# taz.de -- AfD in Sachsen-Anhalt: Die Rechtsextremen und ihre Steigbügelhalter
> In Sachsen-Anhalt konstituiert sich am Dienstag der Landtag, es droht
> eine AfD-Regierung. Das sind die Köpfe hinter der AfD- und der
> BSW-Fraktion.
(IMG) Bild: Mehr Matthiasse als Frauen – die neue AfD-Fraktion in Sachsen-Anhalt
In Sachsen-Anhalt konstituiert sich am Dienstag ein Landtag, der die
Bundesrepublik verändert. [1][Das BSW hat angekündigt, mit Tobias Rausch
einen AfD-Landtagspräsidenten mitzuwählen], und [2][Ulrich Siegmund will
sich im Dezember zum ersten extrem rechten Ministerpräsidenten wählen
lassen seit 1945]. Alle außer einer der neuen AfD-Abgeordneten haben ein
Direktmandat errungen. Die Partei kam auf 43,8 Prozent der Zweitstimmen.
Zur absoluten Mehrheit fehlen ihr drei Sitze, weshalb seit der Wahl
Gespräche laufen.
Wir haben uns AfD und BSW genauer angeschaut. In der AfD-Fraktion tummeln
sich Rechtsextreme, Leute mit Neonazi-Connections, Putin-Fanboys,
Spesenritter, Pornodarsteller und Vetternwirtschaftler. Frauen gibt es
dafür nur zwei – weniger als Matthiase. Die fünf BSW-Abgeordneten sind
teils gänzlich unbekannt. Wer sind die 39 AfD-Abgeordneten, die die
Republik umkrempeln wollen – und die fünf BSWler, die ihnen die Steigbügel
halten?
Ulrich Siegmund
War als 19-Jähriger zunächst bei der Jungen Union, sah dort aber keine
Zukunft und wechselte 5 Jahre später zu AfD. 2016 zog er erstmals in den
Landtag ein. Trat als Spitzenkandidat für die AfD an und ist bekannt dafür,
[3][ständig zu lächeln], selbst wenn er grausame Dinge ankündigt. Nach der
Landtagswahl sagte Siegmund bei einer Pressekonferenz, es brauche
[4][Rüstungswaffen als Hilfsmittel] für eine „Remigrations- und
Abschiebeoffensive“. Bundesweite Aufmerksamkeit bekam Siegmund erstmals für
seine Teilnahme am [5][„Remigrationstreffen“ in Potsdam]. Sein Vater
profitierte in der Vetternwirtschaftaffäre unter anderem von einer
Anstellung beim AfD-Bundestagsabgeordneten Thomas Korell mit einem
[6][Gehalt von bis zu 7.725 Euro im Monat]. Auf Tiktok hat Ulrich mehr als
1 Million Follower:innen und in seinem [7][direkten Umfeld alte
Neonazikader].
Oliver Kirchner
Vor allem bekannt für beleidigende Ausdrücke. Zog 2016 in den Landtag ein,
ist seit 2018 Fraktionsvorsitzender. Bei der Landtagswahl 2021 war er sogar
Spitzenkandidat. In Berichten des Verfassungsschutzes landete Kirchner,
weil er die Verschwörungstheorie vom „großen Austausch“ verbreitet hat und
sich rassistisch äußerte. Den BSW-Vorsitzenden Fabio De Masi nannte er
während eines Interviews nach der Wahl nur „diesen Halbitaliener“.
Hans-Thomas Tillschneider
Der Islamwissenschaftler gehört zu den Scharfmachern seiner Partei. Der
48-Jährige war beim rechtsextremen Flügel und Sprecher der Patriotischen
Plattform. Beide sind heute offiziell aufgelöst, ihre völkischen Positionen
mittlerweile Mainstream in der Partei. Tillschneider hat das
Identitären-nahe Netzwerk Ein Prozent mitgegründet, ist Pegida-Freund,
Putin-Verehrer und stolzer Besitzer einer Kaffeetasse der russischen Armee.
