# taz.de -- Nicht-weiße Gouverneurinnen: Endlich Farbe bekannt
       
       > In Georgia, Texas und New Mexico gewinnen Frauen bei den
       > Gouverneurswahlen, die nicht weiß sind. Eine geradezu historische
       > Zeitenwende.
       
 (IMG) Bild: Dankte ihrer Ur-Ur-Großmutter: Keisha Lance Bottoms bei einem Treffen mit Wählern in Georgia Ende Oktober
       
       Stacey Abrams, schwarze Abgeordnete aus Georgia und dort ein demokratisches
       Urgestein, zeigte sich am Dienstagabend nicht öffentlich in der
       Bundeshauptstadt Atlanta. Aber zu einem Tweet ließ sie sich dann doch
       hinreißen: Von ganzem Herzen gratulierte sie Keisha Lance Bottoms zu deren
       Sieg bei der Gouverneurswahl. Den Wähler*innen dankte sie, sie hätten
       damit eine „hellere Richtung für unseren Staat“ eingeschlagen.
       
       Lance Bottoms hat am Dienstag Geschichte geschrieben. Sie wurde als erste
       schwarze Frau zur Gouverneurin eines US-Staates gewählt und dazu noch in
       einem der zentralen Staaten des amerikanischen Südens. In ihrer Siegesrede
       erzählte Bottoms, wie sie am Vortag in die Kleinstadt Crawfordville
       gefahren war, wo ihre Ur-Ur-Großmutter als Sklavin gelebt hatte. „Ich weiß
       nicht, was sie sich für ihre Nachfahren erträumt hat“, sagte sie, von ihren
       Gefühlen ergriffen, „aber ich weiß, dass ich auf Schultern aus Stahl
       stehe.“
       
       ## Auf den Schultern der Ahnen
       
       Keisha Lance Bottoms steht auf den Schultern ihrer Ahnen – aber auch auf
       denen von Stacey Abrams. Abrams hatte zwei Mal, 2018 und 2022, für das
       Gouverneursamt kandidiert. 2018 verlor sie nur um 1,4 Prozentpunkte. Im
       Nachhinein konnte sie nachweisen, dass sie Opfer von Wahlmanipulationen
       ihres Gegners geworden war.
       
       Dass diese Ereignisse nicht einmal zehn Jahre zurückliegen, zeigt, wie
       wenig selbstverständlich es in den USA und gar im Süden noch immer ist,
       dass eine schwarze Frau in ein politisches Amt gewählt wird. Doch Lance
       Bottoms hatte einen Vorsprung von knapp 9 Prozent, eine Marge, die man auch
       durch Wahlkreiszuschnitte, [1][das berühmte gerrymandering zum Beispiel],
       nicht wegtricksen konnte.
       
       ## Rekordbeteiligung bei Afroamerikanern
       
       Dabei kam ihr zugute, dass die schwarzen Wähler einen gewaltigen Zorn auf
       Donald Trump haben. Seit der Wahl von Barack Obama 2008 waren nicht mehr so
       viele Afroamerikaner zur Wahlurne gegangen, um dem Mann, der versucht
       hatte, ihnen mit kreativer Neuordnung der Wahlbezirke ihre Stimme zu
       rauben, einen Denkzettel zu verpassen.
       
       Lance Bottoms war dafür genau die geeignete Person. Als Bürgermeisterin von
       Atlanta hatte sie sich 2020 einen Namen gemacht, indem sie die Proteste
       nach dem [2][Mord an George Floyd] so sensibel handhabte wie keine andere
       Stadtregierung. Sie sprach damals mit den Demonstranten, hörte ihren
       Anliegen zu und konnte erfolgreich deeskalieren.
       
       ## Erste Latina wird Gouverneurin in Texas
       
       Genauso historisch wie die Wahl von Lance Bottoms war am Dienstag die Wahl
       von Gino Hinojosa zur Gouverneurin von Texas. Auch ihr gelang ein
       Durchbruch – sie wurde als erste Latina zur Gouverneurin des Bundesstaates
       gewählt und ist dort die erste Demokratin im Amt seit mehr als 30 Jahren.
       Die Tochter mexikanischer Einwanderer stammt aus der Grenzstadt McAllen im
       südlichsten Zipfel von Texas, wo 2021 eine enorme Einwandererwelle eine
       Krise auslöste. Bei der Wahl 2024 konnte Trump diese Ereignisse politisch
       instrumentalisieren.
       
       Hinojosa kämpfte gegen die Kriminalisierung von Migranten und gegen die
       [3][„Rechtlosigkeit“ der Einwanderungspolizei ICE]. Zugleich tat sie sich
       mit dem [4][Kampf gegen Datenzentren] und für eine strenge Regulierung von
       KI hervor. Damit legte sie sich direkt mit Elon Musk an, dessen Firma Space
       X in ihrem Bezirk ihr Hauptquartier für den Raketenbau unterhält.
       
       ## Erste indigene Gouverneurin in New Mexico
       
       Rund 1.000 Kilometer weiter westlich gelang bei dieser insgesamt
       historischen Wahl einer weiteren Frau ein Durchbruch. In Albuquerque wurde
       Deb Haaland zur ersten indigenen Gouverneurin der USA gewählt. Haaland ist
       Mitglied der Laguna Pueblo, die seit 800 Jahren in New Mexico siedeln.
       Haaland bezeichnet sich als Neu-Mexikanerin in der 35. Generation.
       
       Politisch ist Haaland allerdings kein unbeschriebenes Blatt. Nach ihrer
       Zeit als Staatssenatorin in New Mexico wurde sie 2018 in das
       US-Repräsentantenhaus gewählt. Als Joe Biden 2020 zum Präsidenten gewählt
       wurde, ernannte er sie zur Innenministerin. Sie tat sich in dem Amt durch
       eine Initiative zur Bekämpfung der Ermordung indigener Frauen hervor, sowie
       zum Schutz historisch bedeutsamer Orte indigener Völker im Westen. Als
       Gouverneurin will sie sich jetzt um höhere Mindestlöhne, erneuerbare
       Energien und die Verbesserung der Gesundheitsversorgung in ihrem
       Bundesstaat kümmern.
       
       4 Nov 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
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