# taz.de -- AfD in Sachsen-Anhalt: Die Rechtsextremen und ihre Steigbügelhalter
       
       > In Sachsen-Anhalt konstituiert sich am Dienstag der Landtag, es droht
       > eine AfD-Regierung. Das sind die Köpfe hinter der AfD- und der
       > BSW-Fraktion.
       
 (IMG) Bild: Mehr Matthiasse als Frauen – die neue AfD-Fraktion in Sachsen-Anhalt
       
       In Sachsen-Anhalt konstituiert sich am Dienstag ein Landtag, der die
       Bundesrepublik verändert. [1][Das BSW hat angekündigt, mit Tobias Rausch
       einen AfD-Landtagspräsidenten mitzuwählen], und [2][Ulrich Siegmund will
       sich im Dezember zum ersten extrem rechten Ministerpräsidenten wählen
       lassen seit 1945]. Alle außer einer der neuen AfD-Abgeordneten haben ein
       Direktmandat errungen. Die Partei kam auf 43,8 Prozent der Zweitstimmen.
       Zur absoluten Mehrheit fehlen ihr drei Sitze, weshalb seit der Wahl
       Gespräche laufen. 
       
       Wir haben uns AfD und BSW genauer angeschaut. In der AfD-Fraktion tummeln
       sich Rechtsextreme, Leute mit Neonazi-Connections, Putin-Fanboys,
       Spesenritter, Pornodarsteller und Vetternwirtschaftler. Frauen gibt es
       dafür nur zwei – weniger als Matthiase. Die fünf BSW-Abgeordneten sind
       teils gänzlich unbekannt. Wer sind die 39 AfD-Abgeordneten, die die
       Republik umkrempeln wollen – und die fünf BSWler, die ihnen die Steigbügel
       halten? 
       
       Ulrich Siegmund 
       
       War als 19-Jähriger zunächst bei der Jungen Union, sah dort aber keine
       Zukunft und wechselte 5 Jahre später zu AfD. 2016 zog er erstmals in den
       Landtag ein. Trat als Spitzenkandidat für die AfD an und ist bekannt dafür,
       [3][ständig zu lächeln], selbst wenn er grausame Dinge ankündigt. Nach der
       Landtagswahl sagte Siegmund bei einer Pressekonferenz, es brauche
       [4][Rüstungswaffen als Hilfsmittel] für eine „Remigrations- und
       Abschiebeoffensive“. Bundesweite Aufmerksamkeit bekam Siegmund erstmals für
       seine Teilnahme am [5][„Remigrationstreffen“ in Potsdam]. Sein Vater
       profitierte in der Vetternwirtschaftaffäre unter anderem von einer
       Anstellung beim AfD-Bundestagsabgeordneten Thomas Korell mit einem
       [6][Gehalt von bis zu 7.725 Euro im Monat]. Auf Tiktok hat Ulrich mehr als
       1 Million Follower:innen und in seinem [7][direkten Umfeld alte
       Neonazikader].
       
       Oliver Kirchner 
       
       Vor allem bekannt für beleidigende Ausdrücke. Zog 2016 in den Landtag ein,
       ist seit 2018 Fraktionsvorsitzender. Bei der Landtagswahl 2021 war er sogar
       Spitzenkandidat. In Berichten des Verfassungsschutzes landete Kirchner,
       weil er die Verschwörungstheorie vom „großen Austausch“ verbreitet hat und
       sich rassistisch äußerte. Den BSW-Vorsitzenden Fabio De Masi nannte er
       während eines Interviews nach der Wahl nur „diesen Halbitaliener“.
       
       Hans-Thomas Tillschneider 
       
       Der Islamwissenschaftler gehört zu den Scharfmachern seiner Partei. Der
       48-Jährige war beim rechtsextremen Flügel und Sprecher der Patriotischen
       Plattform. Beide sind heute offiziell aufgelöst, ihre völkischen Positionen
       mittlerweile Mainstream in der Partei. Tillschneider hat das
       Identitären-nahe Netzwerk Ein Prozent mitgegründet, ist Pegida-Freund,
       Putin-Verehrer und stolzer Besitzer einer Kaffeetasse der russischen Armee.
       Bekannt ist er auch für Tiraden gegen den Islam und sein jährliches
       „Preußenfest“. Am ultraradikalen AfD-Wahlprogramm schrieb er maßgeblich
       mit. Die Bundesregierung habe „dem eigenen Volk den Krieg erklärt“, sagte
       er einmal, daher „führen wir Krieg gegen diese Bundesregierung“.
       
