# taz.de -- Revanchismus beim AfD-Nachwuchs: Vorstand der AfD-Jugend will „großdeutsche Lösung“
> Luca Maurice Strauf hat am Tag der Wiedervereinigung eine Karte gepostet,
> auf der Teile vieler Nachbarländer deutsch eingefärbt sind. Das sorgt für
> Stress – nicht nur in der AfD-Jugend.
(IMG) Bild: Nachbarländer eindeutschen: das kam nicht gut an. Hier eine Veranstaltung der AfD-Gruppe „Generation Deutschland“ in Schwerin
Irgendwann finden sich in den X-Kommentarspalten jede Menge französische
Accounts, die sich dem rechtsradikalen Umfeld der französischen
Rechtspartei Rassemblement National (RN) zuordnen lassen. Die französische
Rechtstwitter-Bubble ist über einen Post eines AfD-Politikers empört und
postet Gifs von Atompilzen, Bilder von nuklearen Waffen und französischen
Soldaten.
Tenor: „Trau dich nur, Kraut!“ oder im Wortlaut: „Die Deutschen waren nie
unsere Freunde. Man muss das Saarland und das linke Rheinufer annektieren …
und Berlin noch einmal den Erdboden gleichmachen, wenn möglich.“ Die AfD
sei pangermanisch, warnt einer, Frankreich müsse aufwachen – denn die
Partei führe in den deutschen Umfragen.
Sauer sind die rechten Franzosen vor allem wegen eines bayerischen
Vorstands der AfD-Jugend, Luca Maurice Strauf, der sich selbst
[1][kurioserweise als „Helmut“ ausgibt] und eigentlich aus dem Saarland
stammt. Strauf hatte am Tag der Deutschen Einheit eine revanchistische
Karte gepostet, welche die aktuellen deutschen Grenzen infrage stellt.
Viele Nachbarländer Deutschlands sind in Blautönen als deutsch markiert.
Darunter auch Elsass-Lothringen, was die Franzosen so in Wut versetzt.
Strauf hatte anlässlich des [2][Feiertags zur Wiedervereinigung zu dieser
Karte geschrieben]: „Deutsche Einheit bedeutet ein Deutschland, das das
gesamte deutsche Volk in einem Staat vereint. Heute gedenken wir einem
Etappen-Sieg auf dem Weg dahin“ (Fehler im Original). Auf der Karte sind
nicht nur Teile Frankreichs, sondern auch Österreichs, Teile von Polen,
Ungarn, Schweiz, Italien, Frankreich, Luxemburg, Dänemark, Slowakei,
Rumänien, Niederlande und Belgien als teils deutsch markiert. Kurz nachdem
Strauf die Karte gepostet hatte, löschte er den Beitrag wieder. Dennoch
ging das Posting in den sozialen Medien viral.
## Vorstand der AfD-Jugend will das „deutlich ansprechen“
Es ist nicht das erste Mal, dass sich Strauf offen revanchistisch äußert.
Bereits am 5. August postete Strauf auf die Frage einer Journalistin, was
für ihn Heimat sei – Saarland oder Bayern – mit einem Zitat aus der ersten
Strophe der deutschen Nationalhymne, die heute wegen ihres
nationalistischen Charakters nur noch von rechtsradikalen Burschenschaften
gesungen wird: „Von der Maas bis an die Memel, Von der Etsch bis an den
Belt.“ Auch hier also: die „großdeutsche Lösung“. Kein Wunder, dass sich
Deutschlands Nachbarn mit Blick auf Wahlerfolge der AfD und die
gleichzeitig stattfindende Aufrüstung wegen „Pangermanismus“ Sorgen machen.
Der Bundesvorstand der extrem rechten AfD-Jugend, der sich seit der
Neugründung als professionell inszeniert, zeigt sich ob des öffentlichen
Bildes etwas zerknirscht. Auf Anfrage der taz heißt es, man habe vom
Beitrag erst durch Anfrage der taz erfahren, wie der Pressesprecher
Wendelin Fessl sagte: „Er entspricht weder unserem Anspruch an
Geschichtspolitik noch unserem Verständnis von Realpolitik. Patriotismus
braucht keine historischen Landkarten-Fantasien.“ Politik müsse sich daran
messen lassen, was sie für die Zukunft unseres Landes konkret erreichen
könnte, so Fessl.
