# taz.de -- Kritik an Pflegereform: Sozialbündnis fordert Stopp der Kürzungspläne
> Bei der Pflege und in anderen Bereichen setzt die Regierung auch auf
> Einsparungen. Gewerkschaften und Verbände warnen vor weitreichenden
> Folgen.
(IMG) Bild: Teilnehmer einer Demonstration vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) mit einem Transparent mit der Aufschrift „Hart verdient!“
dpa | Ein breites Bündnis von Gewerkschaften und Wohlfahrtsverbänden ruft
die Bundesregierung auf, von geplanten Kürzungen in verschiedenen
Sozialbereichen abzusehen. „Sozialer Zusammenhalt ist Voraussetzung für
demokratische Stabilität“, schreiben der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB),
die Gewerkschaften IG Metall und Verdi, Caritas und Diakonie sowie
Sozialverbände wie der VdK in einem der dpa vorliegenden Aufruf.
Konkret kritisieren sie die [1][am Mittwoch im Kabinett beschlossenen
Pflegereformpläne]. Die [2][geplante Veränderung] bei der Einstufung in die
Pflegegrade würde ihrer Ansicht nach dazu führen, „dass Betroffenen die
Inanspruchnahme der Leistungen der Pflegeversicherung erschwert oder
verwehrt wird“.
Harsche Kritik übte auch Eugen Brysch von der Deutschen Stiftung
Patientenschutz. „Der Bundesgesundheitsminister will die Pflegekommission
bei zentralen Themen mit Denkverboten belegen“, sagte er der dpa. Selbst
verfassungsgemäßen Vorschlägen für die Zusammenführung der gesetzlichen und
privaten Pflegeversicherung würde Carsten Linnemann (CDU) vorab eine Absage
erteilen. Brysch forderte: „Alle Themen und Lösungen müssen jetzt auf den
Tisch.“
Linnemann hatte angekündigt, dass die geplante Expertenkommission Modelle
für soziale Ausgleichsmechanismen zwischen den Kassen prüfen werde. Die
auch von der SPD geforderte [3][Deckelung der Eigenanteile für Pflegekosten
im Heim] solle dort jedoch kein Thema sein.
## Was die Regierung bei den Pflegegraden plant
Der Minister will mit strengeren Kriterien auf den Anstieg der Zahl der
Pflegebedürftigen reagieren. Dabei soll auch ein Entlastungsbetrag bei
Pflegegrad 1 für Alltagshilfen wie Putzen (131 Euro) gestrichen werden,
dafür ein neuer Anspruch auf Pflegebegleitung hinzukommen. Der Entwurf wird
nun im Bundestag beraten.
Die Verbände warnen: „Es muss vermieden werden, dass die adäquate
Versorgung von Pflegebedürftigen und die mühsam errungene Personalbemessung
der Einrichtungen, die vom Mix der Pflegegrade abhängt, gefährdet werden.“
Mit Sorge sehe das Bündnis, dass die Regierung in weiteren Bereichen wie
Wohngeld, Kinderzuschlag, Unterhaltsvorschuss oder Kinder-, Jugend- und
Eingliederungshilfe Kürzungen durchsetzen wolle.
## „Wesentliche demokratische Bedeutung“
Zu den bereits im vergangenen Jahr zusammengefundenen 14 Verbänden zählen
auch der Sozialverband Deutschland (SoVD), der Paritätische Gesamtverband
und weitere Organisationen wie der BUND und der Deutsche Frauenrat.
Der Sozialstaat habe „nicht nur eine soziale und wirtschaftliche, sondern
auch eine wesentliche demokratische Bedeutung“, mahnt das Bündnis.
Sozialstaatsreformen müssten im Alltag, im Job und zu Hause ankommen. Die
Verbände fordern „starke, verlässliche und solidarisch finanzierte soziale
Sicherungssysteme“. Dabei sollten hohe Vermögen und Erbschaften angemessen
besteuert werden.
4 Oct 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Pflegereform-und-Finanzen/!6217635
(DIR) [2] /Regierung-bringt-Pflegereform-auf-den-Weg/!6217641
(DIR) [3] /Reform-der-Pflegeversicherung/!6217266
## TAGS
(DIR) Pflege
(DIR) Schwarz-rote Koalition
(DIR) Friedrich Merz
(DIR) DGB
(DIR) Gewerkschaft
(DIR) Kolumne Ernsthaft?
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Kehrtwende bei der CDU: Plötzlich keine Lust mehr auf Kürzen
Familienministerin Prien will die Sparpläne beim Elterngeld überdenken,
auch Merz sieht ein Gerechtigkeitsproblem. Lässt die CDU jetzt Milde
walten?
(DIR) Einigung bei der Pflegereform: Die Koalition betreibt Klientelpolitik – wieder einmal
Die Pflegereform geht zu Lasten jüngerer Generationen. Dabei sind es vor
allem junge Menschen, die weniger verdienen und höhere Kosten haben.
(DIR) Einigung bei Pflegereform: Vor allem ein Spargesetz
Die Koalition hat sich auf die Pflegereform geeinigt. Belastungen für
Pflegebedürftige werden weiter steigen. Das wirft heikle
Gerechtigkeitsfragen auf.