       Tobias Rausch 
       
       Der 35-jährige Immobilienkaufmann und bisherige parlamentarische
       Geschäftsführer stand im Zentrum der AfD-Vetternwirtschaftsaffäre: Er
       beschäftigte 4 Fußballer aus seinem eigenen Verein, seine Frau arbeitet für
       die AfD-Fraktion, seine 3 Geschwister und ein Schwager für
       AfD-Bundestagsabgeordnete. Rausch gilt als Macher und Strippenzieher in der
       „Pokerrunde“ um Siegmund, wo Posten ausgedealt werden. Ist auf
       Steuerzahlerkosten mit seiner Frau nach New York gereist und hat sich neben
       seiner Abgeordnetentätigkeit eine Immobilienfirma aufgebaut. Nebeneinkünfte
       gibt er nicht an, besitzt laut seiner Website 176 Wohnungen. Prahlt über
       gute Connections zur CDU und führt die Gespräche mit dem BSW. Ist als
       [8][designierter AfD-Landtagspräsident] ein entscheidendes Stemmeisen, um
       die Demokratie aus den Angeln zu heben.
       
       Phillipp-Anders Rau 
       
       Kurz bevor er 30 Jahre alt wurde, ging Rau 2012 nochmal an die Uni.
       Allerdings fälschte er dafür sein Abizeugnis und machte aus der
       Durchschnittsnote 3,5 eine 1,0. Für diese Urkundenfälschung flog er von der
       Uni. Vor dem Verwaltungsgericht versuchte er erfolglos, dagegen vorzugehen:
       Zum einen habe seine Freundin die Unterlagen abgeschickt und zum anderen
       sei er durch seine Kokainsucht nicht „Herr seiner Sinne“ gewesen, zitiert
       die [9][Mitteldeutsche Zeitung aus dem Urteil]. Zuvor war er bereits wegen
       mehrerer Diebstähle verurteilt worden. Später arbeitete Rau für die
       Landtagsfraktion, reiste mit anderen AfDlern in die USA, posierte mit
       Präsident Donald Trump für ein Foto. Er soll außerdem an einem Pornodreh
       beteiligt gewesen sein und gehört auch zur parteiinternen Klüngelclique
       Pokerrunde.
       
       Simon Lansmann 
       
       Gegen den Rinderzüchter Simon Lansmann aus Gardelegen läuft ein
       Ermittlungsverfahren wegen Fortführung der 2023 [10][verbotenen
       rechtsextremen Vereinigung Artgemeinschaft]. Das war eine
       neonazistisch-esoterische Sekte, die sich als Hüter einer germanischen
       Rasse sah und sich eigene „Sittengesetze“ gegeben hat. Sie wollen
       „gleichgeartete Gattenwahl“ als „Gewähr für gleichgeartete Kinder“. Zuletzt
       soll Lansmann unter anderem mit seinem neuen MdL-Kollegen Sebastian Koch
       mit früheren Artgemeinschaft-Aktiven eine Sonnenwendfeier auf seinem Hof
       gefeiert haben. Dort soll auch ein Lied der Hitlerjugend gesungen worden
       sein.
       
       Sebastian Koch 
       
       Der 39-Jährige posierte schon vor [11][10 Jahren mit Neonazis] im „I love
       NS“-Shirt und „Nazi“-T-Shirt und absolvierte Kampftrainings mit
       mittlerweile aufgelösten der Chemnitzer [12][Neonazi-Gruppe Rechtes
       Plenum]. Vor neun Jahren wurde er Vorsitzender der AfD-Altmarkkreis.
       Zuletzt feierte er bei einer Sonnenwendfeier seines AfD-Fraktionskollegen
       Simon Lansmann mit, bei der ein Lied der Hitlerjugend gesungen wurde. Laut
       Verfassungsschutz nahm Koch auch an neonazistischen „Heldengedenken“ und
       Konzerten der Neonaziszene teil. Auf Social Media fabuliert er über einen
       „Rassekrieg gegen unsere Kinder“ und den „kulturellen Erbstrang“ von
       Migranten, der sie „schwerst frauenfeindlich“ mache. Auch den Leitspruch
       der Wehrmacht „Treue um Treue“ verbreitet er. Bei einer Durchsuchung
       zuletzt wegen Fortführung der rechtsextremen Artgemeinschaft wurden bei
       Koch [13][auch Waffen gefunden], Ermittlungen laufen.
       
