# taz.de -- Wahl in Sachsen-Anhalt: Sieg Unheil
       
       > Rechtsextreme gewinnen die Wahl in Sachsen-Anhalt. Die CDU ist weit
       > abgeschlagen, das BSW nimmt die Fünfprozenthürde. Eine Regierungsbildung
       > dürfte schwierig werden.
       
 (IMG) Bild: Ulrich Siegmund: Der Spitzenkandidat einer Partei, die vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft wird
       
       • In Sachsen-Anhalt ist ein neuer Landtag gewählt worden, rund 1,7
       Millionen waren stimmberechtigt. Die Wahlbeteiligung mit etwa 76 Prozent
       war höher als je zuvor in Sachsen-Anhalt.
       
       • Die rechtsextreme AfD gewinnt die Wahl. Die bisherige
       Deutschland-Koalition aus CDU, SPD und FDP ist klar abgewählt. Nach letzten
       Hochrechnungen schafft das BSW den Einzug in den Landtag. Eine
       Regierungsbildung dürfte damit äußerst schwierig werden. Die [1][Wahl in
       Grafiken].
       
       • Eine erste Demo zog bereits durch Magdeburg. Auf dem Magdeburger Domplatz
       ertönt: „Alle zusammen gegen den Faschismus.“ Am Abend versammelten sich
       auch hunderte Menschen in Berlin.
       
       ## 22.40 Uhr: BSW laut Hochrechnungen drin, Regierungsbildung völlig unklar
       
       taz | Nach den neusten Hochrechnungen von ARD und ZDF ist das BSW sicher im
       neuen Landtag vertreten. Beide Sender sehen das BSW bei 5,1 Prozent. Laut
       Landeswahlleitung sind mittlerweile fast 97 Prozent der Wahlkreise
       ausgezählt, so dass sich am Ergebnis kaum noch etwas ändern dürfte.
       
       Damit ist das Modell, dass der bisherige Ministerpräsident Sven Schulze
       (CDU) mit einer wie auch immer definierten Unterstützung von SPD, Grünen
       und auch der Linkspartei im Amt bleiben kann, vom Tisch. Denn selbst diese
       vier haben zusammen weniger Sitze als AfD und BSW. Bei einer Abstimmung im
       Landtag hätte Schulze keine Mehrheit.
       
       Die AfD betonte am Abend wiederholt ihren Anspruch, die Regierung zu
       stellen. Ulrich Siegmund spekuliert offenbar auf Überläufer aus anderen
       Parteien. Der rechtsextremen Partei fehlen drei Sitze zur abosluten
       Mehrheit. (ga)
       
       ## 21:45 Uhr: Demo in Berlin
       
       taz | Vor der Landesvertretung Sachsen-Anhalt nahe dem Bundestag trafen
       sich am Abend laut Angaben des Veranstalters 300-400 Menschen, um für ein
       AfD-Verbot zu demonstrieren. Die Kundgebung war von der Vereinigung der
       Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten
       organisiert worden. „An so einem Abend ist es ganz schwierig alleine zu
       hause zu sitzen“, sagt Cornelia Kerth, die Vorsitzende der Vereinigung.
       „Wir wollen ein Zeichen senden, dass dieses Wahlergebnis nicht das Ende des
       Antifaschismus bedeutet“. Auf der Kundgebung sprachen neben dem Bund der
       Antifaschistinnen auch Sprecherinnen vom Bündnis widersetzen. „Zwar sind
       wir alle erschüttert heute, aber unsere Stimmung bleibt entschlossen im
       Kampf gegen den Faschismus“, sagte Kerth. Begleitet wurde die Kundgebung
       von zwei rechten Streamern und einem großen Polizeiaufgebot. (ctt)
       
       ## 21:19 Uhr: Erinnerungen an rassistische Parolen auf Sylt
       
       taz | Bei der AfD-Wahlparty läuft ein Remix von Gigi d’Agostinos
       [2][„L’Amours toujours]“, der Ausländer-Raus-Hymne der AfD-Jugend.
       Währenddessen gibt Siegmund dem rechtsextremen Compact-Magazin Interviews.
       Auf seine Sicherheit achtet dabei ein glatzköpfiger Security-Mann, der auf
       der einen Seite seiner Glatze einen Totenkopf eintätowiert hat, auf der
       anderen Seite in Frakturschrift „Oldschool“. (gjo)
       
       ## 21:10 Uhr: Wer sind die AfD-Wähler:innen?
       
       taz | Laut infratest dimap gewann die AfD 50 Prozent der Stimmen aller
       wählenden Männer und 40 Prozent der wählenden Frauen. Auf Altersgruppen
       bezogen stimmten 42 Prozent der 18- bis 24-Jährigen für die rechtsextreme
       Partei, 44 Prozent der 25- bis 34-Jährigen, 53 Prozent der 35- bis
       44-Jährigen, 52 Prozent der 45- bis 59-Jährigen, 47 Prozent der 60- bis
       69-Jährigen und 31 Prozent der Menschen im Alter von 70 oder älter. Zudem
       zeigen die Analysen, dass die Zustimmung zur AfD am höchsten ist bei
       einfacher Bildung (57 Prozent), bei Arbeiter:innen (61 Prozent) und
       einer schlechten finanziellen Lage (65 Prozent). (efi)
       
       ## 21:05 Uhr: Grüße von der AfD-Spitze
       
       taz | Der AfD-Parteivorsitzende Tino Chrupalla bedankt sich auf der Bühne
       der AfD-Wahlparty im „Alten Theater“ [3][in Magdeburg beim reichen
       Großspender Winfried Stöcker] und lobt dann „unseren besten
       Wahlkampfunterstützer Friedrich Merz“, der die Ostdeutschen als Wutbürger
       beschimpft hätte. Merz Strategie im Umgang mit der AfD ist im wesentlich
       harte von Fakten entkoppelte Antimigrationspolitik, auch heute zeigte sich
       wieder, dass das beim Original einzahlt. Chrupalla streicht Merz und der
       Union das genüsslich aufs Brot: „Das Motto von Friedrich Merz war, die AfD
       zu halbieren. Das war für uns die Motivation zu sagen: Wir halbieren die
       CDU!“ Der Jubel über das erodierenden Parteiensystem folgt auf dem Fuß.
       (gjo)
       
       ## 21.23 Uhr: BSW robbt sich über die 5 Prozent-Marke
       
       taz | Das BSW ist auf gutem Weg, die 5-Prozent-Hürde zu knacken. Das ZDF,
       das die Wagenknecht-Partei am Abend länger knapp unter der Marke für den
       Einzug in den Landtag von Sachsen-Anhalt gesehen hat, notiert das BSW in
       der aktuellen Hochrechnung inzwischen bei glatt 5 Prozent. In der ARD ging
       es noch weiter hoch auf 5,1 Prozent. Zwei Drittel der Wahllokale sind
       ausgezählt. Bestätigt sich der Trend, ist die AfD zwar ein paar Stimmen
       weiter entfernt von der absoluten Mehrheit der Stimmen. Da das BSW aber
       bereits klargemacht hat, sich bei einer möglichen Wahl von Ulrich Siegmund
       zum Ministerpräsidenten der Stimme zu enthalten, könnte der Weg damit frei
       sein für den ersten Rechtsextremisten an der Spitze einer deutschen
       Regierung. (rru)
       
       🐾 Nah am totalen Sieg
       
       taz | Die AfD erzielt in Sachsen-Anhalt das stärkste Ergebnis einer
       rechtsextremen Partei seit 1945. Könnte sie nun auch an die Macht gelangen,
       fragt Gareth Joswig? [4][Er berichtet live aus Magdeburg.]
       