Bekannt ist er auch für Tiraden gegen den Islam und sein jährliches
„Preußenfest“. Am ultraradikalen AfD-Wahlprogramm schrieb er maßgeblich
mit. Die Bundesregierung habe „dem eigenen Volk den Krieg erklärt“, sagte
er einmal, daher „führen wir Krieg gegen diese Bundesregierung“.
Tobias Rausch
Der 35-jährige Immobilienkaufmann und bisherige parlamentarische
Geschäftsführer stand im Zentrum der AfD-Vetternwirtschaftsaffäre: Er
beschäftigte 4 Fußballer aus seinem eigenen Verein, seine Frau arbeitet für
die AfD-Fraktion, seine 3 Geschwister und ein Schwager für
AfD-Bundestagsabgeordnete. Rausch gilt als Macher und Strippenzieher in der
„Pokerrunde“ um Siegmund, wo Posten ausgedealt werden. Ist auf
Steuerzahlerkosten mit seiner Frau nach New York gereist und hat sich neben
seiner Abgeordnetentätigkeit eine Immobilienfirma aufgebaut. Nebeneinkünfte
gibt er nicht an, besitzt laut seiner Website 176 Wohnungen. Prahlt über
gute Connections zur CDU und führt die Gespräche mit dem BSW. Ist als
[8][designierter AfD-Landtagspräsident] ein entscheidendes Stemmeisen, um
die Demokratie aus den Angeln zu heben.
Phillipp-Anders Rau
Kurz bevor er 30 Jahre alt wurde, ging Rau 2012 nochmal an die Uni.
Allerdings fälschte er dafür sein Abizeugnis und machte aus der
Durchschnittsnote 3,5 eine 1,0. Für diese Urkundenfälschung flog er von der
Uni. Vor dem Verwaltungsgericht versuchte er erfolglos, dagegen vorzugehen:
Zum einen habe seine Freundin die Unterlagen abgeschickt und zum anderen
sei er durch seine Kokainsucht nicht „Herr seiner Sinne“ gewesen, zitiert
die [9][Mitteldeutsche Zeitung aus dem Urteil]. Zuvor war er bereits wegen
mehrerer Diebstähle verurteilt worden. Später arbeitete Rau für die
Landtagsfraktion, reiste mit anderen AfDlern in die USA, posierte mit
Präsident Donald Trump für ein Foto. Er soll außerdem an einem Pornodreh
beteiligt gewesen sein und gehört auch zur parteiinternen Klüngelclique
Pokerrunde.
Simon Lansmann
Gegen den Rinderzüchter Simon Lansmann aus Gardelegen läuft ein
Ermittlungsverfahren wegen Fortführung der 2023 [10][verbotenen
rechtsextremen Vereinigung Artgemeinschaft]. Das war eine
neonazistisch-esoterische Sekte, die sich als Hüter einer germanischen
Rasse sah und sich eigene „Sittengesetze“ gegeben hat. Sie wollen
„gleichgeartete Gattenwahl“ als „Gewähr für gleichgeartete Kinder“. Zuletzt
soll Lansmann unter anderem mit seinem neuen MdL-Kollegen Sebastian Koch
mit früheren Artgemeinschaft-Aktiven eine Sonnenwendfeier auf seinem Hof
gefeiert haben. Dort soll auch ein Lied der Hitlerjugend gesungen worden
sein.
Sebastian Koch
Der 39-Jährige posierte schon vor [11][10 Jahren mit Neonazis] im „I love
NS“-Shirt und „Nazi“-T-Shirt und absolvierte Kampftrainings mit
mittlerweile aufgelösten der Chemnitzer [12][Neonazi-Gruppe Rechtes
Plenum]. Vor neun Jahren wurde er Vorsitzender der AfD-Altmarkkreis.
Zuletzt feierte er bei einer Sonnenwendfeier seines AfD-Fraktionskollegen
Simon Lansmann mit, bei der ein Lied der Hitlerjugend gesungen wurde. Laut
Verfassungsschutz nahm Koch auch an neonazistischen „Heldengedenken“ und
Konzerten der Neonaziszene teil. Auf Social Media fabuliert er über einen
„Rassekrieg gegen unsere Kinder“ und den „kulturellen Erbstrang“ von
Migranten, der sie „schwerst frauenfeindlich“ mache. Auch den Leitspruch
der Wehrmacht „Treue um Treue“ verbreitet er. Bei einer Durchsuchung
zuletzt wegen Fortführung der rechtsextremen Artgemeinschaft wurden bei
Koch [13][auch Waffen gefunden], Ermittlungen laufen.