       Jan Moldenhauer 
       
       Der promovierte Wirtschaftswissenschaftler ist seit 2021 im Landtag und
       Teil der sogenannten Pokerrunde. Im AfD-Wahlprogramm gilt er als Autor des
       „Remigrationskapitels“. International sucht er nach Vorbildern für eine
       migrationsfeindliche Politik und spricht sich für „millionenfache
       Abschiebung“ aus. Früher war er in der Jungen Alternative aktiv, stand der
       völkischen Identitären Bewegung nahe und war Teil der Patriotischen
       Plattform der AfD.
       
       Frank-Ronald Bischoff 
       
       Der 77-Jährige war früher bei der Stasi. Zwölf Jahre arbeitete er als
       Offizier im besonderen Einsatz für die Geheimpolizei der DDR. Laut
       Medienberichten war er dort für Menschen zuständig, die aus der DDR
       ausreisen wollten. Er tritt öffentlich mit einem Anstecker auf, der die
       russische und die deutsche Fahne zeigt. Bei seiner Aufstellung zum
       Direktkandidaten gibt es den Vorwurf, er habe Stimmen gekauft.
       
       Ronny Kumpf 
       
       Im Gründungsjahr der AfD trat er in die AfD ein und bekam Parteiintern den
       Spitznamen „Porno-Ronny“, weil er sich zuvor als Pornodarsteller versucht
       hatte. Er wurde trotzdem Stadtrat und Vizevorsitzender des Landesverbands
       unter dem ehemaligen Landeschef André Poggenburg. 2023 landete Kumpf
       zweimal im Verfassungsschutzbericht, weil er unter anderem zur „Notwehr“
       gegen die friedlichen Sitzblockaden der Letzten Generation aufrief.
       
       Gordon Köhler 
       
       Seit 2014 in der Partei, seit 2021 im Landtag, gerade zum Fraktionsvize
       wiedergewählt und Teil der Pokerrunde. Früher arbeitete er im Jobcenter und
       der Stadtverwaltung Magdeburg. Er will mehr Kinderförderung und keine
       CO₂-Besteuerung oder Impfpflicht. Als AfD-Kreischef wollte er 2016
       Parteifreund Tillschneider zu einem Anti-Islam-Vortrag nach Burg holen –
       nach Protesten wurde der abgesagt. 2025 reiste er mit anderen
       AfD-Politikern auf Steuerzahlerkosten nach New York. Der Bund der
       Steuerzahler wertete das als Verschwendung, ein Nutzen sei „nicht
       erkennbar“. Dennoch wurde er zuletzt Leiter der parteiinternen Kommission
       zur Filzaffäre. Ebenfalls 2025 setzte er mit CDU-Unterstützung durch, an
       allen Gebäuden des Jerichower Landes dauerhaft Deutschlandflaggen
       aufzuhängen. Das Ziel: das Gefühl zu stärken, als Deutscher einer
       „Schicksals- und Bekenntnisgemeinschaft“ anzugehören.
       
       Daniel Wald 
       
       Der gelernte Koch und Kaufmann ist seit 2015 in der AfD, seit 2018 als
       Nachrücker im Landtag. Er ist ein Vertrauter von Rechtsaußen Tillschneider
       und wollte mit diesem 2022 in den russisch besetzten Donbass in die Ukraine
       reisen – nach Kritik brach er die Reise ab. Er lobte 2025 auf der Plattform
       X, dass die Frauennationalmannschaft „ohne N*gerin“ spiele. Will das
       Bündnis Weltoffener Saalekreis „trockenlegen“.
       
       Jan Scharfenort 
       
       Trat der AfD 2016 bei und zog 2021 erstmals in den Landtag Sachsen-Anhalt
       ein. Dort gehörte der gelernte Finanzfachwirt unter anderem dem Ausschuss
       für Finanzen an. Scharfenort gehört zu den Erstunterzeichnern der
       prorussischen Initiative „Stoppt die Sanktionen“ und reiste zusammen mit
       anderen AfD-Mitgliedern aus Sachsen-Anhalt vergangenes Jahr in die USA zu
       einem Treffen mit Anhängern von Trumps MAGA-Kult.
       
