# taz.de -- Bundeskanzler Merz vor dem EU-Gipfel: Absagen, Ansagen und ein bisschen Empathie
> Kanzler Merz wirbt vor dem EU-Gipfel im Bundestag um anhaltende Hilfen
> für die Ukraine. In Brüssel wird es vor allem um die Verteilung von Geld
> gehen.
(IMG) Bild: Merz möchte die Wogen daheim glätten, bevor er am Donnerstag nach Brüssel reist
Da soll noch einer sagen, der Bundeskanzler würde keine Empathie zeigen.
Friedrich Merz begann am Donnerstag seine Rede zum EU-Gipfel im Bundestag
mit Bärbel Bas. Der SPD-Kollegin, die mit ihrem Rücktritt als
Arbeitsministerin Anfang der Woche das politische Berlin erschütterte. Denn
sie begründete ihren Abgang einerseits mit einem Trauerfall in der Familie
und andererseits eben auch mit [1][persönlichen Attacken gegen sie seitens
des Koalitionspartners, also der Union]. Und nun bemüht sich Merz um Demut,
um Emotion, darum, das Bild vom harschen und harten Unionspolitiker
auszuräumen. Und er wünscht der Kollegin Kraft, alles Gute und dass sie
bald zurückkehrt.
Es geht Merz aber wohl um mehr als die Wogen daheim zu glätten. Wenn er am
Donnerstag in Brüssel ist, wird es viel um Gerechtigkeit gehen, um
Leistung, um Solidarität. Die EU will ihre Hilfe für die Ukraine erneut
ausweiten und sich stärker als bisher gegen Russland und China
positionieren, sagen Diplomaten vor dem EU-Gipfel. Außerdem ist eine
„strategische Debatte“ über die Erweiterung geplant. Neben der Ukraine
drängen auch Moldau, Montenegro und Albanien in die EU, doch einen Plan hat
Brüssel noch nicht.
Vor dem Hintergrund „wachsender geopolitischer Unsicherheit“ müsse man sich
für alle Fälle wappnen, schreibt EU-Ratspräsident António Costa in seiner
Einladung für das zweitägige Gipfeltreffen. Anders als bisher soll diesmal
aber nicht zuerst der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj sprechen –
das ist erst am Freitag geplant. Vielmehr soll es zunächst [2][um die
Wirtschaft] gehen.
## Notbremse gegen EU-Gesetze
Costa folgt damit einem Wunsch von Kanzler Merz. Der CDU-Chef fordert seit
Langem, mehr für Wettbewerbsfähigkeit und Entbürokratisierung zu tun.
Nachdem ein EU-Sondergipfel im Februar kaum Besserung gebracht hat, will
Merz nun nachlegen. Gemeinsam mit Italiens Regierungschefin Giorgia Meloni
und Belgiens Premier Bart De Wever fordert Merz eine „[3][Notbremse“ gegen
EU-Gesetze.]
Bremsen will Merz auch die [4][Exportoffensive aus China]. Dazu hat er
gemeinsam mit Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron einen Vorschlag
erarbeitet, der eine sogenannte „Nuklearoption“ enthält: Sollte China sich
nicht an die Regeln halten und einen Handelskrieg beginnen, so soll die
EU-Kommission die Möglichkeit erhalten, den Binnenmarkt für chinesische
Exporte zu schließen.
Scharfe Worte dürfte der [5][EU-Gipfel auch zu Russland] finden. Dass es an
der Haltung Deutschlands gegenüber dem russischen Machthaber Wladimir Putin
keinen Zweifel gibt, das machte Merz auch im Bundestag klar. Der Kanzler
sprach von einer steigenden Eskalationsbereitschaft Russlands – und
attackierte dann sowohl das ganz linke als auch das ganz rechte Lager. Es
sei ihm unverständlich, warum beide Seiten das „Spiel der Verharmlosung“
spielen würden. Auch allen anderen Kritiker:innen der Ukraine-Hilfen
erteilte Merz eine Absage. „Kein Euro, der in die Ukraine fließt, fehlt bei
den Sozialausgaben und den Bildungsausgaben in unserem Land.“
Die Ukraine wird auch in Brüssel erneut um mehr Geld bitten – und Merz will
für weitere Finanzhilfen werben. Obwohl der Staatshaushalt in Kyjiw aus dem
Ruder läuft und Brüssel erst vor wenigen Monaten einen 90 Milliarden Euro
schweren, schuldenfinanzierten Hilfskredit zugesagt hat. Dabei werde man
auch wieder über das eingefrorene russische Vermögen sprechen müssen, hieß
es in deutschen Regierungskreisen.
Merz hatte bereits beim EU-Gipfel im Dezember 2025 versucht, die „Russian
Assets“ zu nutzen, um die ukrainischen Finanzlöcher zu stopfen. Damals war
er allerdings am Widerstand aus Belgien, Italien und Frankreich
gescheitert. Nun könnte es einen neuen Versuch geben.
14 Oct 2026
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## AUTOREN
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