# taz.de -- Antisemitismus-Debatte im Wahlkampf: „Dann ist es vorbei, ganz einfach“
> Bei einer Diskussion bei der Jüdischen Gemeinde über Antisemitismus
> stellen SPD und Grüne Bedingungen für eine Koalition mit der Linkspartei.
(IMG) Bild: Werner Graf (Grüne, r.) lehnt ein Linksbündnis im Abgeordnetenhaus ab, das von Stimmen der Neuköllner Linkspartei abhängen würde
Die Spitzenkandidaten von SPD und Grünen, Steffen Krach und Werner Graf,
haben am Mittwoch in Sachen Antisemitismus Bedingungen für eine Koalition
mit der Linkspartei gestellt. „Ich werde keine Regierung bilden, die
abhängig ist vom Kreisverband Neukölln“, sagte Graf bei einer
Diskussionsrunde der Jüdischen Gemeinde zu diesem Thema mit Krach, Elif
Eralp (Linke) und Stefan Evers (CDU).
Bedeuten könnte das: Ein Linksbündnis müsste im Landesparlament auch ohne
die Stimmen der Neuköllner Linkspartei-Abgeordneten eine Mehrheit haben.
Nach jüngsten Umfragen könnte die Partei in dem Bezirk 3 bis 4 Mandate
gewinnen.
SPD-Spitzenkandidat Krach machte nicht das Verhalten von Neuköllner
Parteimitgliedern allgemein, sondern nur von Fraktionsmitgliedern zum
Maßstab. Wie die künftige Linksfraktion im Abgeordnetenhaus aussieht, ist
ihm zufolge bis zum Wahlabend offen. Die taz hatte hingegen jüngst
recherchiert, der Fraktion werde voraussichtlich [1][nur eine
kompromisslose Vertreterin des sogenannten Palästinaflügels] angehören.
Aus Krachs Sicht dürfen in der Fraktion antisemitisch eingestellte Kräfte
nicht in der Mehrheit sein. „Sonst kann es keine Zusammenarbeit geben“,
sagt der SPD-Spitzenkandidat. Er schaute auch auf die Zeit nach einem
möglichen Koalitionsabschluss: Wenn es in den Fraktionen antisemitische
Vorfälle gebe, „dann ist es vorbei“.
## Mehr Befragung als Diskussionsrunde
Der Termin am Mittwochmorgen mutet wie ein Showdown bei einem Thema an, das
spätestens seit den [2][als antisemitisch eingestuften Äußerungen eines
Rappers] bei einer Veranstaltung der Neuköllner Linken Ende August den
Wahlkampf prägt. Die Spitzenkandidaten treffen diesmal nicht bei Verdi, bei
der Berliner Wirtschaft oder einem Bildungsverband zusammen, sondern sind
von der Jüdischen Gemeinde eingeladen.
Vor dem Publikum sitzen sie nicht in einem eher nüchternen Tagungsraum,
sondern dort, wo das Gedenken an jüdisches Leid in Berlin so erfahrbar ist
wie kaum irgendwo in der Stadt: im historischen Repräsentantensaal unter
der Kuppel der 1938 von den Nazis abgefackelten damaligen Synagoge in der
Oranienburger Straße in Mitte, mit zwei Bildnissen des jüdischen Malers Max
Liebermann an den Wänden.
Es ist weniger eine Diskussionsrunde als eine Befragung durch den
Moderator, den [3][Journalisten Constantin Schreiber]. Der arbeitet sich
besonders an Linkspartei-Spitzenkandidatin Eralp ab, drängt sie zu
Festlegungen, nimmt ihr dabei aber auch manches Mal die Möglichkeit zu
differenzieren. Eralp hatte sich von dem Vorfall bei ihren Neuköllner
Parteifreunden distanziert.
An diesem Morgen im Centrum Judaicum sagt sie: „Die ganz große Mehrheit in
meiner Partei steht für den Schutz jüdischen Lebens.“ Und sie verweist auf
[4][den von ihr vorgestellten 5-Punkte-Plan] zum Schutz jüdischen Lebens.
Dem mag Steffen Krach nicht viel abgewinnen. Der spricht mit Blick auf den
Neuköllner Vorfall „von diesem widerlichen Rapper“ und hält Eralp vor: „Ich
sehe bisher keine Konsequenzen.“ Die SPD in Neukölln hingegen habe
beschlossen, dass es in der künftigen Bezirksverordnetenversammlung keine
Stimme von ihr für den Bürgermeisterkandidaten der Linkspartei geben werde.
## Vereinsvorstand äußert sich frustriert
Eingebettet ist all das in Schilderungen eines von Antisemitismus geprägten
jüdischen Alltags in Berlin. Still ist es im Raum, als zum Ende des Termins
ein Vorstandsmitglied des jüdischen Sportvereins Makkabi beschreibt, dass
jüdische Kitas Polizeischutz hätten, dass die jüdische Schule aussehe „wie
Fort Knox“ (das Lager der US-Goldreserven) und welche Unruhe bei Eltern ein
Auswärtsspiel in Neukölln auslöse.
„Ich kann das nicht mehr hören“, sagt der Makkabi-Vertreter zu den Aussagen
der Spitzenkandidaten auf dem Podium vor ihm. Er verweist auf
Politikerbesuche an Gedenktagen, erwähnt Dialogräume und 5-Punkte-Pläne und
meint über deren Wirksamkeit: „Das ist alles gar nichts.“
9 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Berlins-Linke-und-Nahost/!6209189
(DIR) [2] /Nahostkonflikt-und-Linke-in-Berlin/!6208815
(DIR) [3] /Die-neue-Beziehung-zwischen-Constantin-Schreiber-und-dem-Springer-Verlag/!6090859
(DIR) [4] https://dielinke.berlin/aktuelles/news/juedisches-leben-in-berlin-staerken-und-schuetzen-ein-5-punkte-plan/
## AUTOREN
(DIR) Stefan Alberti
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