       Dennis Möhring 
       
       Der Tischlermeister und Jäger trat 2017 in die AfD ein. Gegenüber der
       Mitteldeutschen Zeitung sagte der 50-Jährige, die Griechenlandrettung, der
       Austritt aus der Atomenergie und die Aufnahme von Geflüchteten hätten ihn
       dazu bewegt. Er wolle sich dafür einsetzen, dass sich der Zustand des
       Harzer Waldes verbessert. Musste als Mitglied einer rechtsextremen Partei
       seinen Waffenschein abgeben.
       
       Matthias Büttner (Staßfurt) 
       
       Nicht zu verwechseln mit dem 3 Jahre jüngeren, aber gleichnamigen Matthias
       Büttner (Stendal). Gegen Staßfurt-Büttner gab es im Dezember 2016
       Vergewaltigungsvorwürfe durch eine frühere AfD-Referentin während einer
       Dienstreise. Das Strafverfahren wurde eingestellt – kein hinreichender
       Tatverdacht. Er hatte im Landtag damit gedroht, einen mit Mistgabeln und
       Fackeln bewaffneten Mob aus wütenden Autofahrern in den Landtag zu führen.
       
       Daniel Roi 
       
       Gilt als alter Widersacher des ehemaligen Landeschefs André Poggenburg und
       potenzieller Störenfried der völkischen Eintracht. Der 38-Jährige bekam
       keinen Platz auf der Landesliste, sondern zog direkt ein. 2024 wurde er
       wegen eines „unwiderruflich zerstörten“ Vertrauensverhältnisses aus der
       Landtagsfraktion ausgeschlossen. Im Parteiausschlussverfahren wurde er aber
       nur abgemahnt und später wieder aufgenommen. Ob er Siegmund in geheimer
       Abstimmung wählt? Selbst in AfD-Kreisen unklar. 2017 sorgte er für
       Schlagzeilen, als er über Wolfgang Schäuble (CDU), Claudia Roth (Grüne) und
       Karamba Diaby (SPD) postete: „Neues Präsidium im Bundestag: Ein
       Rollstuhlfahrer, Claudia Roth von den Grünen und ein Afrikaner der SPD.
       Perfektes Abbild der BRD 2017.“ 2009 nahm er zudem an einem rechtsextremen
       Aufmarsch der Jungen Landsmannschaft Ostpreußen teil, gemeinsam mit
       NPD-Leuten.
       
       Matthias Büttner (Stendal) 
       
       Nicht zu verwechseln mit dem drei Jahre älteren Matthias Büttner aus
       Staßfurt. Die beiden sind, anders als in der AfD-Fraktion sonst üblich,
       nicht miteinander verwandt. Aber Büttners Eltern waren für 556 Euro im Büro
       des AfD-Bundestagsabgeordneten Thomas Korell angestellt. Stendal-Büttner
       war vor seiner Karriere als Abgeordneter Büroleiter von Ulrich Siegmund.
       Von 2017 bis 2021 war er Mitglied des Bundestags, dann wechselte er in den
       Landtag von Sachsen-Anhalt.
       
       Christian Ulrich Hecht 
       
       Ist seit 2021 im Landtag. Kandidierte mehrfach als Vizepräsident des
       Landtags, scheiterte aber jedes Mal. Hat für die wegen ihres
       Rechtsextremismus aufgelöste Junge Alternative gespendet. Seine Frau
       arbeitete eine Zeit lang für den Bundestagsabgeordneten Jan Wenzel Schmidt.
       Er war vergangenes Jahr einer der AfD-Landtagsabgeordneten, die in die USA
       zu Trumps MAGA-Anhängern geflogen sind.
       
       Armin Friese 
       
       Gehört zu den neuen AfD-Abgeordneten im Landtag, ist aber schon länger in
       der Partei aktiv. 2017 war er auch mal kurz als Direktkandidat für den
       Bundestag aufgestellt. Aber die AfD-Landesspitze setzte ihn dann doch
       wieder ab, weil er mutmaßlich gegen den Vorstand um André Poggenburg
       agierte.
       
