# taz.de -- CDU-Gedankenspiel zu Koalition mit AfD: Die Strohmann-Frage
> Bremens CDU-Landeschef teilt gegen die Linke aus – und bringt dabei eine
> Koalition der CDU mit der AfD ins Spiel. Inhaltlich passe vieles.
(IMG) Bild: Spekuliert mal so rum: Bremens CDU-Landeschef Heiko Strohmann
„Des sonn die Oantifanten, diese …!“, der Mann vor der Bremer
CDU-Parteizentrale spricht ins Telefon, er echauffiert sich. „Da hoam se
’nen Dreck abglassen, üaberoall!“ Tatsächlich: Auf dem Gehweg und auf den
paar Stufen hoch zum Jörg Kastendiek Haus liegen ein paar Dreckhäufchen,
Pferdemist ist es, wenn man genauer hinschaut. „CDU, du Haufen braune
Scheiße“, steht auf einem Banner.
Die „Oantifanten“ sind ein paar Aktivist*innen von der
Interventionistischen Linken, die mit dem Pferdemist noch einmal an die
Landtagspräsidentenwahl in Sachsen-Anhalt erinnern wollen, bei der ein
rechter Landtagspräsident mutmaßlich auch mit Stimmen der CDU zum
Landtagspräsidenten gewählt wurde. „Es ist nicht das erste Mal, dass
Konservative Faschist*innen zur Macht verhelfen und zusammenarbeiten“,
sagt die Aktivistin Ann-Frede Ammers.
Der Bremer Landesparteichef der CDU und stellvertretende
Fraktionsvorsitzende Heiko Strohmann setzt sich auch gerade kritisch mit
politischer Zusammenarbeit auseinander. In einem Gastkommentar des
populistischen Blogs Bremen so gesehen arbeitet er sich an den
Koalitionsgesprächen in Berlin ab – und entwirft gleichzeitig
Gedankenspiele einer möglichen Zusammenarbeit zwischen CDU und AfD in
Sachsen-Anhalt.
Strohmann, so schreibt er es selbst, stellt dabei vor allem Fragen. Diese
hier zum Beispiel: „Ich frage mich, was es für unsere politische Kultur
bedeuten würde, wenn die CDU in Sachsen-Anhalt denselben Weg einschlagen
würde wie die SPD in Berlin.“ Er bezieht sich dabei auf die Berliner
Erklärung – als [1][Vorbedingungen zu Koalitionsgesprächen] hatten SPD und
Grüne von der Linken ein Bekenntnis gegen Antisemitismus, zur
Rechtsstaatlichkeit und zum Existenzrecht Israels eingefordert.
## Was wäre, wenn
„Die SPD geht offenbar davon aus, dass eine solche Vereinbarung eine
ausreichende Grundlage für weitere Gespräche sein kann“, schreibt
Strohmann. „Was aber wäre“, fragt er weiter, „wenn die CDU in
Sachsen-Anhalt nach demselben Prinzip handeln würde?“
Und er führt aus: „Was wäre, wenn – im theoretischen Fall – CDU, AfD und
FDP zunächst ihre programmatischen Gemeinsamkeiten feststellten und
anschließend eine Vereinbarung über Demokratie, Rechtsstaatlichkeit,
Menschenwürde und die Abgrenzung gegenüber extremistischen Bestrebungen
unterzeichneten?“
Keinesfalls wolle er die Linke mit der AfD gleichsetzen, schreibt Strohmann
an einer Stelle, auch die einzelnen Vorwürfe gegen die Parteien seien nicht
zu vergleichen. Dass Linke und AfD in der Öffentlichkeit nicht gleich
behandelt werden, irritiert ihn aber offensichtlich: Würde die CDU eine
Vereinbarung mit der AfD in Sachsen-Anhalt treffen, so würde das wohl
öffentlich kaum so akzeptiert wie nun bei der SPD, impliziert er.
Neben der Aufwärmung der Hufeisen-Theorie und einer zumindest impliziten
Gleichsetzung von AfD und Linken hat der Text noch eine andere Ebene:
Zumindest gespielt wird hier mit dem Gedanken, eine ähnliche Vereinbarung
zwischen CDU und AfD zu schließen. Man kann aber an einigen Stellen
herauslesen, dass Strohmann eine solche Zusammenarbeit am Ende ablehnen
würde.
So sehe er „erhebliche Unterschiede“ zwischen der AfD und seiner eigenen
Partei, insbesondere „beim Verständnis demokratischer Institutionen, beim
Umgang mit dem Verfassungsschutz, in der Europapolitik und im Umgang mit
extremistischen Positionen“.
Aber: Auch wenn „fundamentale demokratische Prinzipien“ nicht „zu bloßen
Verhandlungsgegenständen werden“ dürften, hält er fest: „Eine Demokratie
muss politische Veränderungen und neue Mehrheitsbildungen aushalten
können.“
## „Programmatische Überschneidungen“ mit der AfD
Inhaltlich sieht Strohmann durchaus Potenzial: Die „Grundlage für Gespräche
wäre auf verschiedenen Politikfeldern durchaus vorhanden“, schreibt der
Bremer Landesvorsitzende: In der Wirtschafts- und Finanzpolitik, beim
Bürokratieabbau, in der Bildungspolitik, bei der inneren Sicherheit und
teilweise auch in der Migrationspolitik gebe es „programmatische
Überschneidungen“.
Die beispielhaft genannten Politikfelder sind interessant gewählt. In
Sachsen-Anhalt steht die AfD in der Wirtschafts- und Finanzpolitik für
einen Ausstieg aus dem Euro und für den Bezug von russischem Gas.
„Bürokratieabbau“ heißt im Wahlprogramm der AfD auch, dass die Verwaltungen
im Land pauschal um zehn Prozent verkleinert werden sollten.
In der Bildungspolitik hat die AfD angekündigt, die [2][Schulpflicht
aussetzen zu wollen] und die politische Bildung zu kürzen. Und in der
Migrationspolitik nutzt der Landesverband offen den Kampfbegriff
„Remigration“ für sich.
Heiko Strohmann will am Donnerstag oder auch Freitag nicht mit der taz über
den Text sprechen. „Für ein erläuterndes Gespräch sieht er auch
hinsichtlich seines Terminkalenders keinen Anlass“, schreibt die
Pressestelle der Partei.
15 Oct 2026
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## AUTOREN
(DIR) Lotta Drügemöller
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