       ## 20.54 Uhr: Proteste gegen Wahlsieg der AfD in Berlin
       
       dpa | Am Abend der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt sind in Berlin mehrere
       Menschen gegen die AfD auf die Straße gegangen. Durch das Regierungsviertel
       zog ein Protestzug unter dem Motto „Demokratie verteidigen! – AfD Verbot
       jetzt!“ bis zur Landesvertretung Sachsen-Anhalt. Es seien Hunderte
       Demonstrantinnen und Demonstranten gekommen – im unteren dreistelligen
       Bereich, hieß es von der Polizei. Den Angaben zufolge blieb es ruhig. Unter
       dem Titel „NoAfD-Protest“ ist für den Montagabend dann eine größere
       Kundgebung am Brandenburger Tor angemeldet.
       
       🐾 Sachsen-Anhalt und die Berlin-Wahl: Ein Boost für die Linke – und die AfD
       
       taz | Reaktionen auf das Ergebnis in Sachsen-Anhalt sind für Berlin nur
       dann relevant, wenn dadurch ein Bündnis aus CDU, SPD und Grünen als
       Koalitionsalternative ausschiede, [5][sagt Stefan Alberti ]
       
       20.23 Uhr 🐾 taz talk zur Wahl 
       
       Wir liefern am Wahlabend erste Analysen aus Sachsen-Anhalt und sprechen mit
       unseren Korrespondent:innen und der Zivilgesellschaft. Wie schätzen
       sie die Ergebnisse ein und was bedeuten sie für ihre Arbeit? Die
       Zivilgesellschaft ist trotz zahlreicher Bedrohungen in den letzten Monaten
       zu Höchstform aufgelaufen, doch ihre Arbeit wäre durch eine
       Regierungsbeteiligung der AfD gefährdet. Wie gut ist sie darauf
       vorbereitet? Und wie kann man sie unterstützen oder selber aktiv werden?
       
       Unsere Gäste: 
       
       🐾 David Begrich ist Sozialwissenschaftler und Theologe sowie Mitarbeiter
       der Arbeitsstelle Rechtsextremismus bei Miteinander e.V. in Magdeburg. Er
       sagt, die AfD sei im Westen sozialisiert worden. Ihren
       gesellschaftspolitischen Resonanzraum aber habe sie im Osten gefunden.
       
       🐾 Robert Fietzke ist Sozialarbeiter für das Soziokulturelle Zentrum ZORA in
       Halberstadt und Mitglied des Stadtrats für Die Linke.
       
       🐾 Bettina Schlauraff ist Regionalbischöfin im Sprengel Magdeburg.
       
       ## 20.18 Uhr: Lydia Hüskens (FDP) tritt zurück
       
       dpa | Nach dem verpassten Wiedereinzug der FDP in den Magdeburger Landtag
       hat Sachsen-Anhalts FDP-Landesvorsitzende Lydia Hüskens ihren Rücktritt
       angekündigt. „Wir müssen jetzt morgen einfach schlicht darüber reden, wie
       wir es machen, ob wir es mit sofortiger Wirkung machen oder den
       Landesparteitag im April nehmen dafür, um da den Wechsel zu machen“, sagte
       sie der Deutschen Presse-Agentur.
       
       ## 20.11 Uhr Linke mit [6][Kurs auf zwei Direktmandate]
       
       taz | Während die Linke auf Landesebene deutliche Verluste hinnehmen muss,
       steuert sie in den beiden Großstädten Magdeburg und Halle auf einen Erfolg
       zu. In Magdeburg II und Halle III liegen derzeit ihre Direktkandidaten
       Mustafa Groener und Jannik Balint vorne. Groener liegt bei mehr als der
       Hälfte ausgezählter Wahlkreise bei 28 Prozent und damit 5 Prozentpunkte vor
       dem zweitplatzierten AfD-Kandidaten. Und in Halle ist der Linken-Vorsprung
       sogar noch deutlich größer: 40 Prozent für Jannik Balint, dahinter der
       AfD-Kandidat mit 19 Prozent. Beide Wahlkreise gingen zuletzt an die CDU.
       (dmn)
       
       🐾 Taktisch wählen wirkt – aber reicht es auch? 
       
       taz | Grüne und SPD haben bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt deutlich
       besser abgeschnitten als erwartet. Allerdings auf Kosten der CDU,
       [7][berichten aus Magdeburg David Muschenich und Tobias Schulze]
       
       ## 19:57 Uhr: Woher kommen die Stimmen für die AfD? 
       
       taz | Laut der Wählerwanderungsanalyse von infratest dimap setzten 83.000
       der vorherigen CDU-Wähler:innen nun ihr Kreuz bei der AfD. damit hätte
       diese Partei die meisten Stimmen an die AfD verloren. Zudem schwenkten
       19.000 der vormaligen FDP-Wähler:innen zur AfD um. Aber auch unter
       denjenigen, die bei der vergangenen Landtagswahl für linke Parteien
       gestimmt hatten, sind nun AfD-Wähler:innen: 11.000 ehemalige
       Linke-Wähler:innen, 7.000 ehemalige SPD-Wähler:innen und 2.000 ehemalige
       Grünen-Wähler:innen konnte die rechtsextreme Partei für sich gewinnen. Den
       meisten Zulauf bekam sie allerdings von Nichtwählenden: 157.000 an der
       Zahl. An das BSW verlor die AfD hingegen 2.000 Wählerstimmen. (efi)
       