Der GD-Vorstand wirkt jedenfalls ähnlich sauer wie die Franzosen: „Wir
werden den Vorgang aber in der nächsten Vorstandssitzung sehr deutlich
ansprechen. Wer politische Verantwortung trägt, muss mehr im Blick haben
als den nächsten provokanten Post.“ Von ernsthaften Konsequenzen ist
allerdings nicht die Rede, obwohl Strauf Wiederholungstäter ist.
Komisch dabei: Pressesprecher Fessl ist selbst Österreicher und ruft
beispielsweise in einem Propaganda-Video der AfD-Jugend: „Wir sind die
deutsche Jugend!“ Auf die Frage, wie er das Strauf-Posting als Österreicher
sehe, sagte er: „Ich kann mit solchen Grenzspielereien wenig anfangen. Man
kann sein Land lieben, ohne gleich den Atlas neu zeichnen zu wollen.“ Aber
er betont auch: „Die deutsche Einheit und die Wiedervereinigung von 1990
sind für mich Anlass genug, den 3. Oktober zu feiern.“
Strauf selbst gibt sich auf taz-Anfrage weniger großspurig als noch in
seinem Posting: Mit dem Beitrag wollte er angeblich nicht fordern, dass
Deutschland sich Teile der Nachbarländer einverleibe, sondern nur auf die
„gemeinsame Geschichte“ und „ein gemeinsames Schicksal“ von Deutschland und
Österreich hinweisen, schreibt er. Er habe den Post gelöscht, „weil er
keinen Nutzen hatte“. Auch sein Zitat aus der ersten Strophe der
Nationalhymne sei nicht als Forderung gemeint, behauptet er.
## Strauf ist nicht allein mit Revanchismus
Nun ja: Tatsächlich war die Anerkennung etwa der Oder-Neiße-Grenze noch in
den 90 Jahren ein Mobilisierungsthema für Rechtsextreme. Und auch in der
AfD gibt es weitere Puzzleteile, die darauf hindeuten, dass Strauf mit
seiner Haltung zu den deutschen Grenzen nach 1945 nicht ganz allein sein
könnte.
Der völkische Scharfmacher Hans-Thomas Tillschneider etwa feiert jährlich
ein Preußenfest. Viele AfD-Politiker stammen aus Familien, die nach dem
Zweiten Weltkrieg vertrieben wurden. Björn Höcke, dessen Großeltern
Ostpreußen waren, trug mehrfach bei AfD-Veranstaltungen eine Preußenflagge
am Revers.
Und Parteichefin Alice Weidel weigerte sich in Vergangenheit, den heutigen
polnischen Namen Głubczyce des Heimatorts ihrer Vorfahren anzuerkennen,
[3][wie sie einem rechtsextremen Magazin sagte]: „Weidel ist ein
oberschlesischer Name, meine Familie väterlicherseits kommt aus Leobschütz.
Ich habe mich immer geweigert, nachzuschauen, wie der polnische Name der
Stadt lautet, und diese Stadt umzubenennen.“
Der Historiker Jens-Christian Wagner wertete das damals in der Welt als
Infragestellung der nach 1945 gezogenen Grenzen. Die Partei wende sich
damit gegen die Aussöhnung mit Polen und damit eine wesentliche Grundlage
für ein friedliches Deutschland.
5 Oct 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Bundesvorstand-der-AfD-Jugend/!6154203
(DIR) [2] https://bsky.app/profile/joswig.bsky.social/post/3mwxralhnb22v
(DIR) [3] https://www.welt.de/politik/deutschland/plus252677748/AfD-Chefin-Weidel-stellt-die-nach-1945-gezogenen-Grenzen-infrage.html
## AUTOREN
(DIR) Gareth Joswig
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