# taz.de -- Dienstwagen von Politiker:innen: Klimaschädliche Kutschen
> Nicht mal Stillstand, sondern Rückwärtsgang: Politiker:innen setzen
> wieder mehr auf Verbrennerdienstwagen. Die Umwelthilfe fordert mehr
> E-Autos.
(IMG) Bild: Auch der Bundespräsident war schon oft eher klimaschädlich unterwegs, hier 2018 in Düsseldorf
Als Cem Özdemir noch Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft war,
machte er regelmäßig Schlagzeilen mit seinem klimafreundlichen Gefährt. An
der Spree entlang durchs Berliner Regierungsviertel, auf dem Weg zu
Terminen mit dem Bundespräsidenten: Immer wieder wurde der Grüne [1][auf
dem Fahrrad gesichtet]. Einen Dienstwagen hatte Özdemir damals wie heute,
als baden-württembergischer Ministerpräsident, trotzdem – aber immerhin
einen recht sparsamen, vollelektrischen.
Viele andere deutsche Spitzenpolitiker:innen nutzen hingegen wieder
vermehrt Verbrenner als Geschäftswagen, wie die Deutsche Umwelthilfe (DUH)
in ihrem diesjährigen Dienstwagencheck ermittelt hat. Demnach ist der
Anteil der Dienstwagen mit Verbrennungsmotor höher als noch vor einem Jahr,
der Anteil vollelektrischer Dienstwagen ist seitdem sowohl auf Landesebene,
als auch im Bund gesunken. Die Politiker:innen hätten den
Rückwärtsgang beim Klimaschutz eingelegt, kritisiert der Umweltverband
deshalb.
Özdemir ist mit seinem Stromer, der laut DUH 66 Gramm Kohlendioxid pro
Kilometer ausstößt, der klimafreundlichste der Landeschef:innen. Im
Bundeskabinett ist Entwicklungsministerin Reem Alabali-Radovan (SPD) mit
ihrem vollelektrischen Wagen und 64 Gramm CO2 pro Kilometer am sparsamsten
unterwegs. Grundlage der CO2-Berechnung sind offizielle Fahrzeugdaten nach
dem standardisierten WLTP-Testverfahren und der CO2-Gehalt des deutschen
Strommixes.
Der Abstand zu den Schlusslichtern des Rankings ist groß: In der
Bundesregierung kommen Bildungsministerin Karin Prien (CDU) und
Justizministerin Stefanie Hubig (SPD) mit ihren Verbrennern auf je 196
Gramm ausgestoßenes CO2 pro Kilometer. Im Tabellenkeller der Länder sind
[2][NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU)], Mecklenburg-Vorpommers
Landeschefin Manuela Schwesig (SPD) und Berlins Senatsoberhaupt Kai Wegner
(CDU) mit jeweils 262 Gramm Kohlendioxid pro gefahrenem Kilometer.
## Rote Karte für zwei von drei Dienstwagen
Insgesamt hat die DUH 249 Dienstwagen ausgewertet. Zwei Drittel reißen laut
dem Umweltverband mit ihrem tatsächlichen CO2-Ausstoß die europäischen
Flottenziele und kassierten dafür eine rote Karte. „Die Politikerinnen und
Politiker der Bundes- und Landesregierungen verfehlen ihre Vorbildfunktion
massiv“, sagte Barbara Metz, Bundesgeschäftsführerin der DUH am Dienstag.
Dass sogar wieder mehr Amtsträger:innen mit Verbrennern unterwegs sind,
sei „eine Kampfansage gegen zukunftsgerichtete Verkehrspolitik“, meint
Metz.
Der deutsche Verkehrssektor verfehlt seit Jahren deutlich seine Klimaziele.
Ende 2025 wurden fast zwei von drei neu zugelassenen Pkw gewerblich
genutzt, deshalb gelten Dienstwagen als wichtiger Hebel für die
klimafreundliche Verkehrswende.
Den Dienstwagencheck der Politiker:innen legt die DUH wiederum
jährlich vor, [3][am Dienstag wurde er zum 20. Mal veröffentlicht] –
basierend auf einer Abfrage bei Bundesministerien und Landesregierungen
zwischen Januar und Juni 2026. Die Fahrzeuge des Bundeskanzlers, des
Finanzministers Lars Klingbeil, des Verteidigungs-, des Innen- und des
Außenministers flossen nicht in die Wertung ein. Sie nutzen aus
Sicherheitsgründen Sondermodelle.
Die Abfrage ergab derweil, dass mehrere Amtsträger:innen ihr
vollelektrisches Geschäftsauto im Laufe des letzten Jahres gegen
klimaschädlichere Plug-in-Hybride eintauschten. Insgesamt waren mehr als
zwei von fünf Dienstwagen umstrittene Plug-in Hybride – mehr als jede
andere Antriebsart.
„Das ist ein Problem“, sagte DUH-Geschäftsführerin Metz. Plug-in-Hybride
würden „gerne als das Beste aus zwei Welten verkauft“. Im Dienstwagencheck
kommen die Fahrzeuge jedoch im Durchschnitt auf reale Emissionen von 179
Gramm CO2 pro Kilometer – fast so viel wie reine Verbrenner, deren Ausstoß
auf derselben Strecke bei durchschnittlich 193 Gramm Kohlendioxid liegt,
und fast dreimal so viel wie vollelektrische Dienstwagen.
## DUH fordert Regeln für E-Dienstwagen
Plug-in-Hybride sollten daher nicht länger von der Kaufprämie für E-Autos
mitprofitieren, forderte Metz. Außerdem müsse die Bundesregierung auf
EU-Ebene aufhören, das [4][Verkaufsverbot für neue Verbrenner ab 2035
infrage] zu stellen. Ein Aufweichen der CO2-Flottengrenzwerte helfe nicht
einmal der deutschen Autoindustrie, die mit dem Wandel zu kämpfen hat,
meint Metz. „Es verschleppt nur die Transformation.“
Innerhalb Deutschlands solle es verbindliche Regeln für Dienstwagenflotten
geben. Bund und Länder müssten bei Neubeschaffungen konsequent auf
vollelektrische Fahrzeuge umstellen, sagte die Geschäftsführerin der DUH.
Und auch beim Elektroauto gelte: „Je weniger Energie und Rohstoffe ein Auto
benötigt, desto besser.“
Wie klimafreundliches Umsteigen geht, habe die Hamburger Senatorin Karen
Pein (SPD) gezeigt: Ihr neuer elektrischer Dienstwagen verursache nur 50
Gramm CO2 pro Kilometer. Vorher waren es 134 Gramm.
1 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Dienstwagen-von-Politikern/!5943382
(DIR) [2] /Sommerinterview-des-Kanzlers/!6197514
(DIR) [3] https://www.duh.de/presse/pressemitteilungen/pressemitteilung/dienstwagen-check-2026-der-deutschen-umwelthilfe-spitzenpolitikerinnen-und-spitzenpolitiker-legen-r/
(DIR) [4] /Aus-vom-Verbrenner-Aus/!6136108
## AUTOREN
(DIR) Nanja Boenisch
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