# taz.de -- Sachsen-Anhalt: Arbeitnehmerflügel der CDU will Merz beim Wort nehmen
       
       > Dem Kanzler seien in Magdeburg die Hände gebunden, sagt CDA-Vize Bäumler.
       > Doch im Landtag mehren sich die Spaltungstendenzen bei der CDU.
       
 (IMG) Bild: Lesen als Protest: Szene vor dem Magdeburger Landtag am Dienstag
       
       Es ist die Staatsministerin im Auswärtigen Amt, die nach den Wahlen zum
       Magdeburger Landtagspräsidium einen neuen Ton innerhalb der CDU setzt. „Ich
       glaube, das brauchen wir jetzt nicht schönreden“, sagte Serap Güler mit
       Blick auf mögliche Stimmen aus der Union für den AfD-Kandidaten Tobias
       Rausch. Da es insgesamt nur 5 Enthaltungen bei der Wahl gegeben habe, bei
       der Union aber insgesamt 14 Abgeordnete mitgestimmt hätten, werde „der eine
       oder andere CDUler diese Entscheidung mitgetragen haben“, so Güler.
       
       Mit so einer Äußerung stand sie zunächst allein in der CDU. Nur wenige
       Stunden vorher hatte ihr Parteichef Friedrich Merz eine Mitverantwortung
       der Union für die Wahl des rechtsextremen Landtagspräsidiums in
       Sachsen-Anhalt bestritten. [1][Stattdessen hatte der Kanzler Abgeordnete
       der SPD, der Grünen oder der Linken verdächtigt,] Rausch gewählt zu haben,
       um CDU-Abgeordnete zu diskreditieren.
       
       Der Vize-Chef des Arbeitnehmerflügels in der CDU, Christian Bäumler, nahm
       den Kanzler in der Frage dennoch in Schutz. „Wenn es einen Bereich gibt, in
       dem Merz immer wieder Klartext gesprochen hat, dann ist es der, dass es
       keine Zusammenarbeit mit der AfD geben darf“, sagte er der taz. Er denke
       auch, dass es in Sachsen-Anhalt Abweichler von der CDU gegeben haben
       könnte. „Aber ich kann es nicht beweisen.“ Solange sich dort niemand
       bekenne, seien der Bundespartei die Hände gebunden. „Wenn sich jemand
       outet, ist die Sache klar: Dann heißt es Parteiausschluss.“
       
       Merz hatte in der Vergangenheit immer wieder eine Zusammenarbeit zwischen
       der CDU und AfD ausgeschlossen. [2][Im Jahr 2023 sprach er etwa davon,]
       dass, solange er Parteivorsitzender sei, es keine Kooperation geben werde –
       „nicht auf dem Tisch, nicht unter dem Tisch, mit mir und uns nicht“.
       [3][Recherchen zeigten, dass diese Vorgabe vor allem in Kommunen längst
       gebrochen wird.]
       
       ## Landesvize sieht CDU nicht als „AfD-Hilfstruppe“
       
       Absprachen zwischen CDU und AfD in einem Landesparlament würden dennoch
       völlig neue Fragen aufwerfen. Schon jetzt steht in Sachsen-Anhalt die
       Unionsfraktion vor einer Zerreißprobe. AfD-Mann Rausch erhielt bei seiner
       Wahl zum Landtagspräsident [4][vier Stimmen mehr, als AfD und BSW auf sich
       vereinen können] – sehr wahrscheinlich stammten sie aus der CDU. Hinzu kam,
       dass der selbst für AfD-Verhältnisse radikale Kandidat Hans-Thomas
       Tillschneider mit fünf Stimmen mehr zum Vizepräsidenten des Landtags
       gewählt wurde, als die AfD-Fraktion Abgeordnete hat. Auch deshalb geriet
       die CDU in den Fokus – zumal das BSW zuvor angekündigt hatte, Tillschneider
       nicht wählen zu wollen.
       
       CDU-Fraktionsmitglied und Landesvize Marco Tullner, erklärte nun, dass er
       bis Jahresende überlege, ob er noch in der CDU-Fraktion bleibe. Gegenüber
       der taz versicherte er aber, er habe weder Rausch noch Tillschneider
       gewählt. Zugleich versicherte Tullner anderen Medien gegenüber, Ulrich
       Siegmund im Dezember nicht zum Ministerpräsidenten wählen zu wollen. Die
       CDU sei „keine AfD-Hilfstruppe“.
       
       Auch weitere CDU-Fraktionsmitglieder bestritten in taz-Gesprächen, Rausch
       oder Tillschneider gewählt zu haben. Unstrittig aber ist, dass durch die
       Fraktion ein Riss geht; spätestens seit Spitzenkandidat Sven Schulze trotz
       des Absturzes der CDU bei den Landtagswahlen als Fraktionschef antrat – und
       denkbar knapp mit 8 zu 7 Stimmen gegen den Amtsinhaber gewann. Seitdem gibt
       es im Lager des unterlegenen Guido Heuer offene Rechnungen.
       
       Jetzt richten sich die Blicke auf den CDU-Landesparteitag am 5. Dezember.
       Schulze und der gesamte Landesvorstand hatten eigentlich angekündigt, dort
       nicht mehr kandidieren zu wollen. Vorstandsmitglied Sepp Müller,
       parteiinterner Widersacher von Schulze, tritt nun dennoch für den
       Landesvorsitz an – und wird vom Heuer-Lager in der Fraktion unterstützt.
       Der Parteitag könnte damit neue Verwerfungen auslösen.
       
       8 Oct 2026
       
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