# taz.de -- IAA in Hannover: China will den E-Truck-Markt erobern
> Strombetriebene Lastwagen werden immer günstiger. Auf dem
> EU-Nutzfahrzeugmarkt startet deshalb gerade die Verkehrswende. Aber woher
> kommen die Lkws?
(IMG) Bild: Der Stand von MAN Truck & Bus auf der Messe IAA Transportation in Hannover am 14. 9. 2026
Kaum Pannen, leicht zu fahren, günstig: 93 Prozent der vom
[1][Öko-Institut] befragten deutschen Firmen fanden ihre neuen
Elektrotrucks besser als die alten Diesellaster. Dennoch war der
E-Marktanteil bei den Neuzulassungen mit 2,3 Prozent im ersten Halbjahr
2026 in Europa noch relativ mickrig. Gegenüber dem Vorjahr hat er sich
allerdings fast verdoppelt. Die Verkehrswende startet also in dem Segment
gerade. Insgesamt fahren derzeit erst 14.000 E-Lkws auf Europas Straßen.
Der Markt ändert sich gerade rasant. Ob [2][Europas Lkw-Hersteller] wie bei
den Pkws von der Elektro-Konkurrenz aus China und den USA überrollt werden,
ist die große Frage der Nutzfahrzeugmesse IAA Transportation, die am
Dienstag in Hannover eröffnet wurde. 70 Prozent der knapp 1.600 Aussteller
kommen aus dem Ausland, vor allem aus – China.
Noch dominieren in Europa heimische Hersteller wie Daimler Truck, die
VW-Tochter Traton mit ihren Marken MAN und Scania, Volvo, DAF und Iveco.
Doch Konzerne wie Tesla, Foton, Skyworth Auto oder Sitrak pushen ihre zum
Teil deutlich günstigeren E-Trucks Richtung Europa. Das könne hiesige
Hersteller in ihrer Existenz bedrohen, heißt es in einer aktuellen
[3][Untersuchung] der Verkehrs-NGO Transport & Environment (T&E). Die
Ankündigungen einiger Hersteller aus der Volksrepublik, bis 2030 etwa ein
Viertel des E-Lkw-Marktes in Europa zu erobern, seien sehr ernst zu nehmen.
„In diesem kritischen Moment sollten die Lkw-Hersteller aus den Fehlern der
Automobilindustrie lernen“, so T&E-Expertin Johanna Braun.
Der Kostenvorteil der Wettbewerber ist deutlich. Ein Kilometer mit einem
chinesischen E-Lastwagen koste insgesamt 55 Cent gegenüber 63 Cent mit
einem europäischen Produkt, rechnet T&E vor. Insgesamt ergebe sich über
einen Zeitraum von fünf Jahren eine Ersparnis von 43.000 Euro. Bei
Reichweite, Ladezeit, maximaler Nutzlast und Energieeffizienz sei die
Konkurrenz aus dem Ausland zudem „genauso gut“ wie europäische Lkws, warnt
T&E. Und mahnt: Die Flottengrenzwerte für Lastwagen, die EU-weit im
kommenden Jahr novelliert werden, müssten streng ausfallen. Das nutze den
technisch versierten hiesigen Herstellern.
## Kostenvorteile bei E-Brummis
Klar scheint: Die Zukunft des Nutzfahrzeugsmarkts ist elektrisch. Je nach
[4][Untersuchung] liegt der Kostenvorteil eines E-Brummis in fünf Jahren
durch die rasant gestiegenen Dieselpreise, bessere Ladeinfrastruktur sowie
Maut- und CO2-Kosten zwischen 11 und 13 Prozent. In Deutschland, wo
elektrische Lkws bis 2031 von der Maut befreit sind, sind die Strom-Brummis
sogar bereits jetzt schon samt Betriebskosten günstiger als die
Diesel-Stinker.
Mehr Elektro-Lkws helfen auch dem bei den Klimazielen hinterherhinkenden
Verkehrssektor. Knapp 30 Prozent der CO2-Emissionen in der EU entfallen
laut Verband der Automobilindustrie (VDA) auf den Schwerlastverkehr. Für
VDA-Präsidentin Hildegard Müller gibt es hier „enormes Potenzial“, wie sie
anlässlich der IAA-Eröffnung sagte.
