# taz.de -- Angriffe gegen Berliner Linke: Jetzt wollen alle mal was sagen
> Wahlverlierer CDU schießt auf allen Kanälen gegen die Berliner Linke. Aus
> Schleswig-Holstein kommt eine Attacke eher skurriler Art.
(IMG) Bild: Wollte auch noch was zur Berliner Regierungsbildung sagen: Schleswig-Holsteins Innenministerin Magdalena Finke (CDU)
Nach den verlorenen Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin liegen die
Nerven in der Union ziemlich blank. Ist die CDU an der Ostsee ganz aus dem
Landtag geflogen, hoffen die Konservativen in Berlin offenbar, noch etwas
retten zu können, indem sie eine rot-rot-grüne Koalition torpedieren – um
dann, obschon abgewählt, selbst weiterregieren zu können.
Den Anfang hatte [1][Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) gemacht], der
in der Talkshow von Maybrit Illner einen Versprecher der Moderatorin
nutzte. Illner hatte über die Berliner Linken-Spitzenkandidatin gesagt:
„Elif Eralp sagt … sie ist Antisemitin“, sich dann aber sofort korrigiert:
„Sie ist keine Antisemitin.“ Dobrindt hatte eingehakt mit den Worten „Na
doch!“
Eralp und der Berliner Landesverband haben daraufhin über ihren
Medienrechtsanwalt Jasper Prigge bei der Berliner Staatsanwaltschaft
[2][Strafanzeige wegen übler Nachrede und Beleidigung gestellt], weil die
damit vorgenommene Bezeichnung Eralps als Antisemitin geeignet sei, die
Regierungsbildung zu erschweren.
Es blieb nicht bei einer spontanen Zwischenbemerkung. Am selben Tag holte
Dobrindts Kabinettskollegin Katerina Reiche (CDU) zum Schlag gegen die
Berliner Linke aus. Die Wirtschaftsministerin postete [3][auf Instagram
Teile einer Rede], in der sie unter anderem sagte: „Dass sich jetzt eine
Partei anschickt, hier in Berlin, sich nicht schämt, über Enteignung nicht
nur zu sprechen, sondern ins Programm zu schreiben, die Antisemitismus
offen lebt, die den Juden in dieser Stadt Angst macht, jüdisches Leben
bekämpft, die die organisierte Kriminalität fröhlich auf Wahlpartys
begrüßt, ist nicht nur gefährlich für die Hauptstadt, ist gefährlich für
den Investitionsstandort Deutschland.“
## Anfeindungen auf Instagram
Auch gegen Reiches Post geht die Linke rechtlich vor, wenn auch nicht gegen
die darin enthaltenen Anwürfe gegen die Partei. Angriffspunkt ist eine
vermeintliche Formalie: Reiche hat den Rede-Ausschnitt nicht nur über ihren
persönlichen Instagram-Account veröffentlicht, sondern auch über den ihres
Ministeriums.
Auf dem aber sei Reiche zur Neutralität verpflichtet, weil er mit
staatlichen Mitteln finanziert werde, argumentiert Anwalt Prigge. Die
Veröffentlichung des Videos dort, mit inzwischen immerhin gut 60.000
Aufrufen, beeinträchtige die Chancengleichheit der Parteien. Er fordert
deswegen die Löschung des Videos sowie eine Unterlassungserklärung von
Reiche.
Können Reiche und Dobrindt immerhin aus ihrem Berliner Dienstsitz – und aus
ihrer Verantwortung für die ganze Republik – eine gewisse Zuständigkeit in
der Angelegenheit in Anspruch nehmen, mutet eine andere Attacke aus der CDU
eher skurril an: Auch Schleswig-Holsteins Innenministerin Magdalena Finke
(CDU) fühlte sich berufen, sich auf Instagram [4][zur Berliner
Regierungsbildung zu äußern]: „Wer Verbindungen zu Clan-Strukuren hat“,
schreibt sie über die Berliner Linke, „wer Judenhass in den eigenen Reihen
duldet, wer ein gestörtes Verhältnis zu den Sicherheitsbehörden hat, darf
niemals Verantwortung für die Sicherheit übernehmen.“
Inhaltlich dürfte sich die Ministerin damit deutlicher im Rahmen der
erlaubten Meinungsäußerung bewegen als ihre Kolleg:innen aus dem
Bundeskabinett. Aber wie Reiche hat sie ihre Meinung nicht nur auf ihrem
privaten, sondern auch auf ihrem dienstlichen Instagram-Kanal verbreitet,
wie zuerst die Kieler Nachrichten berichtet haben.