Jan Moldenhauer
Der promovierte Wirtschaftswissenschaftler ist seit 2021 im Landtag und
Teil der sogenannten Pokerrunde. Im AfD-Wahlprogramm gilt er als Autor des
„Remigrationskapitels“. International sucht er nach Vorbildern für eine
migrationsfeindliche Politik und spricht sich für „millionenfache
Abschiebung“ aus. Früher war er in der Jungen Alternative aktiv, stand der
völkischen Identitären Bewegung nahe und war Teil der Patriotischen
Plattform der AfD.
Frank-Ronald Bischoff
Der 77-Jährige war früher bei der Stasi. Zwölf Jahre arbeitete er als
Offizier im besonderen Einsatz für die Geheimpolizei der DDR. Laut
Medienberichten war er dort für Menschen zuständig, die aus der DDR
ausreisen wollten. Er tritt öffentlich mit einem Anstecker auf, der die
russische und die deutsche Fahne zeigt. Bei seiner Aufstellung zum
Direktkandidaten gibt es den Vorwurf, er habe Stimmen gekauft.
Ronny Kumpf
Im Gründungsjahr der AfD trat er in die AfD ein und bekam Parteiintern den
Spitznamen „Porno-Ronny“, weil er sich zuvor als Pornodarsteller versucht
hatte. Er wurde trotzdem Stadtrat und Vizevorsitzender des Landesverbands
unter dem ehemaligen Landeschef André Poggenburg. 2023 landete Kumpf
zweimal im Verfassungsschutzbericht, weil er unter anderem zur „Notwehr“
gegen die friedlichen Sitzblockaden der Letzten Generation aufrief.
Gordon Köhler
Seit 2014 in der Partei, seit 2021 im Landtag, gerade zum Fraktionsvize
wiedergewählt und Teil der Pokerrunde. Früher arbeitete er im Jobcenter und
der Stadtverwaltung Magdeburg. Er will mehr Kinderförderung und keine
CO₂-Besteuerung oder Impfpflicht. Als AfD-Kreischef wollte er 2016
Parteifreund Tillschneider zu einem Anti-Islam-Vortrag nach Burg holen –
nach Protesten wurde der abgesagt. 2025 reiste er mit anderen
AfD-Politikern auf Steuerzahlerkosten nach New York. Der Bund der
Steuerzahler wertete das als Verschwendung, ein Nutzen sei „nicht
erkennbar“. Dennoch wurde er zuletzt Leiter der parteiinternen Kommission
zur Filzaffäre. Ebenfalls 2025 setzte er mit CDU-Unterstützung durch, an
allen Gebäuden des Jerichower Landes dauerhaft Deutschlandflaggen
aufzuhängen. Das Ziel: das Gefühl zu stärken, als Deutscher einer
„Schicksals- und Bekenntnisgemeinschaft“ anzugehören.
Daniel Wald
Der gelernte Koch und Kaufmann ist seit 2015 in der AfD, seit 2018 als
Nachrücker im Landtag. Er ist ein Vertrauter von Rechtsaußen Tillschneider
und wollte mit diesem 2022 in den russisch besetzten Donbass in die Ukraine
reisen – nach Kritik brach er die Reise ab. Er lobte 2025 auf der Plattform
X, dass die Frauennationalmannschaft „ohne N*gerin“ spiele. Will das
Bündnis Weltoffener Saalekreis „trockenlegen“.
Jan Scharfenort
Trat der AfD 2016 bei und zog 2021 erstmals in den Landtag Sachsen-Anhalt
ein. Dort gehörte der gelernte Finanzfachwirt unter anderem dem Ausschuss
für Finanzen an. Scharfenort gehört zu den Erstunterzeichnern der
prorussischen Initiative „Stoppt die Sanktionen“ und reiste zusammen mit
anderen AfD-Mitgliedern aus Sachsen-Anhalt vergangenes Jahr in die USA zu
einem Treffen mit Anhängern von Trumps MAGA-Kult.