       Nadine Koppehel 
       
       Tochter der ehemaligen Landtagsabgeordneten Margret Wendt und schmückte ihr
       Social-Media-Profil mit einer Russlandflagge. Die 49-Jährige ist eine von
       nur zwei Frauen in der Fraktion. Sie stand auch im Zentrum der
       Verwandtenaffäre, weil sie in ihrem Wahlkreisbüro angeblich sage und
       schreibe 16 Mitarbeiter eingestellt haben sollte, [14][Scheinbeschäftigung
       lag nahe]. Koppehel wurde trotzdem wiedergewählt. Bei Bürgerdialogen sagt
       sie eher wenig – außer zum Thema Tierschutz.
       
       Florian Schröder 
       
       Gelernter Industriemechaniker, arbeitete als Autoverkäufer und
       Vertriebsmitarbeiter und war mal in der FDP. Lief dann 2015 zur AfD über.
       Schröder feierte trotz des russischen Angriffskriegs 2025 Wladimir Putins
       Geburtstag in der russischen Botschaft mit, war aber auch Teil einer
       AfD-Delegation, die in Trumps USA reiste. Ist Jäger und interessiert sich
       für Waffenrecht. Der 51-Jährige bezeichnete den Journalisten Tilo Jung als
       „die Spitze menschlicher und charakterlicher Verkommenheit“ und setzte
       Politiker mit „Krankheit“ gleicht. Postet auf Facebook Selfies mit Alice
       Weidel, die musikalisch von der Ausländer-Raus-Hymne von Gigi d'Agostino
       unterlegt sind.
       
       Felix Zietmann 
       
       Im März fiel er im Landtag mit dem Zwischenruf auf: „Wir müssen nur einmal
       gewinnen! Sie müssen immer gewinnen!“ Der Industriemechaniker bezeichnet
       sich selbst als gelernter Bergmann. Früher war er laut Spiegel bei
       neonazistischen „Trauermärschen“ zu sehen. 2014 trat er in die AfD ein,
       seit 2021 ist er im Landtag. Beim Listenparteitag im vergangenen Jahr
       kündigte er an, die AfD werde mit der „Vetternwirtschaft in diesem Land“
       aufräumen. Als wenig später die Vetternwirtschaft in seiner Partei
       öffentlich wurde, äußerte er sich nicht. Aber: Im Landtag finanzierte er
       per Steuergeld mit 13 Mitarbeiter:innen mehr als die gesamte Fraktion
       der Grünen.
       
       Dirk Lassowski 
       
       Am Tag der Landtagswahl postete er auf Facebook: „Heute kommt die
       Abrechnung für eure Taten.“ Lassowski war zuvor kommunalpolitisch für die
       AfD aktiv. Nach eigenen Angaben ist er seit dem 21. Januar 2019 in der
       Partei. Auf dem Marktplatz in Haldensleben organisierte er Demonstrationen
       gegen die Anticoronapolitik, Krieg und alle anderen deutschen Parteien. Er
       spricht sich gegen „kulturfremde Fachkräfte“ aus. In der DFB-Elf seien ihm
       „Deutsche aus Schlesien und Ostpreußen“ lieber als eine „kunterbunte
       Mannschaft“.
       
       Daniel Rausch 
       
       Ist der Vater des voraussichtlichen Landtagspräsidentenkandidaten Tobias
       Rausch. Auch der Rest seiner vier Kinder sowie seine Frau arbeitet bei der
       AfD. Papa-Rausch war selbst 2016 der erste stellvertretende
       Landtagspräsident der AfD. Er kam mit 46 Stimmen ins Amt, die AfD hatte
       damals 25 Abgeordnete in Sachsen-Anhalt. Allerdings hatte er nur sieben
       Minuten lang die Sitzungsleitung inne. Mehrfach brauchte er in der Zeit
       Hilfe, bemühte sich stammelnd um Ordnung. Nach einer Unterbrechung trat er
       aus „persönlichen Gründen“ vom Amt wieder zurück.
       
       Hagen Kohl 
       
       Der 57-jährige Magdeburger ist schon seit März 2013 AfD-Mitglied, arbeitete
       früher als Sachbearbeiter beim LKA. Er forderte, erwerbslose Einwanderer zu
       „Bürgerarbeit“ zu verpflichten, tritt für die Nutzung von Palantir bei der
       Polizei ein und erklärte Linke und Grüne zum „parlamentarischen Arm der
       Antifa“. In seinem Magdeburger Wahlkreis unterlag er in der Direktwahl
       gegen den Linken Mustafa Groener.
       