Aus Sicht der Linken ist das auch in ihrem Fall ein Verstoß gegen das
Neutralitätsgebot. Sie verlangt deswegen in einem Brief, der der taz
vorliegt, vom Land Schleswig-Holstein die Löschung des Posts sowie eine
strafbewehrte Unterlassungserklärung.
Sollten also dieselben Behauptungen erneut über einen offiziellen Kanal der
Landesregierung verbreitet werden, müsste das Land dem Berliner
Landesverband der Linken demnach Schadensersatz zahlen. Bis Freitag hat die
Ministerin Zeit, diese Erklärung abzugeben, sonst will Anwalt Prigge eine
einstweilige Verfügung beim Bundesverfassungsgericht erwirken.
Innenministerin Finkes Sprecher Tim Radtke bestätigt der taz lediglich den
Eingang eines „anwaltlichen Schreibens“. Das werde derzeit im Ministerium
geprüft. Auf die Nachfrage, ob den Instagram-Account des Ministeriums die
Ministerin selbst oder ihre Pressestelle bespiele, sagte Radkte nur „teils,
teils“.
## Bremens FDP kocht ihr Süppchen
Derweil ist es in Bremen die örtliche FDP, die auf den Ereignissen nach der
Berliner Wahl ihr lokales Süppchen kocht. Fraktionschef Thore Schäck
verbreitet auf seinem privaten und dem Instagram-Account seiner Fraktion
einen [5][Schnipsel aus einer Rede], die er in der Bürgerschaft gehalten
hatte. Er spricht dort in Richtung der Linken-Fraktionschefin Sofia
Leonidakis von „einer Partei, deren designierte Spitzenkandidatin auf der
Wahlparty dort in Berlin mit Antisemiten, mit Terroristen und mit
Clankriminellen gemeinsam feiert“. In den Post ist ein Foto von Leonidakis
montiert.
Schäck, dessen Partei den Einzug ins Berliner Abgeordnetenhaus mit 2,5
Prozent deutlich verpasst hat, spielt auf die [6][öffentliche Wahlparty der
Neuköllner Linken] an, auf der der Palästinenser-Aktivist Ibrahim Ibrahim
und der mutmaßliche Clanchef Issa Remmo gesichtet worden waren. Nur:
Leonidakis sagt zur taz, sie sei nicht dort gewesen, sondern auf der
zentralen Wahlparty der Linken, „mit Zugangskontrolle per QR-Code“. „Mit
den Herren, auf die der Kollege Schäck anspielt, war ich lediglich in einer
Stadt“, sagt sie, „und das habe ich ihm auch gesagt.“
Sie habe Schäck gebeten, das Video zu löschen, weil es Falschaussagen
enthalte. „Ich wollte das kollegial regeln.“ Erst als Schäck das verweigert
habe, habe auch sie sich anwaltliche Hilfe geholt und verlange die Löschung
nun auf juristischem Wege.
Schäck hat inzwischen mit einem weiteren Video auf Instagram nachgelegt, in
dem er sein Recht auf „Meinungsfreiheit“ reklamiert. Leonidakis sagt: „Vor
der Meinungsfreiheit habe ich großen Respekt“, insbesondere im Parlament
sei die ja durch die Indemnität geschützt. „Aber Lügen ist unzulässig.“
29 Sep 2026
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## AUTOREN
(DIR) Jan Kahlcke
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