das Rampenlicht jedenfalls
       nicht verlassen.
       
       In Schritt eins macht Trump also, was er immer macht: Er weist jegliche
       Verantwortung für die Niederlage zurück. Es sei halt komischerweise immer
       so, dass die Regierungspartei bei den Midterms verliere, er verstehe das
       auch nicht. Tatsache sei aber, dass seine Präsidentschaft die großartigste
       und erfolgreichste der US-Geschichte sei. Klar.
       
       Beide großen Parteien kommen jetzt in schwieriges Terrain. Die Republikaner
       wissen nicht, ob sie sich von Trump lösen können und zu welchem Preis –
       schließlich reicht seine MAGA-Basis nicht, um Wahlen zu gewinnen, aber ohne
       sie geht es auch nicht.
       
       Aufseiten der Demokraten war eigentlich gespannt darauf geschaut worden, ob
       nun eher die zentristischen oder die linken Kandidat*innen gewinnen
       würden – stehen doch in der zurzeit führungslosen Partei wichtige
       Entscheidungen im Hinblick auf die Präsidentschaftswahl 2028 an. Jetzt
       haben alle gewonnen und die Analyse ist gar nicht so einfach. Das war wie
       eine Brandmauerwahl, alle zusammen gegen den rechtsextremen Aggressor. Dass
       daraus kaum kohärente Politik entsteht, kennen wir aus der hiesigen
       Debatte.
       
       Es stimmt also, mit den Wahlen ist nicht alles gelöst, der Albtraum der
       Trump-Präsidentschaft ist nicht vorbei, und außenpolitisch könnten viele
       die Wut dieses Präsidenten zu spüren bekommen, von Havanna bis Kyjiw, ohne
       dass der Kongress viel dagegen unternehmen könnte.
       
       Kernelemente des Trumpismus und des antiliberalen Kulturkampfes sind auch
       in den Köpfen nicht überwunden. Zwar haben Millionen US-Amerikaner*innen
       den Republikanern den Rücken zugekehrt, weil Trump seine Versprechen von
       2024, Inflation und Lebenshaltungskosten zu senken, nicht erfüllt hat, im
       Gegenteil. Dass sie erkennen, dass dafür nicht zuletzt Trumps Zollpolitik
       und der von ihm begonnene Irankrieg verantwortlich sind, bedeutet
       einerseits ein Ankommen in der Realität.
       
       Aber es bedeutet keine Abkehr von allen anderen Schrecklichkeiten seiner
       Politik und der Tendenz zum Autoritarismus. Wenn die Demokraten nur von
       jenen gewählt würden, die potenziell auch zu den No-Kings-Protesten gehen,
       hätten sie krachend verloren. Auch der rechte Kulturkampf lebt: In Colorado
       und Arizona gewannen zwar die Demokraten die Kongress- und
       Gouverneurswahlen – aber die Wähler*innen stimmten gleichzeitig in
       Referenden für die drastische Einschränkung von Transrechten.
       
       Und trotz alledem: Dass Trump und seine rückgratlose, duckmäuserische,
       intelligenzfeindliche Jasagertruppe unqualifizierter Realitätsleugner die
       kräftigste Midterm-Niederlage einer Regierungspartei seit über 50 Jahren
       eingefahren hat, ist ein Lebenszeichen von Verstand und
       gesellschaftspsychologischer Gesundheit. Die USA sind noch längst nicht
       geheilt. Aber der Wahlausgang gibt wenigstens einen Hinweis, dass sie nicht
       vollkommen verloren sind.
       
       Es liegt jetzt an den Demokraten, in Washington dafür zu sorgen, dass Trump
       sein Zerstörungswerk in den letzten zwei Jahren seiner Amtszeit nicht
       ungehindert fortsetzen kann. Das wird schwer. Vielleicht, nur vielleicht,
       bekommen sie dabei endlich auch Unterstützung von vernünftigen
       Republikanern, falls es die noch irgendwo gibt. Man wird ja noch hoffen
       dürfen.
       
       4 Nov 2026
       
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