# taz.de -- Wahlen in Sachsen-Anhalt: Eine Zäsur auch ohne absolute Mehrheit
> Nach dem deutlichen Votum für die AfD in Sachsen-Anhalt braucht es
> andere, neue Antworten. Demokratische Kräfte müssen jetzt zusammenhalten.
(IMG) Bild: Anhänger der AfD feiern die Ergebnisse der Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt
Sie haben alles versucht. Sie haben sich vernetzt wie nie zuvor. Sie haben
unzählige Veranstaltungen organisiert. Sie waren laut, bunt und
hoffnungsvoll. Dass die AfD aus dieser Wahl zwar eindeutig mit den meisten
Prozentpunkten, aber dennoch wohl nicht mit der absoluten Mehrheit
hervorgeht, ist dem Engagement der Zivilgesellschaft in Sachsen-Anhalt zu
verdanken.
Allein am Samstag kamen in Magdeburg über 10.000 Menschen zusammen, der
ganze Sommer war geprägt von unzähligen Aktionen der vielen Engagierten im
Land. Zu diesen zählen auch die Wahlkämpfer*innen der demokratischen
Parteien. Rückenwind bekamen sie dabei von Initiativen wie „Taktisch
wählen“, die an über 30.000 Wohnungstüren den Blick auf SPD und Grünen
stärkten. Diese Initiativen waren wichtig, denn entschieden wird im
Parlament.
Ein offenes Gespräch auf dem Dorfplatz ist für das Leben miteinander
wichtig, niemand in Ostdeutschland kann es sich leisten, AfD-Wähler*innen
verloren zu geben. Aber wenn diejenigen, die dort nett gesprochen haben,
danach weiterhin die AfD wählen, ist die parlamentarische Demokratie
weiterhin in Gefahr. Und machen wir uns nichts vor: Die Gefahr ist mit
dieser Wahl noch größer geworden. Diese Wahl ist eine Zäsur. Und 80 Prozent
der Wahlberechtigten haben sich daran beteiligt. So viele wie noch nie.
Seit Gründung der AfD kennt ihre Kurve mit wenigen Unterbrechungen nur eine
Richtung – nach oben. Deshalb geht diese Wahl alle etwas an. Niemand sollte
noch glauben, die AfD mit den bekannten Antworten aufhalten zu können. Wenn
alle so weitermachen wie bisher, wird sich dieser Trend einfach fortsetzen.
Wir wissen offenkundig nicht, was gegen die AfD hilft. Weder ist es das
Kopieren der Politik der AfD noch der x-te Erklärungsversuch, dass das
Programm der AfD im Widerspruch zu den Interessen ihrer Wähler*innen
stehe.
## Dünne Luft braucht neue Antworten
Was wären andere, neue Antworten auf die AfD? Vielleicht sind Spuren
bereits sichtbar. In Sachsen trifft sich Ministerpräsident Michael
Kretschmer, CDU, mittlerweile regelmäßig mit Vertreter*innen der
Zivilgesellschaft. Denn wenn die Luft dünn wird, müssen die demokratischen
Kräfte zusammenhalten. Gleichzeitig wissen wir aus den USA, dass sich
allein mit der Losung „für die Demokratie“ keine Wahlen gewinnen lassen.
Wir brauchen neue Antworten, neue Bündnisse und ein ehrliches Hinterfragen
der eigenen Gewissheiten. Und vor allem brauchen die demokratischen Kräfte
in Sachsen-Anhalt jetzt Unterstützung statt trotziger
Mauer-wieder-hoch-Fantasien. Eine rechtsextreme Partei hat fast die
absolute Mehrheit bekommen, mitten in Deutschland. Hoffen wir, dass sie
nicht regieren werden.
6 Sep 2026
## AUTOREN
(DIR) Katrin Gottschalk
## TAGS
(DIR) Wahlen in Ostdeutschland
(DIR) Schwerpunkt AfD
(DIR) Zivilgesellschaft
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) GNS
(DIR) Social-Auswahl
(DIR) Schwerpunkt Landtagswahl in Sachsen-Anhalt
(DIR) Schwerpunkt Landtagswahl in Sachsen-Anhalt
(DIR) Wahlen in Ostdeutschland
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt: Ein Dorf vor der Wahl
Was macht es mit einem Ort, wenn Nachbarn nicht mehr miteinander reden
können, weil die eine Hälfte AfD wählt und die andere angstvoll schweigt?
Ein Heimatbesuch.
(DIR) Zivilgesellschaft in Sachsen-Anhalt: Egal, was kommt
Tausende feiern am Samstag in Magdeburg die Demokratie und
Zivilgesellschaft. Vor der Wahl fassen sie Mut und versprechen sich
Zusammenhalt – egal, was kommt.
(DIR) Wahl in Sachsen-Anhalt: Sieg Unheil
Rechtsextreme gewinnen die Wahl in Sachsen-Anhalt. Die CDU ist weit
abgeschlagen, das BSW nimmt die Fünfprozenthürde. Eine Regierungsbildung
dürfte schwierig werden.