# taz.de -- Einigung bei der Pflegereform: Die Koalition betreibt Klientelpolitik – wieder einmal
> Die Pflegereform geht zu Lasten jüngerer Generationen. Dabei sind es vor
> allem junge Menschen, die weniger verdienen und höhere Kosten haben.
(IMG) Bild: Setzt auf die kleine Reform-Lösung: Carsten Linnemann (CDU), Bundesgesundheitsminister
Wieder einmal wird den jüngeren Generationen mehr Geld abgeknöpft. Die
Bundesregierung hat sich am Mittwoch [1][auf eine Pflegereform geeinigt,]
die es in sich hat. So sollen Kinderlose künftig noch mehr in die
gesetzliche Pflegeversicherung einzahlen als Beitragszahler:innen, die
(bereits) ein Kind haben. Derzeit müssen Kinderlose ab 23 Jahren zusätzlich
zum allgemeinen Beitragssatz von 3,6 Prozent einen Zuschlag von 0,6 Prozent
ihres Erwerbseinkommens an die Pflegeversicherung abtreten. Dieser Zuschlag
soll nun auf 0,9 Prozent angehoben werden.
Gewiss: Extrem viel Geld ist das nicht, bezogen auf das deutsche
Medianeinkommen (rund 54.000 Euro Jahresbrutto) knapp 40 Euro im Monat.
Dennoch trifft diese Zusatzbelastung vor allem die jüngeren Generationen,
in ihren Alterskohorten gibt es die meisten Kinderlosen. Während in den
1970er Jahren eine Frau durchschnittlich mit 24 Jahren zum ersten Mal
Mutter wurde, liegt das Durchschnittsalter heutzutage bei 30,4 Jahren.
Männer werden durchschnittlich mit 33,3 Jahren zum ersten Mal Vater. Somit
ist auch der Anteil kinderloser Thirtysomethings hoch. Nur rund die Hälfte
der Frauen, die jetzt zwischen 33 und 38 Jahre alt ist, hat ein Kind.
Dass für [2][Pflege Geld fehlt und es irgendwo herkommen muss], ist klar.
Ebenso klar ist: Am schlimmsten trifft die Pflegereform natürlich jene, die
gepflegt werden müssen oder Angehörige haben, auf die dies zutrifft. Die
Pflegekassen werden Milliarden Euro in den nächsten Jahren einsparen
müssen, [3][Hilfen für den untersten Pflegegrad werden gestrichen,] für die
Verteilung der Pflegegrade sollen strengere Kriterien gelten. So sollen
weniger Menschen Anspruch auf Leistungen aus der Pflegeversicherung haben.
Dennoch demonstriert die Entscheidung der Politik, dass Kinderlose, ergo
vor allem Angehörige jüngerer Generationen, zukünftig mehr in die
Pflegekasse einzahlen müssen, mal wieder: Die Probleme der Jüngeren sind
dieser Regierung offenbar egal. Dabei sind es insbesondere jüngere
Menschen, die für kleine Wohnungen und WG-Zimmer extrem hohe Mieten zahlen.
Die bisweilen ihr halbes Gehalt für eine Wohnung hinblättern müssen, sodass
sie selber kein Vermögen und somit auch keine Altersvorsorge aufbauen
können.
Es sind die Jüngeren, die die steigenden Lebenshaltungskosten stärker
treffen, da sie seltener von Tarifverträgen mit regelmäßigen
Gehaltssteigerungen profitieren. Es sind junge Menschen, die keine sicheren
Arbeitsverträge haben, in sachgrundlosen Befristungen festhängen, die das
Kabinett Merz noch weiter ausweiten will.
Es hätte eine Möglichkeit gegeben, die Pflegereform fairer zu gestalten:
Wenn nämlich die privaten Pflegekassen, die aufgrund ihrer gesünderen
Mitgliederstruktur weniger Ausgaben haben, einen Ausgleich in die
gesetzliche Pflegeversicherung zahlen würden. Aber dafür hätte die CDU
Politik gegen ihr eigenes Klientel machen müssen.
1 Oct 2026
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## AUTOREN
(DIR) Eva Fischer
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