# taz.de -- Rücktritt von Bärbel Bas: Nicht nur menschlich blank
> Der Rücktritt der SPD-Chefin offenbart die programmatische Leere der SPD
> in sozialen Fragen – und menschliche Abgründe in der Koalition.
(IMG) Bild: Dieses Trio muss sich Bärbel Bas jetzt nicht mehr geben
In Zeiten, in denen die Union für sich feststellt, dass sie wieder zu den
Alltagssorgen der Menschen zurückfinden muss, ist es die Spitzenpolitikerin
mit dem wohl größten biografischen Bezug zu diesen Fragen, die hinschmeißt.
Der Rücktritt von Bärbel Bas als Arbeitsministerin und SPD-Chefin ist eine
schlechte Nachricht für all jene, die von dieser Koalition auch nur Ansätze
von Antworten auf die zentralen Fragen rund um Arbeit, Gesundheit und
Wohnen erhofft hatten.
Mit ihrem Rückzug wird eine Beobachtung aus den vergangenen Wochen amtlich:
Die Bundesregierung besteht aus zwei Parteien, die sich mit sich selbst
beschäftigen. Bei ihrer zweitägigen Klausur verschloss die CDU unter
Friedrich Merz erneut die Augen vor der Erkenntnis, dass
migrationsfeindliche Parolen und ein Kuschelkurs mit den Unternehmen im
Land eben nicht ausreichen, um irgendetwas voranzubringen.
Die SPD steht dagegen vor der Frage, von der sie glaubte, dass sie mit der
Ernennung von Bärbel Bas als Arbeitsministerin kaschiert würde: Wofür steht
diese Partei? Bärbel Bas konnte mit ihrer Aufstiegsbiografie und dem auf
sie projizierten Ruhrpott-Charme eine sozialdemokratische Erzählung
liefern, die dabei half, über die programmatische Leere der Partei in
sozialen Fragen hinwegzutäuschen. Es war eben nur eine Erzählung.
Denn bei zentralen Themen wie dem Einknicken der SPD bei der Rückabwicklung
des Bürgergelds, den Angriffen auf den Kündigungsschutz und [1][den
Achtstundentag] oder dem Hin und Her bei der Rente für besonders langjährig
Beschäftigte hat sich inzwischen ein Bild in das kollektive Gedächtnis
eingebrannt: Bärbel Bas tritt mit zerknirschter Miene vor die Kameras und
verkündet Entscheidungen, um den Koalitionsfrieden nicht zu gefährden. Oder
schlimmer noch: Sie feiert für die Partei schmerzliche Kompromisse auch
noch als Erfolg.
## Kein Rückhalt selbst in Krisen
Dass es der SPD bei zentralen Fragen an eigenen Linien fehlt, ist aber kein
alleiniges Versäumnis der Arbeitsministerin. Im Gegenteil: Bas stellte sich
im Gegensatz zu ihrem Co-Parteichef immer wieder der massiven internen
Kritik, begab sich beim Juso-Kongress ins Kreuzfeuer oder legte sich mit
dem Arbeitgeberverband an – und bekam doppelt auf den Deckel, als sie
danach kritisierte, dass sie dort ausgelacht wurde.
Neben den inhaltlichen Auseinandersetzungen werfen die menschlichen
Abgründe, mit denen Bas ihren Rücktritt begründet, noch größere Fragen auf.
Wie soll man gemeinsam in einer Regierung arbeiten, wenn [2][man sich in
katastrophalen Momenten wie dem Tod einer Stieftochter] nicht auf
aufeinander verlassen kann? Es scheint, dass die beiden Regierungsparteien
nicht nur inhaltlich, sondern auch menschlich absolut blank dastehen. Für
die kommenden Monate kann das nichts Gutes verheißen.
12 Oct 2026
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