       ## 19:55 Uhr: Rechtsextreme in MV sehen „Rückenwind“
       
       dpa/taz | Der Spitzenkandidat der AfD in Mecklenburg-Vorpommern, Leif-Erik
       Holm, hat den Sieg seiner Partei bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt als
       Zeitenwende bezeichnet. „Uns in Mecklenburg-Vorpommern gibt dieser
       grandiose Erfolg richtig Rückenwind für die letzten zwei Wahlkampfwochen“,
       sagte Holm, der zum Wahltag nach Magdeburg gefahren war. Die blaue Welle
       werde nun von Magdeburg nach Schwerin weiter schwappen, prognostizierte er.
       Er wolle das „rot-rote Regierungsdesaster“ unter Ministerpräsidentin
       Manuela Schwesig beenden, kündigte er an. In MV wird am 20. September ein
       neuer Landtag gewählt. In jüngsten Umfragen liegt die extreme Rechte auch
       in Mecklenburg-Vorpommern vorn, stagniert aber bei 35 Prozent. Dagegen hat
       die SPD zuletzt stark aufgeholt, sie käme aktuell auf 32 Prozent. Der CDU,
       die gerade in Sachsen-Anhalt eine krachende Niederlage eingefahren hat,
       droht in zwei Wochen das nächste Desaster. In Umfragen liegt sie bei 8
       Prozent. (rru)
       
       ## 19.40 Uhr: Schulze sucht Schuldige
       
       taz | CDU-Ministerpräsident Sven Schulze macht auch die „Taktisch
       wählen“-Kampagnen für das katastrophale Abschneiden seiner Partei bei der
       Landtagswahl verantwortlich. Das habe eine Rolle gespielt, sagte er im ZDF.
       Zugleich gestand er ein, dass es der CDU bis vor ein paar Wochen „nicht so
       richtig gelungen“ sei, die Differenzen zwischen Landes- und Bundesthemen
       nach vorn zu stellen. Auf die Frage, ob er sich von der Linken tolerieren
       lassen würde, erklärte er, eine Antwort hierauf sei jetzt noch „zu früh“.
       In der aktuellen ZDF-Hochrechnung liegt die CDU bei 18,2 Prozent, minus
       18,9 Prozentpunkte gegenüber der Wahl 2021. (rru)
       
       ## 19:28 Uhr: Jubel bei der SPD
       
       taz | Bei der Wahlparty der SPD trifft Spitzenkandidat Armin Willingmann
       ein. Die Genoss:innen empfangen ihn mit Jubelrufen und Standing Ovation.
       Sie bilden eine Menschentraube, verstummen, als erwarteten sie eine
       Ansprache. Doch er wendet sich nur einem TV-Team zu. Langsam verteilen sich
       die SPD-Leute wieder. (dmn)
       
       🐾 Eine Zäsur auch ohne absolute Mehrheit
       
       taz | Nach dem deutlichen Votum für die AfD in Sachsen-Anhalt braucht es
       andere, neue Antworten. Demokratische Kräfte müssen jetzt zusammenhalten,
       [8][kommentiert taz-Chefredakteurin Katrin Gottschalk].
       
       ## 19.14 Uhr: So viele Wahlbeobachter wie nie
       
       taz | Die Briefwahlauszählung in Magdeburg wird zentral in der Berufsschule
       Otto von Guericke und einem Gebäude der Magdeburger Universität
       organisiert. Wahlhelfer:innen, die das nicht zum ersten Mal machen,
       berichten davon, dass es noch nie so viele Wahlbeobachter:inne gab.
       In manchen Räumen sind gleich mehrere, sie gehen umher und machen sich
       Notizen. Der rechtsradikale Verein „Ein Prozent“ hatte auf X sogar noch mal
       nach Verstärkung verlangt. Die Erzählung des Wahlbetrugs bei der Briefwahl
       ist bei Rechten beliebt. (cd)
       
       🐾 Eimerweise rosa Briefe
       
       taz | Vor der Wahl schürt die AfD in Sachsen-Anhalt Zweifel an der
       Briefwahl und warnt vor möglichem Betrug. In Magdeburg treffen Wahlhelfer
       auf rechte Wahlbeobachter. Clara Dünkler [9][hat die Briefwahl für die taz
       beobachtet].
       
       ## 19.09 Uhr: BSW und AfD in trauter Einigkeit
       
       taz | Nach dem Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt erklärt
       BSW-Spitzenkandidatin Claudia Wittig in der ARD, dass es „völlig
       undemokratisch“ sei, die extreme Rechte nicht an der Regierung zu
       beteiligen. Die Wagenknecht-Partei bereite sich jedenfalls auf eine
       Zusammenarbeit vor: „Es gibt natürlich Projekte, die wir uns mit der AfD
       sehr gut zusammen vorstellen können“, sagt Wittig, freundlich lächelnd
       neben AfD-Chefin Alice Weidel. Die macht schon mal klar: „Wir unterhalten
       uns mit jeder vernünftigen Partei.“ Womit das BSW gemeint ist. Das ZDF
       sieht das BSW auch in der aktuellen Hochrechnung weiter bei 4,8 Prozent,
       die ARD weiter bei 5 Prozent (rru)
       
       ## 18.50 Uhr: Sorgenfalten trotz Rekordergebnis
       
       taz | Auf der Wahlparty der Grünen in Magdeburg ist mittlerweile das Buffet
       eröffnet. Als wenige Minuten nach 18 Uhr auf der TV-Leinwand
       AfD-Spitzenkandidat Siegmund im ARD-Interview erschienen war, hatte die
       Veranstaltungsregie den Ton runtergedreht. Im nächsten Moment kam der
       Bundesvorsitzende Felix Banaszak auf die Bühne und sprach unter Jubel vom
       „wahrscheinlich besten Wahlergebnis aller Zeiten“ sprach. Gleich danach
       fügte er mit Blick auf das Gesamtergebnis aber hinzu: „Es werden mindestens
       zwei Herzen in eurer Brust schlagen. Wir müssen auch dem Herzen Raum geben,
       das voller Angst ist.“ (tsc)
       
       ## 18.46 Uhr: Kubicki: „Bitterer Tag für mich“
       
       taz | FDP-Bundeschef Wolfgang Kubicki tritt in Berlin sichtlich zerknirscht
       vor die Kameras. „Das ist ein bitterer Tag für die gesamte Partei und es
       ist auch ein bitterer Tag für mich“, sagt der 74-Jährige, der erst seit Mai
       im Amt ist. Er hätte sich ein anderes Ergebnis gewünscht. „Aber Wünsche
       erfüllen sich nicht regelmäßig.“ Die aktuelle Hochrechnung des ZDF sieht
       die FDP in Sachsen-Anhalt draußen.
       
       Kubicki hatte noch vor ein paar Tagen auf über 5 Prozent gehofft. Am
       Sonntag gibt er die Parole aus, jetzt optimistisch nach vorn schauen zu
       müssen: „Das wird uns als Freie Demokraten nicht auf unserem Weg abhalten.“
       Zuletzt wünscht er der Presse noch „viel Spaß“. (rru)
       
       ## 18.45 Uhr: Die Wahlbeteiligung nützt vor allem der AfD
       
       rtr | Von der außergewöhnlich hohen Wahlbeteiligung in Sachsen-Anhalt
       profitiert vor ‌allem die AfD. Nach einer Analyse der ARD wählten
       Wahlberechtigte, die bei der letzten Landtagswahl nicht zur Urne gegangen
       waren, vor allem die AfD. Rund 157.000 Stimmen gewann die Partei so hinzu.
       Weitere 83.000 Stimmen wanderten von der CDU zur AfD. Die Wahlbeteiligung
       lag dem ZDF zufolge bei 80 Prozent und damit deutlich über den 60,3 Prozent
       bei der letzten Landtagswahl 2021.
       
