# taz.de -- Trump und Musk versus Selenskyj: Wer solche Freunde hat
> In der Ukraine wird plötzlich das Satellitensystem Starlink von Elon Musk
> gedrosselt und Trump macht Deals mit Putin. Wie Präsident Selenskyj
> reagiert und was die EU vorhat.
(IMG) Bild: Installiert Starlink an der Front: ein ukrainischer Soldat der 47. Brigade nahe der Stadt Avdiivka
Wolodymyr Selenskyj wird gleich von zwei Seiten aus den USA angegriffen:
Erst verlangt US-Präsident Donald Trump seinen Rücktritt, jetzt legt
Tech-Milliardär Elon Musk nach: „Es ist Zeit für Selenskyj zu gehen“,
schrieb Musk am Donnerstag auf seiner eigenen Plattform X. Da hatte der
ukrainische Staatschef seine westlichen Partner heftig kritisiert: Sie
lieferten keine neuen Luftabwehrraketen mehr und zuletzt nicht einmal mehr
nachrichtendienstliche Aufklärung über russische Raketenstarts.
„Wieder einmal keine Vorwarnung von unseren Partnern“, monierte
[1][Selenskyj auf Facebook]. Denn es waren russische Raketen in den drei
Heizkraftwerken der Hauptstadt Kyjiw eingeschlagen. „Das ist absolut
ungerecht: Während sie unsere Infrastruktur zerstören, erhält die Ukraine
nicht einmal Frühwarnungen über Raketenstarts“, so Selenskyj.
Schlimmer noch: In der Nacht konnte die ukrainische Armee kaum noch auf das
Satellitensystem Starlink zugreifen, das die Truppe mit mobilem Internet
versorgt. Die Frequenzen seien gedrosselt worden, berichtete der ehemalige
Berater des Verteidigungsministers, Serhij Sternenko. Dadurch seien „eine
Reihe wichtiger Missionen vereitelt worden“: Russische Nachschublinien
hätten ebenso wenig präzise getroffen werden können wie anfliegende
Drohnen.
Musk indes beteuerte, er und sein Unternehmen SpaceX – dem Starlink gehört
– seien dafür nicht verantwortlich. Der Zugang zu Starlinks Regierungs- und
Militärkommunikationssystem Starshield hänge nicht von seinem Unternehmen,
sondern von der US-Regierung oder sogar „dem Potus“ selbst ab – also dem
Präsidenten der Vereinigten Staaten. Am Donnerstagnachmittag soll
Starshield für die ukrainische Armee dann wieder normal funktioniert haben,
berichteten Medien in Kyjiw.
## Starlink essenziell für die ukrainische Armee
Starlink versorgt die Ukraine mit Internet aus dem All und das auch in
jenen Regionen, in denen es sonst kein Netz mehr gibt, weil Mobilfunkmasten
oder Datenleitungen zerstört wurden. Die Armee nutzt die mobilen Daten zur
Kommunikation und zur Zielsteuerung von Drohnen und Raketen. Russland hat
immer wieder versucht, das Starlink-System mithilfe von Cyberangriffen,
Beschuss und Signalstörungen zu stören.
Zuletzt wurden [2][in Polen und Bulgarien] Starlink-Bodenstationen durch
gezielte Brände beschädigt. Die Regierungen beider Länder vermuten
russische Sabotageakte als Ursache. Musk hatte noch voriges Jahr dafür
gesorgt, dass die russische Armee, die sich illegal mobile
Starlink-Terminals beschafft hatte, diese nicht nutzen kann. Die Ukraine
nutzt das System dank eines Vertrags mit den USA, für den Deutschland,
Polen und andere Partnerländer Kyjiws Millionen an SpaceX zahlen.
## Trumps „Energie-Waffenruhe“ gescheitert
Die Starlink-Verbindungsprobleme in der Ukraine fielen zeitlich mit dem
Druck zusammen, den Trump auf Selenskyj ausübte. Nach ukrainischen
Angriffen auf russische Ölraffinerien drohte Washington Medienberichten
zufolge sogar damit, den Austausch von Geheimdienstdaten einzustellen.
Trump hatte am Wochenende behauptet, er habe mit Moskau und Kyjiw eine
„Energie-Waffenruhe“ vereinbart, die Einstellung der gegenseitigen Angriffe
auf Kraftwerke, Raffinerien, Pipelines und Stromnetze. Keine der beiden
Seiten bestätigten dies. Selenskyj ließ aber die Drohnen-Attacken auf
russische Raffinerien aussetzen in der Hoffnung, dass die russische Armee
den Beschuss von Kraftwerken in der Ukraine beendet.
Nach der nächtlichen Attacke auf die drei Heizkraftwerke der Hauptstadt am
Donnerstag sagte Selenskyj dann entnervt: „Das Verbot (des Beschusses
russischer Raffinerien) ist aufgehoben“, und kündigte [3][neue Angriffe
seitens der Ukraine] an. Die seit Wochen stattfindenden Drohnenangriffe auf
Ölraffinerien haben in Russland zu erheblichem Treibstoffmangel geführt.
Trump gefällt das nicht, er will, dass Moskau [4][Diesel an den Weltmarkt]
liefert.
## EU kritisiert Selenskyj, will aber helfen
Auf dem EU-Gipfel in Brüssel wollen die Staats- und Regierungschefs der
EU-Mitgliedstaaten Selenskyj hinter verschlossenen Türen auffordern, seine
öffentliche Kritik an US-Präsident Donald Trump zu mäßigen. Das berichtete
die Financial Times unter Berufung auf drei Quellen, die den Gipfel
vorbereiten.
Selenskyjs scharfe Äußerungen könnten die ohnehin schon angespannten
Beziehungen zwischen Washington und Kyjiw noch weiter verschlechtern, nicht
alles müsse offen ausgesprochen werden. Zuvor hatte Selenskyj dem
US-Präsidenten wegen dessen Diesel-Deal mit Putin vorgeworfen, Trump
sympathisiere mit Autokraten und sehr reichen Menschen.
Die EU-Kommission kündigte unterdessen an, die Ukraine an ihr gesichertes
[5][Satellitenkommunikationssystem Govsatcom] anzuschließen, sobald dieses
Anfang 2027 neben der Satellitenkommunikation für europäische
Sicherheitsbehörden um kommerzielle Kapazitäten erweitert werde. Das solle
die ukrainische Abhängigkeit von Musks Starlink-Netzwerk verringern.
15 Oct 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.facebook.com/zelenskyy.official/
(DIR) [2] /Nach-Starlink-Anschlag-in-Polen/!6221692
(DIR) [3] /Nachrichten-im-Ukrainekrieg/!6221815
(DIR) [4] /Trump-kauft-Kraftstoff-von-Putin/!6220504
(DIR) [5] https://www.dlr.de/de/aktuelles/nachrichten/2026/spatenstich-beim-dlr-europaeischer-hub-fuer-sichere-satellitenkommunikation-entsteht-in-koeln
## AUTOREN
(DIR) Mathias Brüggmann
## TAGS
(DIR) Schwerpunkt Krieg in der Ukraine
(DIR) Elon Musk
(DIR) Starlink
(DIR) Wladimir Putin
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