# taz.de -- Streit um Linken-Wahlparty in Berlin: Bremens FDP hat Probleme mit der Wahrheit
> Fraktionschef muss Instagram-Post löschen, der Linken-Kollegin in die
> Nähe von Terrorismus und Clankriminalität rückt. Aber er lässt nicht
> locker.
(IMG) Bild: Klingt in der Bürgerschaft oft scharf, erst bei näherem Hinsehen tun sich Unschärfen auf: Thore Schäck
Der Bremer Bürgerschaftswahlkampf wird schon schmutzig, bevor er richtig
angefangen hat. Die Linken-Spitzenkandidatin Sofia Leonidakis hat nun vor
Gericht erwirkt, dass FDP-Fraktionschef Thore Schäck Äußerungen
zurückziehen muss, mit denen er sie in die Nähe von Terrorismus und
Clankriminalität gerückt hatte.
Es geht um die Wahlnacht in Berlin, genauer um die Partys des Wahlsiegers
Die Linke. Schäck hatte in einer Bürgerschaftsdebatte in Richtung
Leonidakis [1][von einer Partei gesprochen], „deren designierte
Spitzenkandidatin auf der Wahlparty dort in Berlin mit Antisemiten, mit
Terroristen und mit Clankriminalität gemeinsam feiert“.
Er hatte damit offensichtlich auf die [2][öffentliche Wahlparty der
Neuköllner Linken] angespielt, auf der der Palästinenser-Aktivist Ibrahim
Ibrahim und der mutmaßliche Clanchef Issa Remmo gesichtet worden waren und
die seither [3][von interessierter Seite ins Feld geführt wird], wenn es
darum geht, der Berliner Linken die Regierungsfähigkeit abzusprechen.
Nur war Leonidakis eben nicht auf dieser Wahlparty gewesen, sondern auf der
zentralen Wahlparty der Linken im Festsaal Kreuzberg. „Mit den Herren, auf
die der Kollege Schäck anspielt, war ich lediglich in einer Stadt“, sagte
sie der taz vor einer Woche.
## Parlamentsrede im Netz gepostet
Aus all dem wäre vermutlich keine rechtliche Angelegenheit geworden, hätte
Schäck die Sequenz aus seiner Rede nicht hinterher als Video auf Instagram
gepostet – und darein ein Bild von Leonidakis montiert. Die verlangte von
Schäck, das Video zu löschen, was er verweigerte. Daraufhin hat sie über
einen Rechtsanwalt die Löschung sowie eine Unterlassungserklärung von
Schäck verlangt.
Schäck hat daraufhin ein weiteres Video gepostet, in dem er ankündigt,
juristisch für seine „Redefreiheit und Meinungsfreiheit“ zu kämpfen.
Zunächst erfolglos: Das Landgericht Bremen hat auf Eilantrag von Leonidakis
eine einstweilige Verfügung beschlossen, nach der Schäck die Behauptungen
nicht wiederholen darf. Andernfalls droht ihm ein Bußgeld von bis zu
250.000 Euro.
Schäck und seine Fraktion haben das Video daraufhin von ihren Kanälen
gelöscht – „vorsorglich“, wie Fraktionssprecher Julian Rabe sagt. Man
behalte sich aber weitere rechtliche Schritte vor. Die Begründung ist
überraschend: Schäck habe gar nicht die Neuköllner Wahlparty gemeint, sagt
er, eine Woche nachdem die taz nach eben jener gefragt hatte. Es gebe
vielmehr Medienberichte, laut denen Issa Remmo auch auf der zentralen
Wahlparty des Linken-Landesverbands in Kreuzberg gewesen sei.
Die Bild hatte berichtet, Remmo sei dort „gesichtet“ worden, aber im
Unklaren gelassen, ob er tatsächlich drin war. In einer späteren Passage im
Bild-Text heißt es dann, am Anfang sei der Einlass nicht kontrolliert
worden – was sich aber, wenn auch nicht kenntlich gemacht, wiederum auf die
Neuköllner Wahlparty bezog. Der Tagesspiegel hat die Behauptung der Bild
wiederholt und um den Satz ergänzt, Remmo sei „im Backstage-Bereich
verschwunden“.
Ein Sprecher der [4][Linken-Bundespartei] sagt zur taz: „Das ist totaler
Quatsch. Wir können nicht bestätigen, dass der Typ bei uns im Festsaal
Kreuzberg war. Außerdem können wir ebenfalls ausschließen, dass er jemals
im Backstage bei uns war.“
Für den Rechtsstreit zwischen Leonidakis und Schäck dürfte das am Ende
nicht entscheidend sein, denn zumindest an dem Vorwurf, Leonidakis habe mit
„Terroristen“ gefeiert, hält auch die Bremer FDP nicht fest. „Dafür gibt es
keine seriösen Belege“, räumt Sprecher Rabe ein.
Für Leonidakis jedenfalls ist die Sache klar. „Das Bremer Landgericht hat
bestätigt: Die FDP lügt“, sagt sie. „Wir hatten die FDP zunächst mündlich
und schriftlich darauf aufmerksam gemacht, dass sie falsche Behauptungen
verbreiten. Die Wahrheit hat Herrn Schäck aber nicht interessiert.“
7 Oct 2026
## LINKS
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(DIR) [4] https://www.die-linke.de/partei/
## AUTOREN
(DIR) Jan Kahlcke
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