Dennis Möhring
Der Tischlermeister und Jäger trat 2017 in die AfD ein. Gegenüber der
Mitteldeutschen Zeitung sagte der 50-Jährige, die Griechenlandrettung, der
Austritt aus der Atomenergie und die Aufnahme von Geflüchteten hätten ihn
dazu bewegt. Er wolle sich dafür einsetzen, dass sich der Zustand des
Harzer Waldes verbessert. Musste als Mitglied einer rechtsextremen Partei
seinen Waffenschein abgeben.
Matthias Büttner (Staßfurt)
Nicht zu verwechseln mit dem 3 Jahre jüngeren, aber gleichnamigen Matthias
Büttner (Stendal). Gegen Staßfurt-Büttner gab es im Dezember 2016
Vergewaltigungsvorwürfe durch eine frühere AfD-Referentin während einer
Dienstreise. Das Strafverfahren wurde eingestellt – kein hinreichender
Tatverdacht. Er hatte im Landtag damit gedroht, einen mit Mistgabeln und
Fackeln bewaffneten Mob aus wütenden Autofahrern in den Landtag zu führen.
Daniel Roi
Gilt als alter Widersacher des ehemaligen Landeschefs André Poggenburg und
potenzieller Störenfried der völkischen Eintracht. Der 38-Jährige bekam
keinen Platz auf der Landesliste, sondern zog direkt ein. 2024 wurde er
wegen eines „unwiderruflich zerstörten“ Vertrauensverhältnisses aus der
Landtagsfraktion ausgeschlossen. Im Parteiausschlussverfahren wurde er aber
nur abgemahnt und später wieder aufgenommen. Ob er Siegmund in geheimer
Abstimmung wählt? Selbst in AfD-Kreisen unklar. 2017 sorgte er für
Schlagzeilen, als er über Wolfgang Schäuble (CDU), Claudia Roth (Grüne) und
Karamba Diaby (SPD) postete: „Neues Präsidium im Bundestag: Ein
Rollstuhlfahrer, Claudia Roth von den Grünen und ein Afrikaner der SPD.
Perfektes Abbild der BRD 2017.“ 2009 nahm er zudem an einem rechtsextremen
Aufmarsch der Jungen Landsmannschaft Ostpreußen teil, gemeinsam mit
NPD-Leuten.
Matthias Büttner (Stendal)
Nicht zu verwechseln mit dem drei Jahre älteren Matthias Büttner aus
Staßfurt. Die beiden sind, anders als in der AfD-Fraktion sonst üblich,
nicht miteinander verwandt. Aber Büttners Eltern waren für 556 Euro im Büro
des AfD-Bundestagsabgeordneten Thomas Korell angestellt. Stendal-Büttner
war vor seiner Karriere als Abgeordneter Büroleiter von Ulrich Siegmund.
Von 2017 bis 2021 war er Mitglied des Bundestags, dann wechselte er in den
Landtag von Sachsen-Anhalt.
Christian Ulrich Hecht
Ist seit 2021 im Landtag. Kandidierte mehrfach als Vizepräsident des
Landtags, scheiterte aber jedes Mal. Hat für die wegen ihres
Rechtsextremismus aufgelöste Junge Alternative gespendet. Seine Frau
arbeitete eine Zeit lang für den Bundestagsabgeordneten Jan Wenzel Schmidt.
Er war vergangenes Jahr einer der AfD-Landtagsabgeordneten, die in die USA
zu Trumps MAGA-Anhängern geflogen sind.
Armin Friese
Gehört zu den neuen AfD-Abgeordneten im Landtag, ist aber schon länger in
der Partei aktiv. 2017 war er auch mal kurz als Direktkandidat für den
Bundestag aufgestellt. Aber die AfD-Landesspitze setzte ihn dann doch
wieder ab, weil er mutmaßlich gegen den Vorstand um André Poggenburg
agierte.
