# taz.de -- Einigung bei Pflegereform: Vor allem ein Spargesetz
> Die Koalition hat sich auf die Pflegereform geeinigt. Belastungen für
> Pflegebedürftige werden weiter steigen. Das wirft heikle
> Gerechtigkeitsfragen auf.
(IMG) Bild: Gesundheitsminister Carsten Linnemann. Verteilungsfragen werden weiter nicht angegangen, sondern in eine künftige „Kommission“ verschoben
Es war ein [1][Verhandlungsmarathon zwischen Union und SPD], wie man ihn
sonst vor allem aus Tarifverhandlungen kennt. Was nun herauskam, ist ein
Gesetzentwurf, der im Kern nichts ändert: Die Pflegekassen werden
Milliarden an Euro in den nächsten Jahren einsparen und [2][für
Pflegebedürftige und deren Familien wird es teurer]. Die Begutachtungen
werden strenger, Hilfen für den untersten Pflegegrad fallen weg.
Im Vergleich zum [3][ursprünglichen Entwurf] aus dem
Bundesgesundheitsministerium ist der aktuelle Gesetzentwurf zur Pflege zwar
abgemildert, aber Verteilungsfragen werden weiter nicht angegangen, sondern
in eine künftige „Kommission“ verschoben. Dies betrifft etwa den
SPD-Vorschlag, die Versicherten in den Privatkassen zu einer Art
Finanzausgleich mit den gesetzlich Versicherten heranzuziehen.
Die Privatkassen haben besser verdienende und gesündere und damit im Alter
weniger Pflegebedürftige unter ihren Mitgliedern, darunter viele Beamte,
und müssen für deren Versorgung daher weniger Geld zahlen als die
gesetzlichen Kassen. Diese haben [4][statistisch kränkere und
gebrechlichere Mitglieder]. Hier einen Finanzausgleich zu schaffen, wäre
juristisch zwar schwierig, aber fair. Ein solcher Ausgleich zielt
allerdings ins Epizentrum aller Verteilungsfragen, das sich in den
Mittelschichtmilieus befindet.
In diesem Epizentrum stehen auch andere heikle Fragen: Schon wieder sollen
Kinderlose höhere Beiträge zahlen, um die Pflegekassen zu entlasten. Ist
das fair?
Solche Fragen haben Verhetzungspotenzial und man kann sich als
Politiker:in mit diesen Debatten sehr unbeliebt machen. Aber vielleicht
ließe sich mehr Akzeptanz erreichen, wenn man Kürzungen immer nur im
Gleichschritt mit Umverteilungselementen anpeilt, also etwa mit dem
Finanzausgleich zwischen den Kassensystemen, mit mehr Steuermitteln in die
Pflegekasse. Nur in der [5][Kombination aus Zumutungen und Umverteilungen]
sind Konsolidierungen der Sozialkassen zu vermitteln. Eine solche
Kombination sieht die Pflegereform leider nicht vor.
30 Sep 2026
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## AUTOREN
(DIR) Barbara Dribbusch
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