       18.32 Uhr: Hochrechnungen sehen AfD weit vorn, aber ohne absolute Mehrheit
       
       taz | Die ersten Hochrechnungen von ARD und ZDF sind da. Demnach kommt die
       rechtsextreme AfD auf 44,1 bis 44,5 Prozent. Die CDU stürzt auf
       katastrophale 18,5 Prozent ab. Die Linke verliert und liegt bei 9,2 bis 9,4
       Prozent. SPD und Grüne kämpfen jeweils um Platz 4. Die
       Sozialdemokrat:innen werden zwischen 8,2 und 8,8 Prozent gesehen,
       die Grünen zwischen 8,7 und 8,9 Prozent. Das BSW kippelt weiter, die ARD
       sieht die Wagenknecht-Partei bei genau 5 Prozent, das ZDF knapp darunter
       bei 4,8 Prozent. Sicher ist aber eines: Die FDP ist raus. Die AfD hätte
       keine absolute Mehrheit. (rru)
       
       18.30 Uhr: Sven Schulze gratuliert AfD
       
       rtr | Ministerpräsident und CDU-Chef ‌Sven Schulze hat die Niederlage der
       CDU eingestanden und der AfD zum Wahlsieg gratuliert. Schulze lässt in der
       ARD offen, wie er und die CDU weiter vorgehen werden. Er betont aber, dass
       dies kein „schwarzer Tag“ für Sachsen-Anhalt sei. „Ich sage, das ist
       Demokratie und die Menschen sind heute zur Wahl gegangen“, sagt er. „Es
       gilt jetzt für diejenigen, die im Landtag Verantwortung tragen, aber auch
       darüber hinaus über Sachsen-Anhalt, dass man damit umgeht und dass man
       dieses Zeichen auch erkennt.“
       
       ## 18.28 Uhr: CDU-Generalsekretärin schließt bundespolitische Konsequenzen
       aus
       
       afp | CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann hat bundespolitische
       Konsequenzen aus der Niederlage der CDU bei der Landtagswahl in
       Sachsen-Anhalt ausgeschlossen. Es beginne nun keine Diskussion über
       Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und die Bundesregierung, sagte
       Hoppermann am Sonntag in der ARD. „Die Bundesregierung und der deutsche
       Bundestag sind für vier Jahre gewählt“, dies habe in Sachsen-Anhalt nicht
       zur Debatte gestanden.
       
       Hoppermann räumte die Niederlage der CDU ein, die nach den ersten Prognosen
       ihr historisch schlechtestes Ergebnis geholt hat. „Das ist eine Niederlage
       insgesamt für die Christdemokraten“, sagte die CDU-Generalsekretärin. Eine
       Koalition mit der AfD, die mit Abstand stärkste Kraft werden wird, schloss
       Hoppermann kategorisch aus. „Wir arbeiten nicht mit Extremen und vor allem
       Dingen nicht mit Rechtsextremen zusammen.“
       
       18.18 Uhr: Schockstarre auf dem Magdeburger Domplatz
       
       taz | Eine bedrohliche Sirene. Das ist es, was man als erstes hört, als die
       ersten Wahlprognosen über die Handys der etwa 400 Leute laufen, die sich in
       Magdeburg auf dem Domplatz zur Kundgebung des zivilgesellschaftliches
       Bündnisses Sachsen-Anhalt Weltoffen versammelt haben. Die Sirene ertönt aus
       dem umgerüsteten Demofahrzeug des Zentrums für politische Schönheit. Aus
       diesem dampft auch Rauch.
       
       Erst einmal passiert fast gar nichts. Geschockt halten einige sich die Hand
       vor dem Mund, können die erste Prognose kaum glauben. 44 Prozent für die
       AfD, der nur ein Sitz bis zur absoluten Mehrheit fehlen soll – das ist noch
       schlimmer, als es viele hier erwartet haben. Es dauert fünf Minuten, bis
       zum ersten Mal „Alle zusammen gegen den Faschismus“ gerufen wird. (tk)
       
       18.13 Uhr: Wahlbriefe werden geöffnet
       
       taz | Im Briefwahllokal werden Punkt 18 Uhr die noch geschlossenen Briefe
       mit den Stimmzetteln auf den Tisch gekippt. Die ersten werden nun geöffnet.
       Eine Wahlbeobachterin will wissen, ob sie eine Frage stellen darf.
       Eigentlich nicht, die Wahlhelfer:innen müssen ungestört sein. Sie
       stellt die Frage aber trotzdem: „Woher wissen Sie, dass Sie keine von den
       doppelten Wahlbriefen haben?“, fragt die Frau. Das wurde schon vorher
       geprüft, antwortet die Wahlhelferin doch. Der hier ausgezählte Wahlkreis
       war nicht von den doppelt ausgegebenen Briefwahlunterlagen betroffen.
       Magdeburg hatte die 440 doppelt verschickten bereits vorher als ungültig
       erklärt und entsprechend neu ausgegeben. (cd)
       
       ## 18.12 Uhr: Fassungslosigkeit bei der CDU
       
       taz | Fassungslosigkeit macht sich im Hotel Maritim in Magdeburg breit, als
       die erste Prognose auf dem großen Screen auftaucht. Betretene Gesichter,
       lautes Ausatmen, ein Schluck vom Bier – so reagieren die
       Christdemokrat:innen, die hier im Hotel Maritim in Magdeburg zu dem
       zusammen gekommen sind, was man gemeinhin Wahlparty nennt. Doch von
       Partystimmung ist die CDU Lichtjahre entfernt. Schockstarre trifft es
       deutlich besser.
       