Nadine Koppehel
Tochter der ehemaligen Landtagsabgeordneten Margret Wendt und schmückte ihr
Social-Media-Profil mit einer Russlandflagge. Die 49-Jährige ist eine von
nur zwei Frauen in der Fraktion. Sie stand auch im Zentrum der
Verwandtenaffäre, weil sie in ihrem Wahlkreisbüro angeblich sage und
schreibe 16 Mitarbeiter eingestellt haben sollte, [14][Scheinbeschäftigung
lag nahe]. Koppehel wurde trotzdem wiedergewählt. Bei Bürgerdialogen sagt
sie eher wenig – außer zum Thema Tierschutz.
Florian Schröder
Gelernter Industriemechaniker, arbeitete als Autoverkäufer und
Vertriebsmitarbeiter und war mal in der FDP. Lief dann 2015 zur AfD über.
Schröder feierte trotz des russischen Angriffskriegs 2025 Wladimir Putins
Geburtstag in der russischen Botschaft mit, war aber auch Teil einer
AfD-Delegation, die in Trumps USA reiste. Ist Jäger und interessiert sich
für Waffenrecht. Der 51-Jährige bezeichnete den Journalisten Tilo Jung als
„die Spitze menschlicher und charakterlicher Verkommenheit“ und setzte
Politiker mit „Krankheit“ gleicht. Postet auf Facebook Selfies mit Alice
Weidel, die musikalisch von der Ausländer-Raus-Hymne von Gigi d'Agostino
unterlegt sind.
Felix Zietmann
Im März fiel er im Landtag mit dem Zwischenruf auf: „Wir müssen nur einmal
gewinnen! Sie müssen immer gewinnen!“ Der Industriemechaniker bezeichnet
sich selbst als gelernter Bergmann. Früher war er laut Spiegel bei
neonazistischen „Trauermärschen“ zu sehen. 2014 trat er in die AfD ein,
seit 2021 ist er im Landtag. Beim Listenparteitag im vergangenen Jahr
kündigte er an, die AfD werde mit der „Vetternwirtschaft in diesem Land“
aufräumen. Als wenig später die Vetternwirtschaft in seiner Partei
öffentlich wurde, äußerte er sich nicht. Aber: Im Landtag finanzierte er
per Steuergeld mit 13 Mitarbeiter:innen mehr als die gesamte Fraktion
der Grünen.
Dirk Lassowski
Am Tag der Landtagswahl postete er auf Facebook: „Heute kommt die
Abrechnung für eure Taten.“ Lassowski war zuvor kommunalpolitisch für die
AfD aktiv. Nach eigenen Angaben ist er seit dem 21. Januar 2019 in der
Partei. Auf dem Marktplatz in Haldensleben organisierte er Demonstrationen
gegen die Anticoronapolitik, Krieg und alle anderen deutschen Parteien. Er
spricht sich gegen „kulturfremde Fachkräfte“ aus. In der DFB-Elf seien ihm
„Deutsche aus Schlesien und Ostpreußen“ lieber als eine „kunterbunte
Mannschaft“.
Daniel Rausch
Ist der Vater des voraussichtlichen Landtagspräsidentenkandidaten Tobias
Rausch. Auch der Rest seiner vier Kinder sowie seine Frau arbeitet bei der
AfD. Papa-Rausch war selbst 2016 der erste stellvertretende
Landtagspräsident der AfD. Er kam mit 46 Stimmen ins Amt, die AfD hatte
damals 25 Abgeordnete in Sachsen-Anhalt. Allerdings hatte er nur sieben
Minuten lang die Sitzungsleitung inne. Mehrfach brauchte er in der Zeit
Hilfe, bemühte sich stammelnd um Ordnung. Nach einer Unterbrechung trat er
aus „persönlichen Gründen“ vom Amt wieder zurück.
Hagen Kohl
Der 57-jährige Magdeburger ist schon seit März 2013 AfD-Mitglied, arbeitete
früher als Sachbearbeiter beim LKA. Er forderte, erwerbslose Einwanderer zu
„Bürgerarbeit“ zu verpflichten, tritt für die Nutzung von Palantir bei der
Polizei ein und erklärte Linke und Grüne zum „parlamentarischen Arm der
Antifa“. In seinem Magdeburger Wahlkreis unterlag er in der Direktwahl
gegen den Linken Mustafa Groener.
