# taz.de -- Midterms in den USA: Bei einem Erdrutschsieg kann es schnell gehen
> In den USA werden am Dienstag nicht nur Wahlen für die zwei Kammern des
> Kongresses abgehalten. Die wichtigsten Fragen und Antworten zu den
> Zwischenwahlen.
(IMG) Bild: Wahlaufruf in Anchorage. Auf die Ergebnisse aus Alaska müssen wir bis sieben Uhr morgens deutscher Zeit warten
Es ist ist in den letzten Jahren immer schwieriger geworden, vor einem
Wahltag auch nur einigermaßen genau zu wissen, wann belastbare Ergebnisse
bekannt sein werden. An diesem Dienstag geht es um die Wahl aller 435
Abgeordneten des Repräsentantenhauses und 35 Senator*innen. Auf diese
Wahlen, die darüber entscheiden, ob US-Präsident Donald Trump weiterhin auf
die Gefolgschaft von beiden Kammern des Kongresses zählen kann, schauen die
US-amerikanische und die internationale Öffentlichkeit zuallererst.
Gewählt wird aber viel mehr. 36 von 50 Gouverneursposten stehen zur Wahl,
und in fast allen der 50 Bundesstaaten werden die meist ebenfalls aus zwei
Kammern bestehenden Landesparlamente neu gewählt. Außerdem gibt es noch
eine Vielzahl von Kommunalwahlen, von Bürgermeisterposten bis Schulräten
und insgesamt 145 Referenden. Es gibt in den Wahllokalen also eine Menge zu
zählen.
Aufgrund der verschiedenen US-Zeitzonen schließen die ersten Wahllokale
nach deutscher Zeit um 1 Uhr morgens in der Nacht zu Mittwoch, die letzten
um 7 Uhr am Mittwochmorgen.
Die beiden wichtigsten Zeitpunkte sind 2 Uhr morgens unserer Zeit, wenn 17
Bundesstaaten die Wahllokale schließen, und 3 Uhr morgens, wenn 14 weitere
folgen. Von den sieben am meisten beachteten Senatswahlen sind zu diesem
Zeitpunkt dann sechs beendet (in North Carolina, Kansas, Maine, Ohio und
Texas haben die Demokraten Chancen, den Republikanern Sitze abzunehmen, in
Michigan schaut alle Welt auf das Abschneiden des [1][linken, muslimischen
Kandidaten Abdul el-Sayed]). Nur die Wahllokale in Alaska, wo die
Demokraten ebenfalls darauf hoffen, die republikanische Amtsinhaberin zu
entthronen, sind noch bis 7 Uhr morgens deutscher Zeit geöffnet.
## Keine Prognosen aus Nachwahlumfragen
Aber: Zwar werden auch in den USA Nachwahlumfragen („Exit Polls“)
durchgeführt. Anders als in Deutschland, wo damit Punkt 18 Uhr eine
Prognoserechnung veröffentlicht wird, die meist nur wenig vom tatsächlichen
Endergebnis abweicht, geben die Exit Polls nur Aufschluss über die Themen,
die Wähler*innen am meisten beschäftigen, sie werden nicht zu
Hochrechnungen benutzt. Was in den vielen bunten Grafiken der
Wahl-Sondersendungen zu sehen ist, sind echte Zahlen, die sich laufend
verändern, so wie sie eben gemeldet werden.
Frühe Ergebnisse gibt es trotzdem. Bei den Repräsentantenhauswahlen gelten
nur 28 der 435 Wahlkreise als umkämpft, bei den Senatswahlen nur 8 der 35
zu wählenden Sitze. Die Sieger*innen in den anderen 407 beziehungsweise
27 Wahlen werden von den Sendern schon nach relativ frühen
Auszählungsständen ausgerufen. Aber nicht in den umkämpften Wahlen.
Allgemein anerkannt als diejenige Instanz, die ein Wahlergebnis ausruft,
ist seit 1848 die Nachrichtenagentur ap. Die offizielle Zertifizierung der
Ergebnisse findet stets erst Wochen später statt.
Verzögern können sich die Ergebnisse durch mehrere Faktoren, und diese
Faktoren sind von Bundesstaat zu Bundesstaat verschieden. Wenn etwa der
Vorsprung eines Kandidaten unter einer bestimmten Marge liegt, kommt es in
einigen Bundesstaaten automatisch zu einer manuellen Neuauszählung – in
anderen muss die erst von der unterlegenen Partei gefordert werden.
Briefwahlstimmen müssen in manchen Staaten bis zum Wahltag eingegangen
sein, in anderen genügt es, wenn sie mit Poststempel vom Wahltag
abgeschickt sind – selbst wenn sie erst Tage später eintreffen. In einigen
Bundesstaaten können Briefwahlstimmen, die vor dem Wahltag vorliegen,
bereits gezählt werden, in anderen darf dies erst am Wahltag geschehen,
mitunter erst dann, wenn die Zählung der direkt abgegebenen Stimmen beendet
ist.
Im Ergebnis: Bei einem Erdrutschsieg kann es schnell gehen. Wird es eng,
kann es Wochen dauern – republikanische Versuche, eine Niederlage nicht
anzuerkennen, noch nicht einmal mitgerechnet.
taz.de beginnt seine Live-Berichterstattung am Mittwoch um 4 Uhr morgens.
3 Nov 2026
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## AUTOREN
(DIR) Bernd Pickert
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