# taz.de -- Ermittlungen gegen Steffen Krach: Spende für erfolglose Einflussnahme?
       
       > Wegen Bestechungsvorwürfen wurde am Mittwoch die Wohnung von Steffen
       > Krach (SPD) durchsucht. Die Vorgeschichte in Hannover ist ziemlich
       > undurchsichtig.
       
 (IMG) Bild: Weist alle Vorwürfe zurück: Steffen Krach, Spitzenkandidat für die Wahl des Berliner Abgeordnetenhauses
       
       Als [1][Steffen Krach sich am Rand einer Wahlkampfveranstaltung in Berlin
       am Mittwochabend zu den aktuellen Vorwürfen äußert], ist er sichtlich
       durchgerüttelt. Offensichtlich ist für den Spitzenkandidaten der SPD zu
       diesem Zeitpunkt selbst noch nicht so richtig klar, was ihm eigentlich
       vorgeworfen wird. Er räumt ein, dass es eine Spende aus Hannover gegeben
       habe und zwar knapp unter 10.000 Euro, der Grenze zur
       Veröffentlichungspflicht. Er habe sie aber umgehend zurückgewiesen, sagt
       Krach. Also viel Lärm um nichts?
       
       Die Vorgeschichte in Hannover ist einigermaßen verwickelt und
       undurchsichtig. Als Regionspräsident – eine Art Landrat mit sehr viel Macht
       – war Krach auch Aufsichtsrat des Klinikverbundes (KRH), in dem neun
       kommunale Krankenhäuser zusammengespannt wurden.
       
       Eines dieser Krankenhäuser musste nach langen, hitzigen Debatten schließen:
       das Krankenhaus in Lehrte. An seiner Stelle sollte ein Regionales
       Gesundheitszentrum entstehen – also eine Art Poliklinik, halb ambulant,
       halb stationär mit verschiedenen Fachärzten, einigen Betten, geteilten
       medizinischen Einrichtungen wie Labor und OP. Und rundherum auf dem
       weiteren Gelände des alten Klinikums ein „Gesundheitscampus“ mit weiteren
       Angeboten, auch aus der Pflege. Dafür gab es Ende 2025 zunächst ein
       sogenanntes Interessenbekundungsverfahren und dann ein Bieterverfahren
       unter der Regie des KRH und der Stadt Lehrte.
       
       ## Vehementer Einsatz für den Bieter aus Burgdorf
       
       Insider berichten, man habe sich gewundert, dass Krach sich darin so
       vehement für das Angebot der G&W Vermögensverwaltung ausgesprochen habe.
       Die Unternehmensgruppe gehört einem Geschäftsmann, der seit bald 20 Jahren
       als Pflegeunternehmer in Burgdorf bei Hannover tätig ist.
       
       Er unterhält mehrere Pflegeheime, einen ambulanten Pflegedienst und eine
       Pflegeschule für ausländische Fachkräfte. Außerdem mischt er mit diversen
       Tochterunternehmen in der lokalen Immobilienwirtschaft mit. Er war
       allerdings in den vergangenen Jahren auch mit diversen großspurigen
       Ankündigungen aufgefallen, aus denen letztlich nichts wurde. So wollte er
       beispielsweise ins Wasserstoffgeschäft einsteigen und die Regiobusse,
       ebenfalls ein Tochterunternehmen der Region Hannover, betanken.
       
       In der Lokalpresse erzählte er in der Vergangenheit auch gerne, dass er
       seine mehr als zehn Unternehmen – zu denen seinen damaligen Angaben zufolge
       auch eine Softwarefirma in Indien und Produktionsstätten in Polen gehören
       sollten – am liebsten von zu Hause aus leite und dafür weder Büro noch
       Sekretärin brauche.
       
       Mancher traute ihm wohl auch deshalb ein politisch so hochsensibles Projekt
       nicht zu. Krach betont hingegen, er habe das Konzept überzeugend gefunden.
       Vor allem, weil es eine Kooperation mit den Wahrendorff-Kliniken umfasste,
       die vor Ort die psychiatrische Versorgung übernehmen sollten, ein höheres
       Investitionsvolumen und Garantien für das regionale Gesundheitszentrum.
       
       G&W beklagte damals, das Verfahren sei voreingenommen und es sei von
       vorneherein klar gewesen, dass die Hahne Group aus Garbsen den Zuschlag
       erhalten sollte. Tatsächlich unterlag das von Krach favorisierte Konzept am
       Ende. Beschwerden gegen das Vergabeverfahren zog G&W allerdings zurück, als
       dem Unternehmer selbst eine Anzeige ins Haus flatterte.
       
       ## Hatte ein Bieter Zugang zu internen Informationen?
       
       Einem früheren Bericht der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung zufolge hatte
       das KRH Anzeige erstattet, weil G&W zu einem sehr späten Zeitpunkt im
       Verfahren sein Angebot noch einmal deutlich nachgebessert hatte. Daraus
       entstand der Verdacht, der Bieter habe Zugriff auf interne Informationen
       gehabt.
       
       Im Zuge dieser Korruptionsermittlungen waren im Mai 2026 Privat- und
       Geschäftsräume des Unternehmers durchsucht worden. Nun wird spekuliert,
       dass sich bei der Auswertung der damals beschlagnahmten Datenträger
       möglicherweise Hinweise auf Krach ergeben hätten. Krach erklärt, es habe
       nie einen persönlichen Kontakt oder eine direkte Kommunikation gegeben. Die
       Staatsanwaltschaft Hannover hält sich aber aus „ermittlungstaktischen
       Gründen“ weiterhin bedeckt und gibt weder Auskunft zu den Vorwürfen noch
       zum Stand des Verfahrens.
       
       Auch wenn der Zeitpunkt der Durchsuchung [2][zehn Tage vor der Berlin-Wahl]
       ausgesprochen heikel erscheint: Der Abwehrreflex, das Verfahren sei
       „politisch motiviert“, sticht in diesem Fall nicht. Denn die
       Justizministerin von Niedersachsen ist aus der SPD und auch die
       Staatsanwaltschaft Hannover gilt als SPD-dominiert. Gerade erst hatte es
       einen massiven Konflikt um die Neubesetzung der Leitung gegeben.
       
       Die CDU-Opposition hatte der rot-grünen Landesregierung vorgeworfen, einen
       SPD-Mann durchboxen zu wollen – obwohl dieser in den vergangenen Jahren im
       Kultusministerium gearbeitet hatte und für die Leitung der größten
       niedersächsischen Staatsanwaltschaft nicht genügend Erfahrung mitbringe.
       
       10 Sep 2026
       
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 (DIR) Nadine Conti
       
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