       18, 5 Prozent werden da in der ersten Prognose für die eigene Partei
       verzeichnet, 44 Prozent für die AfD. Die rechtsextreme Partei, so wird im
       ZDF vorgerechnet, fehlt nur noch ein Sitz zur absoluten Mehrheit. „Ich bin
       sprachlos“, sagt eine Frau. Sie hatte mit einem schlechtem Ergebnis
       gerechnet, aber so schlecht nicht. „Die Wähler wollen es nicht anders“,
       sagt ein Mann fassungslos. Er hat sich im Wahlkampf mächtig engagiert,
       manchmal Samstag um 8 Uhr morgens vor dem Bäcker schon Flyer verteilt. Und
       jetzt das. (sam)
       
       18.01 Uhr: Rechtsextreme gewinnen Landtagswahl
       
       taz | Die ersten Prognosen nach Schließung der Wahllokale bestätigen den
       erwarteten Wahlsieg der Rechtsextremen in Sachsen-Anhalt. Die AfD um
       Spitzenkandidat Ulrich Siegmund kommt laut ZDF auf 44 Prozent der Stimmen.
       Die ARD sieht die AfD bei 44,5 Prozent. Siegmunds Ziel war „45 Prozent plus
       X“. So oder so verzeichnet die in Sachsen-Anhalt gesichert rechtsextreme
       Partei einen massiven Zuwachs gegenüber der Wahl 2021, als die AfD auf 20,8
       kam.
       
       Weit abgeschlagen hinter der AfD folgt die CDU von Ministerpräsident Sven
       Schulze. ZDF und ARD sehen die CDU bei 18,5 Prozent. Ein Absturz
       sondergleichen: 2021 holte die CDU noch 37,1 Prozent.
       
       Die Linke schwächelt und liegt im ZDF bei 9 Prozent, in der ARD bei 9,5
       Prozent (2021: 11 Prozent). Die SPD kommt auf 9 Prozent (ZDF) bzw. 8
       Prozent (ARD) ab, bleibt damit sicher im Landtag (2021: 8,4 Prozent).
       
       Gleiches gilt für die Grünen, die ordentlich dazugewinnen. In der Prognose
       werden sie auf 8,5 Prozent (ZDF) beziehungsweise 9 Prozent (ARD) taxiert
       (2021: 5,9 Prozent).
       
       Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW), das als einzige aller Parteien
       angekündigt hat, im Falle eines Einzugs ins Parlament mit der AfD
       zusammenarbeiten zu wollen, muss zittern. Das BSW kommt in der Prognose auf
       4,8 Prozent (ZDF) beziehungsweise 5 Prozent (ARD).
       
       Die in Magdeburg bislang noch mitregierende FDP ist dagegen mit
       prognostizierten Werten zwischen 2,5 Prozent (ZDF) und 2 Prozent (ARD)
       sicher raus (2021: 6,4 Prozent). Der Absturz der Liberalen geht damit
       weiter. Sie verlieren nicht nur eine weitere parlamentarische Repräsentanz,
       sondern auch die letzte deutsche Regierungsbeteiligung. (rru)
       
       17.30 Uhr: Bangen bei der CDU
       
       taz | Maritim-Hotel, Magdeburg. Auf der CDU-Wahlparty trudeln langsam die
       Leute ein, noch sind mehr Journalist:innen als Parteimitglieder vor
       Ort. „Angespannt“ sei die Stimmung, sagt ein Chrstdemokrat. Gegen 18.15 Uhr
       wird hier Sven Schulze erwartet, der CDU-Ministerpräsident. (sam)
       
       ## 17.21 Uhr: SPD-Buffet in der Zauberküche
       
       taz | Die SPD-Wahlparty steigt in der „Zauberküche“ in Magdeburg. Ein
       kleines Buffet ist angerichtet. Die ersten Kandidat:innen trudeln ein.
       Händeschütteln hier, Lachen da. Die Gespräche eiern um die Wahl herum. Ob
       die hohe Wahlbeteiligung ein gutes Zeichen ist? Die Briefstimmen seien es
       bestimmt. Es fallen Witze über den langen Wahlkampf. Ansonsten warten alle
       auf die erste Prognose. (dmn)
       
       ## 17.01 Uhr: Bischof mahnt, „dem nationalistischen Ungeist zu widerstehen“
       
       epd | Der katholische Bischof von Magdeburg, Gerhard Feige, hat anlässlich
       der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt zu gesellschaftlicher Verantwortung und
       einem menschenfreundlichen Miteinander aufgerufen. In seiner Predigt zur
       Bistumswallfahrt auf dem Gelände des Klosters Huysburg bei Halberstadt
       warnte Feige am Sonntagvormittag vor einem gesellschaftlichen Klima, in dem
       Vorurteile, Abgrenzungen und Eigeninteressen zunähmen: „Gegenwärtig heißt
       das wohl in besonderer Weise, dem nationalistischen und fremdenfeindlichen
       Ungeist zu widerstehen“, sagte er. An der Wallfahrt beteiligten sich am
       Sonntag nach Angaben des Bistums rund 3.000 Menschen. Sie stand unter dem
       Motto „Du sollst ein Segen sein!“.
       
       16.35 Uhr: Rekordbeteiligung wird erreicht
       
       rtr | Die Wahlbeteilung bei der Landtagswahl liegt um 16.00 Uhr bei 65,3
       Prozent und damit deutlich höher als bei der Wahl 2021. Damals hatte die
       ‌Beteiligung zum gleichen Zeitpunkt 41 Prozent betragen. Nur 1998 war die
       Wahlbeteiligung insgesamt mit 71,7 Prozent höher. Absehbar dürfte auch
       diese Marke gerissen werden: Diese Zahlen beinhalten noch nicht einmal die
       Briefwähler. Die insgesamt rund 2.130 Wahllokale im Land haben noch bis
       18.00 Uhr geöffnet.
       
       🐾 Ein Dorf vor der Wahl
       
       Was macht es mit einem Ort, wenn Nachbarn nicht mehr miteinander reden
       können, weil die eine Hälfte AfD wählt und die andere angstvoll schweigt?
       Eine lesenswerte Reportage von einem Heimatbesuch in Eimersleben im
       Landkreis Börde in Sachsen-Anhalt [10][von taz-Autorin Juliane Baxmann].
       
       16.00 Uhr: „Kein Bock auf diese braune Scheiße“
       
       taz | Vor dem Landtag auf dem Domplatz in Magdeburg, wo abends eine
       Kundgebung des breiten zivilgesellschaftlichen Bündnisses Sachsen-Anhalt
       weltoffen stattfindet, wird kräftig gewerkelt. Etwa zwei Dutzend Menschen
       kriechen auf dem Boden, um bunte Papiere aneinanderzureihen und mit Steinen
       auf dem Boden zu befestigen. Daraus soll einmal ein riesiger Schriftzug
       „Wir bleiben bunt“ werden. „Einfach um zu zeigen, wir haben kein’ Bock auf
       diese braune Scheiße. Wir wollen Diversität, wir wollen so leben“, erklärt
       eine Frau mit Dreadlocks lachend. „Egal wie die Wahl ausgeht!“, bekräftigt
       sie noch einmal. (tk)
       
       15.35 Uhr: Dogmatische Linke beklagen „taktisches Wählen“
       
       taz | Auf der vergeblichen Suche nach linken Krawallen, die rechte Medien
       seit Wochen an die Wand malen, belagert die geballte Ansammlung rechter
       Streamer:innen etwa 50 junge Aktivist:innen dogmatischer
       kommunistischer Gruppen. Diese halten Banner in die Luft, auf denen etwa
       „Sozialismus oder Barbarei“ steht. Vergeblich versuchen sie sich so vor den
       Kameras und Mikrofonen zu schützen, die ihnen die Streamer schamlos ins
       Gesicht drücken, um doch noch irgendeinen Satz zu hören, den sie
       ausschlachten können.
       
