# taz.de -- CO₂-Flottengrenzwerte: Europas Autobauer kommen gut mit den Klimavorgaben klar
       
       > Mehr E-Autos, mehr erschwingliche Modelle: Die CO₂-Grenzen für Autobauer
       > zeigen Wirkung. Dennoch steht das baldige Verbrenner-Aus zur Debatte.
       
 (IMG) Bild: Neufahrzeuge auf dem Weg zum Kunden – die Autobauer erfüllen die CO₂-Flottengrenzwerte für die Jahre 2025–2027 wohl
       
       Die europäischen Klimavorgaben für die Autoindustrie sorgen dafür, dass
       mehr E-Autos als je zuvor auf dem EU-Markt verfügbar sind – und verkauft
       werden. Das schreibt der Klima- und Verkehrsverband Transport & Environment
       (T&E) [1][in einem Bericht], der am Montag veröffentlicht wurde. Schon im
       ersten Halbjahr dieses Jahres hätten die Verkaufszahlen von Elektroautos
       Rekordwerte erreicht, heißt es darin. Hochgerechnet auf das ganze Jahr geht
       T&E davon aus, dass 2026 siebenmal so viele Stromer mit einem
       Einstiegspreis von weniger als 25.000 Euro verkauft werden als 2024.
       
       Europäische Autofahrer:innen hätte lange auf kleinere, erschwingliche
       E-Autos warten müssen, sagt Susanne Goetz, Referentin für Elektromobilität
       bei T&E Deutschland. Inzwischen aber seien doppelt so viele Neufahrzeuge
       für unter 25.000 Euro erhältlich wie noch zwischen 2021 und 2025.
       
       „Die Ölkrise hat das Interesse europäischer Verbraucher an bezahlbaren
       E-Autos zusätzlich angeheizt“, sagt Goetz. Wer gleich im Februar, als die
       Regierungen Israels und der USA Krieg gegen das iranische Regime vom Zaun
       brachen und eine globale Energiekrise lostraten, von einem Verbrenner auf
       einen batterieelektrischen Pkw umgestiegen wäre, hätte laut dem Bericht bis
       Mitte September rund 350 Euro gespart.
       
       Angesichts der hohen E-Auto-Verkaufszahlen rechnet T&E damit, dass alle
       europäischen Autohersteller die sogenannten CO₂-Flottengrenzwerte für 2025
       bis 2027 erfüllen werden. Gleichzeitig hätten eben gerade die
       CO₂-Grenzwerte, die 2025 verschärft wurden, überhaupt erst den
       entscheidenden Anreiz für die Autobauer gesetzt, günstigere Modelle
       anzubieten. Und sie gäben den Herstellern die Chance, im internationalen
       Wettbewerb um Elektroautos mitzumischen.
       
       ## EU berät noch im Herbst über neue Klimaregeln
       
       Susanne Goetz warnt deshalb davor, die Klimaregeln für die Autoindustrie
       aufzuweichen, wie es [2][auf EU-Ebene immer wieder diskutiert] wird. „Würde
       das Ziel für 2030 jetzt abgeschwächt, könnte das Angebot erschwinglicher
       Modelle um fast drei Viertel einbrechen“, fürchtet die T&E-Expertin.
       
       Fixe CO₂-Flottengrenzwerte sind in der EU-Gesetzgebung seit 2015
       festgeschrieben und geben vor, wie viel Kohlendioxid die Neuwagenflotte
       eines jeden Herstellers im Durchschnitt pro gefahrenem Kilometer höchstens
       ausstoßen darf. Das Ziel: CO₂-Emissionen im Straßenverkehr senken und die
       Klimakrise bremsen. Von 2021 bis 2024 galt für die Autobauer ein Zielwert
       von 95 Gramm CO₂ pro gefahrenem Kilometer, seit 2025 liegt er bei 93,6
       Gramm.
       
       Ursprünglich sollten Hersteller, die diese Grenzwerte Ende 2025 nicht
       erreicht hätten, eine Strafe zahlen. Allerdings lockerten EU-Kommission und
       -Parlament vor etwa anderthalb Jahren [3][die Regeln für die
       Strafzahlungen] – unter anderem auf Druck großer deutscher Konzerne wie
       Mercedes-Benz und des Verbands der deutschen Autoindustrie sowie
       konservativer Kräfte aus der Bundesregierung. Die Autobauer haben nun bis
       2027 Zeit, ihre Flotten nach den Grenzwerten aus dem vergangenen Jahr
       auszurichten.
       
       Der Angriff auf die Klimaziele für die Autoindustrie ging jedoch noch
       weiter: Ende 2025 schlug die EU-Kommission vor, das [4][Verkaufsverbot für
       neue Verbrenner ab 2035 aufzuweichen]. Eine anstehende Abstimmung darüber
       hat der EU-Verkehrsausschuss vor wenigen Tagen aufgeschoben, die Abstimmung
       im EU-Plenum steht für November auf dem Plan.
       
       ## Rekordzulassungen bei E-Autos in Deutschland
       
       Derweil war der Anteil der E-Autos an den neuzugelassenen Pkw im September
       auch in Deutschland mit 34,5 Prozent so hoch wie nie zuvor – das vermeldete
       die Beratungsgesellschaft EY am Montag auf Basis von Zulassungsdaten des
       Kraftfahrtbundesamtes. Dennoch ist die [5][Stimmung in der deutschen
       Autoindustrie extrem angespannt]. Katharina Dröge,
       Vize-Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, forderte deshalb, das
       Verbrenner-Aus umso mehr zu verteidigen, die hiesigen Hersteller vor den
       Dumpingpreisen chinesischer Konkurrenz zu schützen und die Kaufprämie für
       E-Autos auf Gebrauchtwagen auszuweiten, um noch mehr Menschen mit geringem
       Einkommen den Abschied vom Verbrenner zu ermöglichen.
       
       5 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.transportenvironment.org/articles/wave-of-affordable-electric-cars-is-boosting-consumers-choice-sales-of-sub-eur25-000-models-set-to-rise-sevenfold
 (DIR) [2] /Nach-Druck-der-Bundesregierung/!6137846
 (DIR) [3] /Vorschlag-der-EU-Kommission/!6076459
 (DIR) [4] https://transport.ec.europa.eu/transport-themes/action-plan-future-automotive-sector/automotive-package_en
 (DIR) [5] /Krise-bei-Autobauer/!6217803
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Nanja Boenisch
       
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       E-Autos.