# taz.de -- Krise bei Autobauer: VW kündigt fast alle Tarifverträge
       
       > Volkswagen verschärft seinen Sparkurs und kündigt zehn Tarifverträge.
       > Gewerkschaft und Betriebsrat kündigen Widerstand an.
       
 (IMG) Bild: Tarife, nein danke
       
       dpa | Im Ringen um schärfere Sparmaßnahmen hat der Autobauer Volkswagen
       einen Großteil seiner Tarifverträge gekündigt – darunter auch den wichtigen
       Manteltarifvertrag. Das Unternehmen [1][will angesichts des aktuellen
       Kostendrucks] verschiedene Regelungen anpassen, teilte VW nach einem
       Gespräch mit Arbeitnehmervertretern in Hannover mit. Ein Sprecher nannte
       keine genaue Zahl der gekündigten Verträge. Nach Angaben der IG Metall sind
       es zehn.
       
       Das wirtschaftliche Umfeld hat sich nach Angaben des Personalvorstands der
       Marke Volkswagen, Arne Meiswinkel, für die Autoindustrie und damit auch für
       Volkswagen gravierend verschärft. „Diese Marktveränderungen sind
       strukturell und tiefgreifend. Unter anderem drängen chinesische Hersteller
       mit günstigen Exporten nach Europa“, teilte Meiswinkel mit. Das erhöhe den
       Preis- und Wettbewerbsdruck enorm. Die Maßnahmen [2][aus dem Zukunftsplan
       2030] müssten daher schnell und konsequent umgesetzt werden.
       
       Mit der fristgerechten Kündigung zum 31. Dezember 2026 will das Unternehmen
       einen Verhandlungsraum öffnen. Der Manteltarifvertrag regelt grundlegende
       Arbeitsbedingungen für die mehr als 100.000 VW-Beschäftigten in
       Deutschland. Insgesamt umfasst der Haustarif 13 Verträge. Sie regeln unter
       anderem Arbeitsbedingungen, Arbeitszeit und Zulagen. Nicht betroffen ist
       der Zukunftstarifvertrag 2024 und die darin vereinbarte
       Beschäftigungssicherung bis Ende 2030.
       
       Erste Folgen könnten VW-Beschäftigte nach Angaben der Arbeitnehmer von
       Januar 2027 an spüren. Gewerkschaft und Betriebsrat kündigten Widerstand
       an. „Das ist ein übles Foul an der Belegschaft und erneut ein schamloser
       Versuch, in die Geldbeutel der Beschäftigten greifen zu wollen“, teilte
       Niedersachsens IG-Metall-Chef Thorsten Gröger mit. Das werde man nicht
       hinnehmen. VW-Betriebsratschefin Daniela Cavallo rechnete mit einer
       „heftigen Auseinandersetzung zum Jahreswechsel“. Agnes Conrad,
       Linken-Sprecherin im Bundestag für Automobilindustrie sagte: „Die Kündigung
       von zehn Tarifverträgen ist eine klare Kampfansage an die Beschäftigten.
       Sie haben bereits massive Zugeständnisse gemacht und sollen nun erneut mit
       ihren Einkommen, Arbeitszeiten und tariflichen Rechten für [3][die Krise
       des Konzerns] bezahlen.
       
       ## Arbeitnehmer zweifeln an früheren Zusagen
       
       Am Mittwoch trafen sich Vertreter von Volkswagen, IG Metall und Betriebsrat
       zu einem sogenannten Überprüfungsgespräch. Die Arbeitnehmer, die das
       Treffen ursprünglich einberufen hatten, forderten Klarheit, ob und wie VW
       die Zusagen aus dem Zukunftstarifvertrag 2024 einhält. Sie sahen diese
       Abmachungen durch die verschärften Sparpläne gefährdet. Das Management
       wollte erklären, warum die damals vereinbarten Einsparungen aus seiner
       Sicht nicht mehr ausreichen.
       
       Der Tarifabschluss 2024 sieht den Abbau von 35.000 Stellen in Deutschland
       bis 2030 vor. Zudem wurden Boni und Zulagen gekürzt und Lohnerhöhungen
       ausgesetzt. Im Gegenzug verzichtet VW bis Ende 2030 auf betriebsbedingte
       Kündigungen und Werkschließungen und sagte Investitionen und neue Produkte
       für die deutschen Standorte zu.
       
       ## Konzern steht vor historischem Umbau
       
       Das Überprüfungsgespräch war das erste größere Treffen von Unternehmen und
       Arbeitnehmervertretern seit dem Aufsichtsratsbeschluss Anfang September.
       Das Management um VW-Chef Oliver Blume soll den Konzern im Rahmen des
       beschlossenen Zukunftsplans umbauen und Milliarden einsparen.
       
       Weltweit sollen zusätzlich zu den bisherigen Plänen 50.000 Stellen
       wegfallen, bis zu die Hälfte davon könnte auf Deutschland entfallen.
       Konkrete Programme müssen noch mit den Arbeitnehmern verhandelt werden.
       
       30 Sep 2026
       
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