# taz.de -- Antisemitismus-Vorwürfe: Auch Reiche wird abgemahnt
> Die Berliner Linke sieht sich nach der gewonnenen Wahl mit
> Antisemitismus-Vorwürfen konfrontiert. Die Partei wehrt sich politisch
> und juristisch.
(IMG) Bild: Hat schon Post: Sie Linke wirft Reiche einen Verstoß gegen das Neutralitätsgebot vor
dpa | Die Berliner Linke geht rechtlich gegen weitere Politiker vor, die
der Partei via Social Media Antisemitismus und Nähe zu kriminellen Clans
vorgeworfen haben. Nach Angaben eines Parteisprechers schickte ein Anwalt
sogenannte Unterlassungsverpflichtungserklärungen an
[1][Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche] und Schleswig-Holsteins
Innenministerin Magdalena Finke (beide CDU).
Beide sollen sich verpflichten, bestimmte Äußerungen auf offiziellen
Regierungskanälen nicht zu wiederholen. Falls das nicht geschieht, behält
sich die Partei demnach weitere rechtliche Schritte vor. [2][Zuletzt hatte
die Berliner Linke bereits Strafanzeige gegen Bundesinnenminister Alexander
Dobrindt (CSU) wegen Äußerungen in der TV-Talkshow gestellt.]
Stein des Anstoßes ist diesmal ein auf Instagram veröffentlichtes Video von
Reiches Ministerium, in dem die Politikerin die Berliner Linke auf einer
Konferenz als Partei beschreibt, „die Antisemitismus offen lebt, die den
Juden in dieser Stadt Angst macht, jüdisches Leben bekämpft, die die
organisierte Kriminalität fröhlich auf Wahlpartys begrüßt“. Das sei
gefährlich für die Hauptstadt und für den Investitionsstandort Deutschland,
so die Ministerin.
Finke wiederum äußerte bei Instagram vor wenigen Tagen mit Blick auf die
Linke in Berlin: „Wer Verbindungen zu Clan-Strukturen hat, wer Judenhass in
den eigenen Reihen duldet, wer ein gestörtes Verhältnis zu unseren
Sicherheitsbehörden hat, darf niemals Verantwortung für die Sicherheit
übernehmen.“
## Verstoß gegen das Neutralitätsgebot
Aus Sicht der Linken verstoßen beide Äußerungen gegen das Neutralitätsgebot
im politischen Wettbewerb und das Recht auf Chancengleichheit.
Regierungsmitglieder seien zu sachlichen Informationen verpflichtet, wenn
sie offizielle Social-Media-Kanäle ihrer Ministerien nutzten. „Politischer
Meinungskampf“ oder parteipolitisch einseitige Wertungen seien hier nicht
erlaubt.
Ein Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums bestätigte den Eingang des
anwaltlichen Schreibens, das nun geprüft werde. Der Instagram-Beitrag sei
im Zusammenhang mit einer Rede vor Familienunternehmern entstanden und
beziehe sich eindeutig „auf die Auswirkungen auf und Gefährdung des
Wirtschaftsstandorts Deutschland“. Ein Sprecher des Kieler
Innenministeriums erklärte: „Ich kann den Eingang eines anwaltlichen
Schreibens bestätigen. Dies wird derzeit rechtlich geprüft.“
Die Linke war bei der Berlin-Wahl am 20. September mit Abstand stärkste
Kraft geworden, will mit Grünen und SPD eine Koalition schmieden und mit
ihrer Spitzenkandidatin Elif Eralp die Regierende Bürgermeisterin stellen.
Teile der Landespartei stehen wegen ihrer Positionen zu Israel und
Palästina und zum Antisemitismus schon seit Längerem immer wieder in der
Kritik. Für Wirbel sorgte zuletzt eine Wahlparty der Linken in Neukölln,
bei der sowohl ein Oberhaupt eines arabischstämmigen und zum Teil
kriminellen Clans als auch ein umstrittener propalästinensischer Aktivist
anwesend waren. Der Linke-Bundestagsabgeordnete aus Neukölln, [3][Ferat
Koçak steht unter Druck, weil er freundschaftliche Chatnachrichten mit
einem Sohn einer dem Clan-Milieu zugeordneten Großfamilie austauschte.]
Die Linke-Parteiführung hatte angesichts heftiger Kritik nach der Wahl
mehrfach klargestellt, dass sie sich zum Existenzrecht Israels und zum
Schutz jüdischen Lebens bekenne – und auch keine Nähe zur organisierten
Kriminalität bestehe. Womöglich geht die Linke auch noch gegen weitere
Politiker rechtlich vor, offiziell äußerte sie sich dazu nicht.
29 Sep 2026
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