Batterieelektrische Lkws kämen auf Reichweiten von bis zu 500 Kilometern,
Wasserstoff-Lastwagen, von denen es deutlich weniger gibt, sogar 700 bis
800 Kilometer weit. Allerdings mangele es europaweit an Ladepunkten und
Wasserstoff-Tankstellen: „Die Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit ist
riesig.“
E-Lastwagen im Fernverkehr müssen an besonders leistungsfähigen Ladesäulen
laden können, damit ihre Fahrer die gesetzlichen Lenk-und Pausenzeiten
besser einhalten können.
Der VDA geht für 2030 von einem Bedarf von rund 4.000 solcher
Megawatt-Ladepunkte aus. Im Juli 2026 standen in der gesamten EU aber
gerade einmal 730, davon 355 in Deutschland. Bundesverkehrsminister Steffen
Bilger (CDU) kündigte in Hannover an, entlang der Autobahnen ein
Schnellladenetz für E-Lkws aufzubauen. An 124 unbewirtschafteten
Rastanlagen bundesweit beginne gerade die konkrete Umsetzung.
## „Natürliche Wettbewerbsvorteile“ der Chinesen
Wegen der Herstellung der Lkw-Batterien in China und happiger Subventionen
hätten die Hersteller aus Fernost „natürliche Wettbewerbsvorteile“, warnt
auch der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer. Allerdings sei der
Nutzfahrzeug-Markt deutlich komplizierter als der Pkws. Hier bringen
chinesische Hersteller derzeit die Europäer in Bedrängnis. Unter anderem
müssten die neuen Wettbewerber „24-Stunden-Werkstattsysteme entlang der
Autobahnen, schnelle Ersatzteilversorgung und ein vielfältiges Angebot von
Aufliegern und Anhängern“ anbieten, so Dudenhöffer.
Wie bei den E-Autos fangen die Chinesen derzeit an, eigene
Produktionsstätten in der EU aufzubauen, um Zölle und Einfuhrbeschränkungen
zu umgehen. So promotet der Lkw-Produzent Sinotruk seine Kooperation mit
Steyr Automotive.
Die Österreicher montieren seit Frühjahr 2026 eine neue
Sinotruck-Modellreihe für den europäischen Markt. Dabei möchte das
Unternehmen gezielt nicht mehr als chinesischer Import wahrgenommen werden.
Auch das chinesische Start-up SuperPanther hat für seinen neuen eTopas 600
ein eigenes Europawerk aufgebaut. Chinas E-Weltmarktführer BYD will dagegen
im kommenden Jahr seinen ersten Schwerlaster „ETT 44“ in Europa einführen –
und plant auch langfristig eine hiesige Lkw-Herstellung. „Langfristig
werden wir alles, was wir in Europa verkaufen, hier produzieren“, sagte
BYD-Vizechefin Stella Li in Hannover.
Europäische Hersteller wie MAN fordern, dass die EU bei Lkws so vorgehen
soll wie gegen subventionierte Elektroautos aus China. Zölle und
Vorschriften für lokale Produktionsanteile wären Instrumente, um unfaire
Wettbewerbsvorteile auszugleichen, meint der Hersteller aus München.
MAN-Chef Alexander Vlaskamp forderte die EU bei der IAA auf, für fairen
Wettbewerb zu sorgen. Dabei sprach er vor allem Produktionsvorgaben an.
Sein Unternehmen müsse in China 60 bis 70 Prozent der Teile vor Ort
einkaufen und könne nur in Gemeinschaftsunternehmen produzieren, sagte
Vlaskamp der Nachrichtenagentur Reuters. „Solche Bedingungen sollten auch
in Europa herrschen.“
15 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.oeko.de/blog/e-lkw-haben-den-praxistest-bestanden-rueckblick-auf-zehn-jahre-forschung/
(DIR) [2] https://press.mantruckandbus.com/corporate/de/beyond-diesel-wie-elektrische-lkw-heute-zum-wettbewerbsvorteil-werden/
(DIR) [3] https://www.transportenvironment.org/te-deutschland/articles/chinesische-und-us-amerikanische-lkw-hersteller-koennten-bis-2030-ein-viertel-des-europaeischen-e-lkw-marktes-einnehmen
(DIR) [4] https://theicct.org/wp-content/uploads/2026/09/ID-687-%E2%80%93-high-9.1-Transition-Check-2026-Research-Brief-A4-50216-v6.pdf
## AUTOREN
(DIR) Kai Schöneberg
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