       Volker Olenicak 
       
       Zieht nicht zum ersten Mal in den Landtag von Sachsen-Anhalt ein: Von 2016
       bis 2021 war er bereits Abgeordneter. Damals schaffte er es überregional
       mit einem antisemitischen Facebook-Post in die Zeitungen: Die damalige
       Bundeskanzlerin sei eine „zionistische US-Agentin“, schrieb Olenicak. Vor
       der Wahl erklärte er der Mitteldeutschen Zeitung, er wolle die Energiewende
       und Waffenlieferungen für die Ukraine stoppen.
       
       Lothar Waehler 
       
       Der Heizungsinstallateur wählte nach eigenen Angaben früher CDU, wegen der
       Asylpolitik ging er zur AfD. 2021 gewann er als einziger AfDler ein
       Direktmandat. Vor der jetzigen Wahl erklärte er, für seinen Wahlkreis
       nichts erreicht zu haben, weil alle AfD-Anträge abgelehnt worden seien.
       2024 wollte er mit Parteifreund Tillschneider mit einer Antiasyldemo am
       Haus des CDU-Landrats Götz Ulrich vorbeiziehen – nach Protesten wurde die
       Route geändert. Auch Waehler war Teil der Vetternwirtschaftsaffäre: Seine
       Frau und Tochter sollen Mitarbeiterinnen von AfD-Bundestagsabgeordneten
       gewesen sein.
       
       Matthias Lieschke 
       
       Anfang des Jahres schloss die AfD-Fraktion ihn aus. Lieschke ist seit 2016
       Mitglied des Landtags, wenige Monate vor der Wahl soll er Parteiinterna
       weitergegeben haben. Allerdings ist es der AfD-Spitze nicht ganz so
       wichtig. Der nächsten Fraktion gehört er wieder an. War bislang eher
       unauffällig.
       
       Christian Mertens 
       
       Mit 35 Jahren ist er der jüngste AfD-Abgeordnete im Landtag von
       Sachsen-Anhalt. In der letzten Wahlperiode gehörte er bereits dem
       Bildungsausschuss an. Mehrfach versuchte er, Vizepräsident des Landtags zu
       werden – allerdings erfolglos. 2021 wurde er Landesvorsitzender der Jungen
       Alternative in Sachsen-Anhalt und blieb es bis zur Selbstauflösung 2025. Er
       gibt als Wahlkreisbüro dieselbe Adresse an, wie der AfD-Abgeordnete Jan
       Moldenhauer. Laut MDR ist dort aber niemand anzutreffen. Als Kopfpauschale
       erhalten Landtagsabgeordnete pro Monat 2.300 Euro, unter anderem für den
       Betrieb eines Wahlkreisbüros.
       
       Andreas Best 
       
       Gehörte ab den 90ern zur CDU, wechselte aber 2015 in die AfD. Der Grund:
       Migrationspolitik. Kommunalpolitisch aktiv war er ab 2019 als Stadtrat und
       ab 2014 als Ortsbürgermeister. Der Mitteldeutschen Zeitung erzählte er vor
       der Wahl, dass er sich im Landtag für Innenpolitik engagieren wolle.
       
       Thomas Schmirander 
       
       Geboren in Leipzig, wurde Schmirander 2016 Mitglied der AfD. Vor der Wahl
       war er laut Volksstimme hauptberuflich bei der Landtagsfraktion der AfD
       angestellt. Er stand nicht auf der Landesliste, sondern trat nur als
       Direktkandidat an. Im Landtag möchte er sich für innere Sicherheit und
       Entbürokratisierung einsetzen.
       