       Dann wechseln die Kommunist:innen ihre Strategie – und beginnen dem
       Publikum der rechten Streams laut zu erklären, wie Ostdeutschland seit der
       „Annexion“ 1990 systematisch abgehängt würde. Jetzt „taktisch zu wählen“
       sei nur eine Verschiebung des Problems, weil auch die anderen Parteien
       nicht für wirkliche Veränderung stünden. Am Ende würden alle die Interessen
       der Konzerne vertreten. Veränderung gebe es deshalb nur, wenn sich junge
       Menschen „kollektiv organisieren und zu einem Subjekt des revolutionären
       Kampfes werden“. Gleich wollen die Aktivist:innen einmal zum
       Hasselbachplatz und zurück laufen. (tk)
       
       15.24 Uhr: „I am from Canada“, sagt der AfD-Mann
       
       taz | In der Berufsschule Otto von Guericke in Magdeburg beginnen
       Wahlhelfer:innen mit der Prüfung der Gültigkeit der Wahlscheine, die
       den Briefwahlunterlagen beiliegen. Zunächst werden die Briefe ordentlich
       sortiert. Auf dem Tisch sind schätzungsweise 500 rosa Briefe. Sortiert wird
       nach Wahlbezirk und in Zehnerstapeln. Insgesamt 7 Wahlhelfende haben sich
       hier in einem Raum zusammengefunden und machen ihre Arbeit sehr
       konzentriert.
       
       Nach einer ersten Zählung kommen sie auf 424 abgegebene
       Briefwahlunterlagen. Für etwas Irritation sorgt dabei ein Gast, der ein
       AfD-Shirt und eine AfD-Kappe trägt und seinen Blick auf die Arbeit der
       Wahlhelfer:innen richtet. „I am from Canada“, sagt er, als ihn die taz
       fragt, was er im Wahllokal macht. (nka/cd)
       
       🐾 Wetten, dass… die Demokratie gewinnt?!
       
       taz | Sachsen-Anhalts CDU-Ministerpräsident Sven Schulze sorgt sich
       angesichts der AfD um die Zukunft seines Bundeslandes – und war damit auf
       dem [11][taz-Wahlforum in Magdeburg] nicht allein. Zuvor berichteten beim
       [12][Forum der Zivilgesellschaft] vier Ehrenamtliche aus Sachsen-Anhalt
       über ihren Kampf für die Demokratie. Hier der [13][Mitschnitt der
       Diskussion aller Spitzenkandidat:innen] und [14][der Diskussion der
       Ehrenamtlichen].
       
       14.45 Uhr: Rechte Streamer warten auf linke Demo
       
       taz | Vor dem Hauptbahnhof in Magdeburg sammeln sich Streamer aus dem
       extrem rechten Spektrum und eine Menge Polizeiautos. Hier soll gleich die
       Demo „Kein Morgen den Faschisten“ beginnen. Beworben wurde sie aus dem
       Spektrum der dogmatischen Linken. Bislang sind noch keine
       Teilnehmer:innen erkennbar. Darum begnügen sich die Streamer damit,
       Passant:innen nach der Wahl zu fragen. Derweil steigen aus den
       Polizeiautos die ersten Beamt:innen und legen Schutzausrüstung an. (dmn)
       
       14.35 Uhr: Wahlleitung verzeichnet Rekordbeteiligung
       
       taz | Bei der Wahl in Sachsen-Anhalt zeichnet sich nicht nur eine deutlich
       höhere, sondern inzwischen sogar eine Rekordbeteiligung ab. Stand 14 Uhr
       betrug die Wahlbeteiligung laut der Landeswahlleiterin satte 54,4 Prozent.
       Zum Vergleich: Bei der vergangenen Landtagswahl am 6. Juni 2021 waren es um
       14 Uhr erst 27,1 Prozent. Überhaupt lag die Beteiligung um diese Uhrzeit
       seit der ersten Nachwendewahl 1990 nie derart hoch. Gezählt wird hierbei
       erst mal nur die Urnenwahl. (rru)
       
       14.16 Uhr: Halbzeitpause bei Hertha BSC gegen Magdeburg
       
       taz | Zur Halbzeit hat Hertha BSC noch nicht die Demokratie gerettet. Die
       Zeit hatte die Hoffnung geäußert, dass rechte Fußballfans aus Magdeburg es
       nicht in die Wahllokale schaffen würden. „Völliger Quatsch“,
       [15][kommentiert Vincent Bruckmann-Levinson in der taz]: „Die Wahllokale
       öffnen um 8 Uhr und das Spiel beginnt um 13.30 Uhr.“ Und obendrein:
       „Fußballfans, vor allem jene, die sich organisieren, sind wichtig für die
       Demokratie.“ Beim Spiel steht es übrigens zur Halbzeit 1:1. Rund 7.000
       Magdeburger:innen sollen für die Partie in Berlin angereist sein.
       (ras)
       
       13.48 Uhr: Spielen bis zum Schluss
       
       taz | Es erinnert an die Kapelle auf der „Titanic“, die bis zum Schluss
       spielte: An der Seite des Landtagsgebäudes in Magdeburg gibt es eine kleine
       Bühne, hier musiziert eine Jazzband. „Die besten Gute-Laune-Songs aus
       verschiedenen Epochen“, kündigt der Moderator die Saxofontruppe an. Am
       Rande spaziert ein Mann um die 60 mit seiner Deutschlandfahne. Ein anderer
       eilt ihm hinterher und schlägt ein. Die Band spielt stoisch weiter. (cd)
       
       Umfragen I: Dunkle Mächte gegen Wagenknecht
       
       taz | Sahra Wagenknecht vom Stern, der ihren Namen trägt, wittert die große
       Verschwörung. „Wir kennen es, dass wir kurz vor Wahlen plötzlich in einigen
       Umfragen ganz schlechte Werte bekommen“, erklärte sie im Interview mit
       t-online auf den Hinweis, dass ihr BSW in Sachsen-Anhalt in allen
       Vorwahlumfragen kontinuierlich unter 5 Prozent taxiert wurde. „Vielleicht
       sind bestimmte Institute auch nicht in der Lage, seriöse Daten zu erheben“,
       fügte Wagenknecht noch hinzu. (rru)
       
       Umfragen II: Kubicki und die 10-Punkte-Frage
       
       taz | Auch FDP-Chef Wolfgang Kubicki beschäftigt sich mit dem vermeintlich
       zweifelhaften Wert von Umfragen. Die Liberalen klebten in Sachsen-Anhalt
       zuletzt bei 3 Prozent fest. Kubicki glaubt trotzdem, [16][dass seine Partei
       nach Schließung der Wahllokale auf 5 bis 6 Prozent kommen wird]. Die
       geringe Parteienbindung im Osten, die vielen Unentschlossenen: Bei der
       Landtagswahl vor fünf Jahren hätten die Institute schließlich auch zum Teil
       um 10 Punkte danebengehauen, so Kubicki zur taz.
       
