# taz.de -- Midtermwahlen in den USA: Perfekter Sieg auf fast allen Ebenen
> Schon vor Ende der Auszählung ist klar, dass die Demokraten in beiden
> Häusern die Mehrheit gewinnen. Aber vieles ist noch offen, etwa bei den
> Referenden.
(IMG) Bild: Nicht alles blau: Kneipenbesucher in Washington verfolgen die Stimmauszählung – nicht alle sind begeistert
Es war eine Wahlnacht, wie sie sich auch die optimistischsten
US-Demokrat*innen nicht hätten träumen lassen. Von denen gibt es spätestens
seit der unerwarteten Wahlniederlage Hillary Clintons gegen Donald Trump
2016 gar nicht mehr so viele. [1][Und dann fährt ihre Partei einen
perfekten Wahlsieg auf fast allen Ebenen ein.]
Im Senat hielten die Demokraten vorher 47 Sitze. 4 mussten sie
dazugewinnen, um die Mehrheit der 100 Senator*innen zu stellen.
Tatsächlich gewonnen haben sie mindestens 7 Sitze, das ist komfortabel. Am
Mittwochnachmittag sind noch zwei Rennen offen – wobei eines davon eine
Riesenüberraschung darstellt: im tiefrepublikanischen Mississippi liegt der
demokratische Herausforderer Scott Colom mit 43 Stimmen vorne. Bis der
Wahlsieg feststeht, wird es noch dauern: 96 Prozent der Stimmen sind
ausgezählt, das sind zusammen rund 920.000 Stimmen, der Vorsprung kaum
messbar.
Und in Alaska sorgt allein schon das Wahlsystem dafür, dass dort noch kein
Gewinner feststeht. Derzeit, bei 71 Prozent ausgezählter Stimmen, führt der
Republikaner Dan Sullivan mit einem Vorsprung von 1,2 Prozentpunkten vor
der Demokratin Mary Peltola. Aber in Alaska braucht es eine Mehrheit von
über 50 Prozent, um direkt zu gewinnen. Hat die niemand, wird ausgezählt,
was diejenigen, die für keinen der beiden Hauptkandidaten gestimmt haben,
als Zweitpräferenz angegeben haben. Das ist per se kompliziert und wird
nicht besser, [2][wenn einer der weiteren Kandidaten auch noch genauso Dan
Sullivan heißt wie der republikanische Kandidat]. Im Ergebnis: Auch das
dauert.
Bislang wissen wir also sicher, dass die Demokraten mindestens 7
Senatssitze hinzugewonnen haben und im Senat mit mindestens 54 Sitzen klar
die Mehrheit stellen.
## Sprecherposten geht an Demokraten
Auch für das Repräsentantenhaus wird noch in verschiedenen Wahlkreisen im
ganzen Land ausgezählt. Aber mit mindestens 27 Zugewinnen haben die
Demokraten mit mindestens 231 von 435 Sitzen die klare Mehrheit, und der
Posten als Sprecher geht vom Republikaner Mike Johnson auf den Demokraten
Hakeem Jeffries über.
Und auch bei den 36 Gouverneurswahlen haben die Demokraten klar zugelegt:
Mit Texas, Nevada, Iowa, Georgia und Ohio wechselt in gleich fünf
Bundesstaaten die Farbe der Exekutive vom republikanischen Rot zum
demokratischen Blau. Dass der in Texas unterlegene Rechtsaußen-Gouverneur
Greg Abbott anschließend von Donald Trump als „Rino“ bezeichnet wurde, als
Nur-dem-Namen-nach-Republikaner, entbehrt nicht einer gewissen Komik.
Insbesondere die Gouverneurswahl in Georgia scheint bedeutsam, denn es gibt
theoretisch beiden demokratischen Senatoren, Raphael Warnock und dem jetzt
wiedergewählten Jon Ossoff, die Möglichkeit, für 2028 eine
Präsidentschaftskandidatur anzustreben ohne befürchten zu müssen, dass ein
republikanischer Gouverneur ihren Sitz mit einem Nachrücker der Gegenseite
nachbesetzt.
Weniger eindeutig ist das Bild bei den vielen Referenden, die in den
Bundesstaaten abgehalten wurden. Am meisten Beachtung hatte zuvor die
kalifornische Abstimmung über eine Milliardärssteuer gefunden. Auch da wird
noch gezählt, aber mit lediglich 44 Prozent Zustimmung nach 60 Prozent
ausgezählter Stimmen sieht es nicht gut aus mit dem Lieblingsprojekt vieler
linker und progressiver Stimmen in den ganzen USA, das bei Erfolg mit
Sicherheit auch andernorts Schule gemacht hätte.
Die Demokraten haben in nahezu allen Bevölkerungsgruppen gewonnen, mit
einer Ausnahme: Weiße Männer ohne Schulabschluss wählten zu 58 Prozent
republikanisch. Aber in allen anderen Gruppen, die Trump noch vor zwei
Jahren hatte für sich begeistern können, waren die Republikaner diesmal
chancenlos.
4 Nov 2026
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## AUTOREN
(DIR) Bernd Pickert
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