# taz.de -- Verkehrspolitik in der EU: Deutschland und Frankreich hängen am Verbrenner
> Deutschland will Neuwagen mit Verbrennungstechnologie weiter zulassen. Am
> Freitag hat sich die Bundesrepublik darauf auch mit Frankreich
> verständigt.
(IMG) Bild: Autos sind für manche unerlässlich. Wie es angetrieben wird, das interessiert vor allem die deutsche Autoindustrie
dpa/ |afp Deutschland und Frankreich haben sich auf gemeinsame Vorschläge
zur Automobilindustrie geeinigt, die eine weitere Aufweichung des
Verbrenner-Aus bis 2035 vorsieht. Beide Seiten teilten mit: „Wir streben
eine deutliche Senkung der CO₂-Emissionen an und stärken zugleich Europas
Kapazitäten für die Entwicklung und Fertigung der nächsten Generation von
Elektrofahrzeugen.“
Die Abkehr vom Verbrenner-Aus war die Hauptforderung der Bundesregierung.
Damit würden die beiden Länder einen Streit beilegen, der zwei
Gesetzgebungsverfahren in Brüssel zu blockieren drohte.
Im Gegenzug habe sich Deutschland zu Zugeständnissen bei der Bevorzugung
von Produkten europäischer Herkunft in der Industrieförderung bereit
erklärt. Das gehe aus einem vierseitigen Positionspapier hervor.
Bislang hatte sich Frankreich gegen eine Lockerung beim Verbrenner-Aus
ausgesprochen. Die Verständigung zwischen den beiden größten europäischen
Volkswirtschaften könnte eine Mehrheit im Rat der EU-Staaten ermöglichen.
## Abkehr vom Verbrenner-Aus
Die EU-Kommission hatte im vergangenen Dezember vorgeschlagen, auch nach
[1][2035 in der EU Autos mit Verbrennungsmotor neu zuzulassen] – eine
Abkehr vom eigentlich ausgehandelten Verbrenner-Aus. Dafür hatte sich
Deutschland eingesetzt.
Über die Vorschläge beraten derzeit jeweils das Europaparlament und der Rat
der EU‑Mitgliedstaaten. Ohne die Zustimmung beider Institutionen treten sie
nicht in Kraft. Frankreich und sechs weitere EU-Länder hatten sich noch im
Juni gegen eine Lockerung eingesetzt und vor einem strategischen Fehler
gewarnt.
## Vorschlag würde noch mehr lockern
Das deutsch-französische Kompromisspapier sieht laut Handelsblatt jetzt
unter anderem vor, dass die Hersteller ihre durchschnittlichen Emissionen
ab 2035 nur noch um 90 Prozent reduzieren müssten, ohne die verbleibenden
10 Prozent kompensieren zu müssen. Damit könnten sie weiter neue Benzin-
und Dieselfahrzeuge verkaufen, solange ihre Neuwagenflotte den
vorgeschriebenen Grenzwert einhält.
Die EU-Kommission hatte vorgeschlagen, dass die restlichen 10 Prozent
komplett durch CO₂‑neutrale Kraftstoffe oder grünen Stahl kompensiert
werden müssen. Der deutsch-französische Vorschlag gibt Herstellern damit
noch mehr Flexibilität.
Deutschland stimmt demnach im Gegenzug zu, die staatliche Förderung
grundsätzlich auf in den 27 EU-Mitgliedstaaten hergestellte Autos zu
beschränken. Großbritannien könnte aber ebenfalls anerkannt werden, sodass
etwa staatliche Kaufprämien für Autos auch für britische Autos genutzt
werden könnten. Deutschland hatte sich bisher für eine weichere Regelung
eingesetzt, die Lieferanten aus mehr Handelspartnern einbeziehen würde.
## „Historischer Fehler“ oder „Blaupause für die Einigung“?
Der Verkehrsverband T&E Deutschland warnte in einer ersten Reaktion vor
einem „historischen Fehler“. Mobilitätsreferentin Susanne Goetz
kritisierte: „Deutsche und französische Politiker geben vor, Arbeitsplätze
retten zu wollen. Doch dieser Deal könnte am Ende tatsächlich den
Niedergang der europäischen Automobilindustrie besiegeln.“ Europa müsse
seine Abhängigkeit von importiertem Öl verringern, für erschwingliche
E-Autos sorgen und der Industrie einen klaren Anreiz geben, in E-Autos und
deren Lieferketten zu investieren.
Der Europaabgeordnete Michael Bloss, Chefverhandler der Grünen-Fraktion zu
den CO₂‑Flottengrenzwerten, nannte den Deal einen „Bremsklotz für den
boomenden Hochlauf der E‑Autos“. „Eine Zukunft hat die [2][Autoindustrie]
nur, wenn wir in Europa gute und günstige E-Autos bauen.“
Der verkehrspolitische Sprecher der FDP im Europäischen Parlament,
Jan-Christoph Oetjen, sprach dagegen von einem wichtigen Signal der
Unterstützung an die Automobilindustrie. „Flexibilität für die
Automobilhersteller und Technologieoffenheit bei der Erreichung unserer
Klimaziele hilft nicht nur den Herstellern, sondern auch den Zulieferern.“
16 Oct 2026
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