       Womit er recht hat: 2021 prognostizierten alle Meinungsforschungsinstitute
       noch wenige Tage vor der Wahl ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen CDU und AfD.
       Am Ende kam die CDU auf 37 Prozent, die AfD auf 21 Prozent. Insbesondere
       die letzte Insa-Umfrage vor der Wahl wirkte im Rückblick peinlich falsch,
       mit einer maximalen Abweichung zum Wahlergebnis von 10,1 Prozentpunkten
       zuungunsten der CDU.
       
       Nun sind Abweichungen zwischen Umfragen und Ergebnis eher die Regel. Auch
       bei der Wahl in Baden-Württemberg im März dieses Jahres betrug
       beispielsweise die maximale Insa-Abweichung 6,2 Punkte, in dem Fall
       zuungunsten der Grünen. Eine Schieflage wie 2021 in Sachsen-Anhalt ist
       dennoch außergewöhnlich. Selbst die als hochseriös geltende
       Forschungsgruppe Wahlen des ZDF kam damals auf eine Maximalabweichung von
       7,1 Punkten.
       
       Kleiner Dämpfer für die Hoffnungen von Wolfgang Kubicki: Ausgerechnet bei
       der FDP in Sachsen-Anhalt lagen vor fünf Jahren alle Institute fast
       richtig. Prognostiziert wurden 6,5 bis 7 Prozent, bei der Wahl bekamen die
       Liberalen dann 6,4 Prozent. (rru)
       
       Umfragen III: Vorsorglich niedrig stapeln
       
       taz | Jörg Schönenborn, [17][der Herrscher über Balken-, Torten- und
       Säulendiagramme] und somit so etwas wie der [18][Gereon Asmuth] der ARD,
       verweist mit Blick auf die Vorwahlumfragen unterdessen auch diesmal
       vorsorglich auf die „Besonderheiten des Bundeslandes Sachsen-Anhalt“. Eben
       die geringe Parteienbindung und die hohe Wechselbereitschaft der
       Wähler:innen. „Sollte das Ergebnis am Sonntag in Sachsen-Anhalt den
       Vorwahlumfragen sehr nahe kommen“, wäre das für Sachsen-Anhalt „wirklich
       ungewöhnlich“, so Schönenborn. (rru)
       
       🐾 Egal, was kommt
       
       Tausende feierten am Samstag in der sachsen-anhaltischen Landeshauptstadt
       Magdeburg die Demokratie und Zivilgesellschaft. Vor der Wahl fassen sie Mut
       und versprechen sich Zusammenhalt – egal, was kommt. [19][taz-Korrespondent
       David Muschenich war vor Ort].
       
       12.45 Uhr: Schon mittags höhere Wahlbeteiligung als 2021
       
       afp | Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt zeichnet sich zum Mittag eine
       deutlich höhere Wahlbeteiligung ab. Bis 12 Uhr am Sonntag hatten 34,72
       Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben, wie die
       Landeswahlleiterin in Magdeburg mitteilte. Zum gleichen Zeitpunkt im Jahr
       2021, bei der letzten Landtagswahl, waren es nur 22,4 Prozent.
       
       12.35 Uhr: Schwierige Fälle
       
       taz | Das Wahllokal in der Magdeburger Innenstadt ist recht ruhig, zwei
       Wähler:innen geben gerade ihre Stimme ab. Trotzdem: „Gut 200 Leute waren
       heute schon hier“, sagt der Wahlleiter. An ihn wurde die Journalistin
       verwiesen. „Schwierige Fälle zu ihm“, hatte einer der Wahlhelfer gesagt,
       als sie sich als taz zu erkennen gab. Im Wahlkreis gebe es knapp 1.200
       Wahlberechtigte, sagt der Wahlleiter. 50 Prozent davon hätten bereits per
       Briefwahl abgestimmt. (cd)
       
       ## 11.26 Uhr: Sunnyboy-Siegmund stimmt in Tangermünde ab
       
       taz | Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hat am Sonntagmorgen der
       [20][Spitzenkandidat der AfD und rechtsextreme Sunnyboy Ulrich Siegmund]
       seine Stimme abgegeben. Mit seiner Ehefrau fuhr er [21][auf einer Simson]
       vor dem Wahllokal in Tangermünde vor.
       
       🐾 Was die Arbeiterklasse denkt
       
       Die AfD schneidet vor allem in der Arbeiterschaft gut ab. Die taz hat in
       Magdeburg und Rügen nachgehakt, [22][was die Menschen bewegt und was sie
       umstimmen würde].
       
       ## 10.43 Uhr: Hape Kerkeling droht für den Staatsfunk
       
       dpa | Hape Kerkeling bekommt die Goldene Henne – und nutzt den Moment, um
       eine Wahlempfehlung für die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt auszusprechen.
       „Wenn Sie Ihre Stimme abgeben am Sonntag, dann stimmen Sie auch für den
       MDR, den Mitteldeutschen Rundfunk und seine Hörfunkwellen“, sagte der
       61-Jährige bei seiner Dankesrede am Wochenende. „Und falls Sie es nicht tun
       sollten, komme ich persönlich vorbei mit ’ner Taschenlampe und ’nem Mikro
       und sende alleine bei Ihnen“, so Kerkeling weiter.
       
       Die AfD in Sachsen-Anhalt hatte angekündigt, im Fall einer Alleinregierung
       die Rundfunkstaatsverträge zu kündigen. Die Partei spricht sich für eine
       grundlegende Neuordnung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks aus.
       