Volker Olenicak
Zieht nicht zum ersten Mal in den Landtag von Sachsen-Anhalt ein: Von 2016
bis 2021 war er bereits Abgeordneter. Damals schaffte er es überregional
mit einem antisemitischen Facebook-Post in die Zeitungen: Die damalige
Bundeskanzlerin sei eine „zionistische US-Agentin“, schrieb Olenicak. Vor
der Wahl erklärte er der Mitteldeutschen Zeitung, er wolle die Energiewende
und Waffenlieferungen für die Ukraine stoppen.
Lothar Waehler
Der Heizungsinstallateur wählte nach eigenen Angaben früher CDU, wegen der
Asylpolitik ging er zur AfD. 2021 gewann er als einziger AfDler ein
Direktmandat. Vor der jetzigen Wahl erklärte er, für seinen Wahlkreis
nichts erreicht zu haben, weil alle AfD-Anträge abgelehnt worden seien.
2024 wollte er mit Parteifreund Tillschneider mit einer Antiasyldemo am
Haus des CDU-Landrats Götz Ulrich vorbeiziehen – nach Protesten wurde die
Route geändert. Auch Waehler war Teil der Vetternwirtschaftsaffäre: Seine
Frau und Tochter sollen Mitarbeiterinnen von AfD-Bundestagsabgeordneten
gewesen sein.
Matthias Lieschke
Anfang des Jahres schloss die AfD-Fraktion ihn aus. Lieschke ist seit 2016
Mitglied des Landtags, wenige Monate vor der Wahl soll er Parteiinterna
weitergegeben haben. Allerdings ist es der AfD-Spitze nicht ganz so
wichtig. Der nächsten Fraktion gehört er wieder an. War bislang eher
unauffällig.
Christian Mertens
Mit 35 Jahren ist er der jüngste AfD-Abgeordnete im Landtag von
Sachsen-Anhalt. In der letzten Wahlperiode gehörte er bereits dem
Bildungsausschuss an. Mehrfach versuchte er, Vizepräsident des Landtags zu
werden – allerdings erfolglos. 2021 wurde er Landesvorsitzender der Jungen
Alternative in Sachsen-Anhalt und blieb es bis zur Selbstauflösung 2025. Er
gibt als Wahlkreisbüro dieselbe Adresse an, wie der AfD-Abgeordnete Jan
Moldenhauer. Laut MDR ist dort aber niemand anzutreffen. Als Kopfpauschale
erhalten Landtagsabgeordnete pro Monat 2.300 Euro, unter anderem für den
Betrieb eines Wahlkreisbüros.
Andreas Best
Gehörte ab den 90ern zur CDU, wechselte aber 2015 in die AfD. Der Grund:
Migrationspolitik. Kommunalpolitisch aktiv war er ab 2019 als Stadtrat und
ab 2014 als Ortsbürgermeister. Der Mitteldeutschen Zeitung erzählte er vor
der Wahl, dass er sich im Landtag für Innenpolitik engagieren wolle.
Thomas Schmirander
Geboren in Leipzig, wurde Schmirander 2016 Mitglied der AfD. Vor der Wahl
war er laut Volksstimme hauptberuflich bei der Landtagsfraktion der AfD
angestellt. Er stand nicht auf der Landesliste, sondern trat nur als
Direktkandidat an. Im Landtag möchte er sich für innere Sicherheit und
Entbürokratisierung einsetzen.
