# taz.de -- Eralp zeigt Dobrindt an: Überfällige rote Karte
> Der inflationäre Missbrauch des Antisemitismus-Vorwurfs zu politischen
> Zwecken ist fatal. Nicht nur die Linke sollte sich dagegen wehren.
(IMG) Bild: Die Sendung Maybrit Illner vom 24.09. 2026, bei der Alexander Dobrindt Elif Eralp als Antisemitin diffamierte
Die Linke muss eine [1][rote Linie gegen Antisemitismus] [2][ziehen], das
ist klar. Sie muss sich aber auch gegen all jene wehren, die den
Antisemitismus-Vorwurf für ihre Zwecke instrumentalisieren, um Stimmung
gegen sie zu machen. Nicht nur konservative Medien haben nach ihrem
fulminanten Wahlsieg in Berlin ein regelrechtes Trommelfeuer gegen die
Linke eröffnet. Auch in öffentlich-rechtlichen Talkshows müssen sich
Linke-Politiker gegen Antisemitismus-Vorwürfe zur Wehr setzen.
Bei Maybritt Illner hat sich Bundesinnenminister Alexander Dobrindt im Ton
vergriffen, als er Elif Eralp, die Spitzenkandidatin der Berliner Linken,
als „Antisemitin“ diffamierte. Eralp hat nun [3][Strafanzeige gegen
Dobrindt wegen übler Nachrede und Beleidigung erstattet]. Das ist eine
überfällige rote Karte, die deutlich macht, dass der CSU-Politiker eine
Grenze überschritten hat. Nicht alle haben die Zeit und die Mittel, sich
wie Eralp juristisch gegen unberechtigte Antisemitismus-Vorwürfe zu wehren:
Das macht ihren Fall exemplarisch.
Die Linke ist die einzige Partei im Bundestag, die Deutschlands
Unterstützung für Israels Kriegsverbrechen in Gaza und anderswo kritisiert.
Diese Kritik wird ihr teilweise als Antisemitismus ausgelegt. Sehr viele
Wählerinnen und Wähler in Berlin haben das durchschaut, und der Linken
trotz dieser Vorwürfe – oder gerade wegen ihrer klaren Haltung zum
Nahost-Konflikt – ihre Stimme gegeben.
Der Vorwurf des Antisemitismus wiegt schwer in einem Land, das für den
[4][Völkermord an über sechs Millionen Jüdinnen und Juden] die
Verantwortung trägt. Doch durch seinen inflationären Missbrauch im
politischen Meinungskampf wird der Vorwurf stark entwertet. Das ist fatal.
Warum konservative Politiker und Medien so erpicht darauf sind, der Linken
pauschal Antisemitismus zu unterstellen, ist klar: Mit der Behauptung, die
Linke sei im Grunde nicht besser als die AfD – ja vielleicht sogar
schlimmer –, haben sie ein Argument, um [5][die Brandmauer zu den
Rechtsextremisten zu schleifen]. Das sollte ihnen nicht nur die Linke nicht
durchgehen lassen.
28 Sep 2026
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(DIR) Daniel Bax
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