       Andreas Gehlmann 
       
       Industriemechaniker und Maschinenbauer, 52, trat 2013 in die AfD ein, weil
       er den „überhasteten Atomausstieg“ und das Erneuerbare-Energien-Gesetz
       ablehnte. Gelangte 2016 mit einem Zwischenruf im Landtag zu bundesweiter
       „Berühmtheit“. Als eine Linken-Abgeordnete feststellte, dass Marokko,
       Tunesien und Algerien für Homosexuelle keine sicheren Herkunftsstaaten
       sind, weil ihnen dort dafür eine Gefängnisstrafe drohe, rief Gehlmann
       dazwischen: „Das sollten wir in Deutschland auch machen!“
       
       Reiner Kretschmann 
       
       Der 60-jährige Tischlermeister war zu DDR-Zeiten in der SED, wählte nach
       der Wende CDU, trat 2015 in die AfD ein. Holte in seinem Wahlkreis Eisleben
       55,6 Prozent Erststimmen und damit landesweit am meisten. Hüllte sich bei
       Anticoronaprotesten in eine Deutschlandflagge und teilte
       Verschwörungstheorien zu Bill Gates. Bezeichnete Angela Merkel als „die
       größte Verbrecherin und Mörderin, die Deutschland jemals hatte“. Postet
       Beiträge der russischen Botschaft, verschwörungsideologische Videos zu
       angeblichen False-Flag-Aktionen bei russischen Anschlägen oder gleich Reden
       von Wladimir Putin – und natürlich von Björn Höcke.
       
       Juliane Waehler 
       
       Juliane Waehler ist die Tochter von Lothar Waehler, der ebenfalls
       AfD-Abgeordneter ist. Sie ist Mitarbeiterin des AfD-nahen
       Deutschlandkuriers. Dort sagte sie in einem Video, ihr Hauptanliegen sei
       es, dass ihre Kinder sicher seien und nicht indoktriniert würden. Daneben
       betreibt sie den Podcast „Scharf rechts“, verbreitet „Remigration“-Slogans
       und war im Mai 2026 beim „Remigrationskongress“ der rechtsextremen
       Identitären in Porto, wo sie mit dem Identitären-Vordenker Martin Sellner
       posierte. Waehler war vor ihrem Mandatsgewinn beim AfD-Landeschef und
       Bundestagsabgeordneten Martin Reichardt angestellt.
       
       Sebastian Killinger 
       
       Ist neu im Landtag. Der 40-Jährige postet auf Social-Media gerne
       Schreckensmeldungen mit teils KI-generierter rechtsradikaler Musik, in
       denen Zeilen gesungen werden wie: „Heuchlerpack, ihr ekelt mich an mit
       eurer dreckigen Moral. Heuchlerpack, ich spuck es aus!“, „Deutschland wach
       endlich auf!“ oder „Regiert von Idioten!“
       
       Alexander Raue 
       
       Der Diplomingenieur und Ex-CDUler gewann schon 2016 ein AfD-Direktmandat.
       Damals erklärte er, die AfD „habe es verstanden, die Sorgen der Wähler im
       Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise aufzunehmen“. Im selben Jahr
       unterzeichnete er die „Erfurter Resolution“, das Manifest des völkischen
       AfD-Flügels. Im Landtag beklagte er, dass „Millionen Ungebildete und
       Kulturfremde ins Land geholt“ würden. In Halle versucht Raue, ein
       islamisches Zentrum zu verhindern: Man müsse „die eigene Kultur
       durchsetzen“. Wer aus dem Ausland komme und eigene Kulturen aufbauen wolle,
       sei „höchst unwillkommen“. Zusätzliche Familienunterstützung will Raue
       daran knüpfen, dass ein Elternteil die deutsche Staatsbürgerschaft hat.
       
       Paul Backmund 
       
       Der 35-jährige Objektleiter für Gebäudereiniger, dessen Eltern aus Russland
       zugewandert sind, trat erst Ende 2023 in die AfD ein. Er sitzt im
       Landesvorstand der Generation Deutschland. Backmund will, dass die Justiz
       für mehr Sicherheit stärker durchgreift und auch nicht integrierte
       Migranten abschiebt. Im Wahlkampf postete er auf X, drei Wahlkreise in
       Halle seien „eingenommen und unter Kontrolle“, „der Kessel um die
       Altparteien schließt sich“. Demokratiebündnissen wie Sachsen-Anhalt
       weltoffen will er die Gelder entziehen und den „linken Sumpf trockenlegen“.
       Auf Tiktok verbreitete er: „Remigration ist ein Versprechen.“ In Halle
       trainiert er in der Gladiator Fight Academy, die als rechter Treffpunkt
       gilt.
       