       10.26 Uhr: Wer ist das Schlafschaf?
       
       taz | Am Vormittag sind Magdeburgs Straßen sonntäglich leer. Vor dem
       Bahnhof und in der Fußgängerzone deutet wenig darauf hin, welche
       entscheidende Wahl Sachsen-Anhalt heute bevorsteht. Das erste Wahlplakat,
       das Reisende am Bahnhofsvorplatz begrüßt, ist von der Partei „die Partei“.
       Darauf ein Wecker, der 19.33 Uhr anzeigt. Darüber der Satz: „Ihr werdet’s
       verschlafen gehabt haben“. (cd)
       
       9.37 Uhr: Alle Augen auf Sachsen-Anhalt
       
       dpa/taz | Der Wahlkampf ist vorbei, heute fällt die Entscheidung: Scheitern
       SPD, Linke und FDP an der Fünfprozenthürde, kann die AfD allein regieren.
       Mindestens aber wird [23][die Partei mit dem rechtsextremen Sunnyboy als
       Spitzenkandidaten] stärkste Kraft im Landtag. Wenn die AfD dieses Ziel
       verpasst, könnte eine CDU-geführte Minderheitsregierung ins Spiel kommen.
       Diese könnte allerdings auf Stimmen der Linken angewiesen sein – ähnlich
       wie in Sachsen und Thüringen. Das Problem: Die [24][CDU lehnt für sich in
       einem Parteitagsbeschluss eine Koalition und „ähnliche Formen der
       Zusammenarbeit“ mit den Linken ebenso ab wie mit der AfD].
       
       Das Wunschszenario von Ministerpräsident Sven Schulze (CDU): eine Mehrheit
       für die sogenannten Parteien der Mitte – etwa für CDU, SPD und Grüne.
       Angesichts der Umfragen erscheint das als sehr unwahrscheinlich. Derzeit
       regiert in Magdeburg eine Koalition aus CDU, SPD und FDP.
       
       🐾 Tausende vor der Wahl auf der Straße
       
       Am Vorabend der Wahl ziehen Tausende Antifas durch Halle und Magdeburg.
       Immer dabei: Das Ringen damit, vor Ort weiterzumachen – oder zu gehen. Timm
       Kühn war [25][für die taz vor Ort].
       
       8.30 Uhr: Taktisch wählen oder nicht?
       
       Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt könnte es der AfD erstmals gelingen,
       eine absolute Mehrheit zu erringen. Mehrere Organisationen haben daher die
       Wahlberechtigten [26][zur taktischen Stimmabgabe aufgerufen], um eine
       Regierung der AfD zu verhindern.
       
       Denn weil die Fünfprozenthürde Kleinparteien von der Vergabe der Sitze
       ausschließt, benötigen die Rechtsextremen nicht unbedingt mehr als 50
       Prozent der Zweistimmen für eine absolute Mehrheit. Wenn besonders viele
       Parteien knapp an der Hürde scheitern, könnten mitunter schon gut 40
       Prozent der Zweitstimmen dafür reichen.
       
       Wer taktisch wählen will, kann deshalb sein Kreuz bei kleineren Parteien
       machen, die unter die Fünfprozenthürde fallen könnten. In Sachsen-Anhalt
       standen in den letzten Umfragen vor allem SPD und Grüne mit 8
       beziehungsweise 6 Prozent darüber. Schaffen beide den Einzug in das neue
       Landesparlament, [27][sinkt die Chance der AfD auf eine absolute Mehrheit
       deutlich].
       
       🐾 Plattenverschiebung in Halle-Neustadt
       
       In den Plattenbauten in Halle-Neustadt wohnen Jüngere mit
       Migrationsgeschichte und Ältere mit DDR-Biografie Tür an Tür. Die einen
       dürfen bei der Landtagswahl abstimmen, die anderen nicht.
       [28][taz-Reporterin Anne Fromm war vor der Wahl dort].
       
       8.00 Uhr: Die Wahllokale sind eröffnet
       
       taz | Seit 8 Uhr morgens können die Wähler:innen ihre Stimme in den rund
       2.600 Wahllokalen abgeben. Wahlberechtigt sind alle Deutschen über 18
       Jahren, die seit mindestens 3 Monaten in dem Bundesland wohnen – rund 1,69
       Millionen Menschen. Die Wahllokale schließen um 18 Uhr.
       
       In 41 Wahlkreisen werden Direktkandidat:innen gewählt. Daneben werden
       über die Zweitstimme im Regelfall 42 weitere Abgeordnete bestimmt.
       
       ## 7.59 Uhr: Was sagen die Umfragen?
       
       taz Die AfD wird laut allen Umfragen stärkste Partei. Zuletzt zwischen 40
       und 43 Prozent gesehen. Besonders gut schnitt sie beim Institut Insa ab,
       das viele Umfragen im Auftrag der rechtspopulistischen Webseite Nius
       erstellt hat. Mehrfach sah Insa auch das BSW nah an der Fünfprozenthürde,
       das sich der AfD als möglicher Partner angeboten hat.
       
       Zweistärkste Partei wird wohl die CDU des amtierenden Ministerpräsidenten
       Sven Schulze. Sie rangierte zuletzt bei 22 bis 23 Prozent. Das wäre ein
       dramatischer Verlust gegenüber der letzten Wahl vor 5 Jahren. Da war die
       CDU nach einem überraschenden Schlussspurt auf 37 Prozent gekommen und
       hatte die AfD weit hinter sich gelassen.
       
       Die Linke wird von den Instituten zwischen 11 und 13 Prozent gesehen. Die
       SPD hat sich nach einem Umfragetief, bei dem ihr drohte, unter die
       Fünprozenthürde zu fallen, wieder leicht erholt und lag zuletzt bei 8
       Prozent. Die Grünen müssen wohl um den Wiedereinzug in den Landtag zittern.
       
       Dass Umfragen aber keinesfalls schon Wahlergebnisse vorwegnehmen, weiß man
       nirgendwo besser als in Sachsen-Anhalt. Bei der letzten Wahl holte die
       Union dort 7 bis 10 Prozentpunkte mehr, als ihr in Umfragen zugerechnet
       worden waren. Umgekehrt lag die AfD rund 5 Prozentpunkte schwächer als
       erwartet. Solche Verschiebungen sind auch an diesem Wahlsonntag nicht
       ausgeschlossen. Sie könnten aber auch komplett in die andere Richtung
       gehen.
       
       7.45 Uhr: Wie wahrscheinlich ist ein Wahlsieg der AfD?
       
       taz | Statistiker:innen der Ludwig-Maximilians-Universität in München
       haben ein Tool erstellt, mit dem die Wahrscheinlichkeit unterschiedlicher
       Wahlausgänge anhand der Umfragen berechnet werden kann.
       
       Unter [29][koala.stat.uni-muenchen.de] kann man zum Beispiel sehen, dass es
       in Sachsen-Anhalt sehr unwahrscheinlich ist, dass überhaupt eine denkbare
       Koalition eine Mehrheit zustande bekommt. Dass der AfD ein Alleinsieg
       gelingt, hat laut den Statistikern eine Wahrscheinlichkeit von nur gut 7
       Prozent. Alle anderen haben gar keine Chance.
       
       Interessant ist dort vor allem die Analyse der verschiedenen
       Umfrageinstitute. Legt man nur die Werte des von Rechten beauftragte Insa
       zugrunde, steigt die Wahrscheinlichkeit einer AfD-Alleinregierung auf 38
       Prozent.
       
       6 Sep 2026
       
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