Andreas Gehlmann
Industriemechaniker und Maschinenbauer, 52, trat 2013 in die AfD ein, weil
er den „überhasteten Atomausstieg“ und das Erneuerbare-Energien-Gesetz
ablehnte. Gelangte 2016 mit einem Zwischenruf im Landtag zu bundesweiter
„Berühmtheit“. Als eine Linken-Abgeordnete feststellte, dass Marokko,
Tunesien und Algerien für Homosexuelle keine sicheren Herkunftsstaaten
sind, weil ihnen dort dafür eine Gefängnisstrafe drohe, rief Gehlmann
dazwischen: „Das sollten wir in Deutschland auch machen!“
Reiner Kretschmann
Der 60-jährige Tischlermeister war zu DDR-Zeiten in der SED, wählte nach
der Wende CDU, trat 2015 in die AfD ein. Holte in seinem Wahlkreis Eisleben
55,6 Prozent Erststimmen und damit landesweit am meisten. Hüllte sich bei
Anticoronaprotesten in eine Deutschlandflagge und teilte
Verschwörungstheorien zu Bill Gates. Bezeichnete Angela Merkel als „die
größte Verbrecherin und Mörderin, die Deutschland jemals hatte“. Postet
Beiträge der russischen Botschaft, verschwörungsideologische Videos zu
angeblichen False-Flag-Aktionen bei russischen Anschlägen oder gleich Reden
von Wladimir Putin – und natürlich von Björn Höcke.
Juliane Waehler
Juliane Waehler ist die Tochter von Lothar Waehler, der ebenfalls
AfD-Abgeordneter ist. Sie ist Mitarbeiterin des AfD-nahen
Deutschlandkuriers. Dort sagte sie in einem Video, ihr Hauptanliegen sei
es, dass ihre Kinder sicher seien und nicht indoktriniert würden. Daneben
betreibt sie den Podcast „Scharf rechts“, verbreitet „Remigration“-Slogans
und war im Mai 2026 beim „Remigrationskongress“ der rechtsextremen
Identitären in Porto, wo sie mit dem Identitären-Vordenker Martin Sellner
posierte. Waehler war vor ihrem Mandatsgewinn beim AfD-Landeschef und
Bundestagsabgeordneten Martin Reichardt angestellt.
Sebastian Killinger
Ist neu im Landtag. Der 40-Jährige postet auf Social-Media gerne
Schreckensmeldungen mit teils KI-generierter rechtsradikaler Musik, in
denen Zeilen gesungen werden wie: „Heuchlerpack, ihr ekelt mich an mit
eurer dreckigen Moral. Heuchlerpack, ich spuck es aus!“, „Deutschland wach
endlich auf!“ oder „Regiert von Idioten!“
Alexander Raue
Der Diplomingenieur und Ex-CDUler gewann schon 2016 ein AfD-Direktmandat.
Damals erklärte er, die AfD „habe es verstanden, die Sorgen der Wähler im
Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise aufzunehmen“. Im selben Jahr
unterzeichnete er die „Erfurter Resolution“, das Manifest des völkischen
AfD-Flügels. Im Landtag beklagte er, dass „Millionen Ungebildete und
Kulturfremde ins Land geholt“ würden. In Halle versucht Raue, ein
islamisches Zentrum zu verhindern: Man müsse „die eigene Kultur
durchsetzen“. Wer aus dem Ausland komme und eigene Kulturen aufbauen wolle,
sei „höchst unwillkommen“. Zusätzliche Familienunterstützung will Raue
daran knüpfen, dass ein Elternteil die deutsche Staatsbürgerschaft hat.
Paul Backmund
Der 35-jährige Objektleiter für Gebäudereiniger, dessen Eltern aus Russland
zugewandert sind, trat erst Ende 2023 in die AfD ein. Er sitzt im
Landesvorstand der Generation Deutschland. Backmund will, dass die Justiz
für mehr Sicherheit stärker durchgreift und auch nicht integrierte
Migranten abschiebt. Im Wahlkampf postete er auf X, drei Wahlkreise in
Halle seien „eingenommen und unter Kontrolle“, „der Kessel um die
Altparteien schließt sich“. Demokratiebündnissen wie Sachsen-Anhalt
weltoffen will er die Gelder entziehen und den „linken Sumpf trockenlegen“.
Auf Tiktok verbreitete er: „Remigration ist ein Versprechen.“ In Halle
trainiert er in der Gladiator Fight Academy, die als rechter Treffpunkt
gilt.
Dirk Jonas
Der Orthopädiemechaniker tritt für Arbeitsplätze vor Ort und für
„Traditionspflege“ ein. Den Strukturwandel in seiner Region nennt er
„überstürzt“. Organisierte laut eigener Auskunft in Sachsen-Anhalt 2018 das
Kyffhäuser-Treffen mit, eine Zusammenkunft des radikalen AfD-Flügels, der
inzwischen aufgelöst ist. Im Wahlkampf stand auf Jonas’ Infoständen laut
Mitteldeutscher Zeitung eine Miniaturausgabe von ihm mit Kettensäge in der
Hand.