       Dirk Jonas 
       
       Der Orthopädiemechaniker tritt für Arbeitsplätze vor Ort und für
       „Traditionspflege“ ein. Den Strukturwandel in seiner Region nennt er
       „überstürzt“. Organisierte laut eigener Auskunft in Sachsen-Anhalt 2018 das
       Kyffhäuser-Treffen mit, eine Zusammenkunft des radikalen AfD-Flügels, der
       inzwischen aufgelöst ist. Im Wahlkampf stand auf Jonas’ Infoständen laut
       Mitteldeutscher Zeitung eine Miniaturausgabe von ihm mit Kettensäge in der
       Hand.
       
       Burkhardt Ratzmann 
       
       Gilt im Stadtrat von Dessau-Roßlau als gemäßigter AfD-Politiker. Allerdings
       arbeitete er dort im Fraktionsvorstand unter anderem mit Joachim und
       Laurens Nothdurft zusammen. Beide waren früher aktive Neonazis, bei der
       verbotenen Heimattreuen Deutschen Jugend beziehungsweise der NPD aktiv. Das
       scheint Ratzmann nicht zu stören.
       
       Die Steigbügelhalter vom BSW 
       
       Claudia Wittig 
       
       Erklärte als Co-Spitzenkandidatin im Wahlkampf, sie wolle Sachsen-Anhalt
       wirtschaftlich und gesellschaftlich stabilisieren. In der neuen
       BSW-Fraktion ist sie Vizevorsitzende. Mit der AfD will sie punktuell
       zusammenarbeiten und bezeichnet die bisherigen Gespräche als konstruktiv.
       Oft tritt sie mir einem Wassermelonen-Anstecker auf, einem
       propalästinensischen Symbol. Die Historikerin war zwischen 2018 und 2023
       Mitglied der Linken. Seit Dezember 2025 ist sie Beisitzerin des
       BSW-Bundesvorstands.
       
       Thomas Schulze 
       
       Seit der Gründung des BSWs 2024 in Sachsen-Anhalt ist er
       Co-Landesvorsitzender, im Wahlkampf war er der Co-Spitzenkandidat. Zuvor
       war er nach eigenem Bekunden noch nie in einer Partei. Nach der Wahl wurde
       er zum Fraktionsvorsitzenden gewählt. Er spricht sich für eine punktuelle
       Zusammenarbeit mit der AfD aus und nannte als Beispiel dafür im
       Handelsblatt die Sanktionen gegen Russland.
       
       John Lucas Dittrich 
       
       Ist der jüngste Abgeordnete des Landtags: Jahrgang 2004. Als
       Gründungsmitglied des BSW wurde er trotzdem schon 2024 zum Co-Vorsitzenden
       in Sachsen-Anhalt gewählt und im Landtag hat er das Amt des
       Fraktionsgeschäftsführers bekommen. Er gilt beim BSW als erfahren und
       verhandelt mit den anderen Fraktionen. Auch bei den Gesprächen mit SPD,
       Linken und Grünen über einen überparteilichen Ministerpräsidenten war er
       anwesend. Vor seiner Zeit beim BSW war er bei der Linken und innerhalb der
       Partei Sprecher der gewerkschaftsnahen Strömung „sozialistische Linke“. Er
       trat mit Sahra Wagenknecht auf und gehört zu ihren loyalen Anhänger:innen.
       
       Michael Reim 
       
       Der gelernte IT-Fachmann hatte bislang keine Funktion beim BSW in
       Sachsen-Anhalt inne und ist erst seit Mai 2025 Mitglied. Vor dem BSW sei er
       zwar an Politik interessiert gewesen, aber habe keine andere Partei
       unterstützt, weil keine seine Überzeugung vertreten habe. Als Vater von
       vier Kindern habe ihn die aktuelle Lage verzweifeln lassen. In seiner
       Bewerbung für die BSW-Landesliste erklärte er, international in der
       Open-Source-Gemeinschaft vernetzt zu sein.
       
       Margitta Kriebel 
       
       Die Forstingenieurin arbeitete vor der Wahl als Referentin im Wirtschafts-
       und Forstministerium, das zuletzt Sven Schulze leitete. Kriebel möchte die
       Menschen im ländlichen Raum vertreten und zum Beispiel das Radwegenetz
       verbessern. Gesetze, „die die Interessen der Menschen“ berücksichtigen,
       möchte sie parteiunabhängig unterstützen. Zu ihren Hobbys gehört die Jagd.
       
       5 Oct 2026
       
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