# taz.de -- Streit um EU-Haushalt: Kürzungen oder noch mehr Kürzungen?
> Der Streit über den Haushalt und die Zukunft der EU spitzt sich zu – Merz
> lehnt einen neuen Kompromissvorschlag der irischen Ratspräsidentschaft
> ab.
(IMG) Bild: Fordert harte Einschnitte: Friedrich Merz, hier während einer Pressekonferenz am 5. Oktober in Berlin
Der [1][Streit über das künftige EU-Budget] und neue Prioritäten wie
Wettbewerbsfähigkeit und Verteidigung spitzt sich zu. Die [2][irische
EU-Ratspräsidentschaft] hat am Samstag in Dublin einen Kompromissvorschlag
vorgelegt, der Deutschland und anderen Nettozahlern entgegenkommt und
milliardenschwere Kürzungen vorsieht.
Kanzler Friedrich Merz reicht das jedoch nicht, er fordert noch härtere
Einschnitte. Demgegenüber warnen das Europaparlament und 17 EU-Staaten
davor, die Zukunft der EU durch allzu große Sparwut zu verbauen – sie
fordern mehr Geld. Nun droht Ärger beim EU-Gipfel, der ab Donnerstag in
Brüssel tagt.
Die EU-Kommission will den Finanzrahmen für die Jahre 2028 bis 2034 auf
knapp 2 Billionen Euro erhöhen. Irland will diesen Entwurf nun um rund 159
Milliarden Euro (acht Prozent) kürzen. Die größten Einschnitte betreffen
die Posten für Wettbewerbsfähigkeit, Forschung, [3][Verteidigung] sowie
Außen- und Entwicklungspolitik.
Demgegenüber bleiben die Agrar- und Kohäsionspolitik weitgehend verschont.
Mit der Kohäsionspolitik sollen wirtschaftliche und soziale Unterschiede
zwischen den Regionen Europas verringert werden. Sie kommt vor allem
ärmeren EU-Staaten zugute. Für die Agrarpolitik macht sich traditionell
Frankreich stark.
## Scharfe Kritik aus dem Europaparlament
Merz reagierte ungewöhnlich harsch. „Die Höhe des neuen Vorschlags ist
keine Grundlage für eine Einigung“, erklärte er wenige Stunden nachdem
Irland seinen Kompromissvorschlag vorgelegt hatte. Der EU-Haushalt müsse
vor allem für diejenigen bezahlbar sein, die die Hauptlast der Finanzierung
tragen.
Gemeint sind Deutschland und weitere Nettozahler wie die Niederlande,
Schweden und Österreich. [4][Die sogenannten Frugals (die Geizigen)] hatten
von der irischen Ratspräsidentschaft eine Kürzung des Haushaltsentwurfs um
mehrere hundert Milliarden Euro gefordert. Ihnen geht die Kappung nicht
weit genug.
Viel zu weit geht der neue Vorschlag dagegen dem Europaparlament. Der
Entwurf raube Europa seine Zukunft, kritisieren die Sozialdemokraten (S&D).
„Er bedeutet weniger Wettbewerbsfähigkeit, weniger Soziales und weniger
Sicherheit“, sagte Carla Tavares, die bei S&D für den neuen Finanzrahmen
zuständig ist.
Kritik kommt auch von den Konservativen, die im EU-Parlament den Ton
angeben. „Pauschale Kürzungen sind keine Antwort auf die Herausforderungen
unserer Zeit“, erklärte Niclas Herbst, Chef der CDU/CSU-Gruppe. Wer von
Europa mehr Verantwortung erwartet, müsse dafür auch die finanziellen
Voraussetzungen schaffen.
## Die Schulden wachsen immer weiter
Die Grünen sprechen von einem „zukunftsvergessenen“ Haushalt. „Leider hat
die irische Ratspräsidentschaft bei den Eigenmitteln die Forderungen des
EU-Parlaments nach einer Digitalsteuer oder Besteuerung von Crypto nicht
aufgenommen“, kritisiert Rasmus Andresen, der haushaltspolitische Sprecher
der Grünen.
Schon im Vorfeld hatte es Streit über mögliche neue Einnahmen –die
sogenannten Eigenmittel – gegeben. Dadurch ließen sich die Beiträge der
Mitgliedstaaten zum Budget senken. Umstritten ist auch der Umgang mit den
Schulden, die die EU im Zuge der Coronakrise und des Ukrainekriegs
angehäuft hat.
Nach Schätzungen des Europäischen Rechnungshofs werden diese Schulden bis
zum Jahr 2027 auf voraussichtlich rund eine Billion Euro anwachsen. Auch
die Zinslast steigt an: Allein für den Zeitraum von 2028 bis 2034 rechnet
der Rechnungshof mit Zinskosten in Höhe von bis zu 93 Milliarden Euro.
Die Rückzahlung der Schulden ist eine wichtige Variable bei der Aufstellung
des neuen EU-Budgets, genau wie die Eigenmittel. Entscheidend dürfen aber
am Ende die Prioritäten sein, die die EU für die Zukunft setzen will.
Deutschland und Irland streben eine Einigung bis zum Jahresende an –
wahrscheinlicher ist sie nicht geworden.
11 Oct 2026
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## AUTOREN
(DIR) Eric Bonse
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