Burkhardt Ratzmann
Gilt im Stadtrat von Dessau-Roßlau als gemäßigter AfD-Politiker. Allerdings
arbeitete er dort im Fraktionsvorstand unter anderem mit Joachim und
Laurens Nothdurft zusammen. Beide waren früher aktive Neonazis, bei der
verbotenen Heimattreuen Deutschen Jugend beziehungsweise der NPD aktiv. Das
scheint Ratzmann nicht zu stören.
Die Steigbügelhalter vom BSW
Claudia Wittig
Erklärte als Co-Spitzenkandidatin im Wahlkampf, sie wolle Sachsen-Anhalt
wirtschaftlich und gesellschaftlich stabilisieren. In der neuen
BSW-Fraktion ist sie Vizevorsitzende. Mit der AfD will sie punktuell
zusammenarbeiten und bezeichnet die bisherigen Gespräche als konstruktiv.
Oft tritt sie mir einem Wassermelonen-Anstecker auf, einem
propalästinensischen Symbol. Die Historikerin war zwischen 2018 und 2023
Mitglied der Linken. Seit Dezember 2025 ist sie Beisitzerin des
BSW-Bundesvorstands.
Thomas Schulze
Seit der Gründung des BSWs 2024 in Sachsen-Anhalt ist er
Co-Landesvorsitzender, im Wahlkampf war er der Co-Spitzenkandidat. Zuvor
war er nach eigenem Bekunden noch nie in einer Partei. Nach der Wahl wurde
er zum Fraktionsvorsitzenden gewählt. Er spricht sich für eine punktuelle
Zusammenarbeit mit der AfD aus und nannte als Beispiel dafür im
Handelsblatt die Sanktionen gegen Russland.
John Lucas Dittrich
Ist der jüngste Abgeordnete des Landtags: Jahrgang 2004. Als
Gründungsmitglied des BSW wurde er trotzdem schon 2024 zum Co-Vorsitzenden
in Sachsen-Anhalt gewählt und im Landtag hat er das Amt des
Fraktionsgeschäftsführers bekommen. Er gilt beim BSW als erfahren und
verhandelt mit den anderen Fraktionen. Auch bei den Gesprächen mit SPD,
Linken und Grünen über einen überparteilichen Ministerpräsidenten war er
anwesend. Vor seiner Zeit beim BSW war er bei der Linken und innerhalb der
Partei Sprecher der gewerkschaftsnahen Strömung „sozialistische Linke“. Er
trat mit Sahra Wagenknecht auf und gehört zu ihren loyalen Anhänger:innen.
Michael Reim
Der gelernte IT-Fachmann hatte bislang keine Funktion beim BSW in
Sachsen-Anhalt inne und ist erst seit Mai 2025 Mitglied. Vor dem BSW sei er
zwar an Politik interessiert gewesen, aber habe keine andere Partei
unterstützt, weil keine seine Überzeugung vertreten habe. Als Vater von
vier Kindern habe ihn die aktuelle Lage verzweifeln lassen. In seiner
Bewerbung für die BSW-Landesliste erklärte er, international in der
Open-Source-Gemeinschaft vernetzt zu sein.
Margitta Kriebel
Die Forstingenieurin arbeitete vor der Wahl als Referentin im Wirtschafts-
und Forstministerium, das zuletzt Sven Schulze leitete. Kriebel möchte die
Menschen im ländlichen Raum vertreten und zum Beispiel das Radwegenetz
verbessern. Gesetze, „die die Interessen der Menschen“ berücksichtigen,
möchte sie parteiunabhängig unterstützen. Zu ihren Hobbys gehört die Jagd.
5 Oct 2026
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Unsere Autorin hat jahrelang versucht, AfD-Fans in ihrem westdeutschen
Umfeld zu verstehen – vergeblich. Daher ist jetzt Schluss mit der
Einfühlsamkeit.