# taz.de -- Schwarz-rote Koalition: Es führt wohl kein Weg dran vorbei – Friedrich Merz muss weg
> Die politische Sommerpause neigt sich dem Ende zu und die Spitzen beider
> Regierungsparteien wackeln. Nur noch ein Wunder könnte die Koalition
> retten.
(IMG) Bild: Missliche Gegenwart und unsichere Zukunft für Friedrich Merz, Bärbel Bas und Lars Klingbeil
Er ist wieder da. Fast. Wenn sich die schwarz-rote Bundesregierung in der
kommenden Woche zur Klausur auf Schloss Neuhardenberg in Brandenburg
trifft, wird auch der Kanzler aus seiner urlaubsähnlichen Zwischenwelt
wieder an die Öffentlichkeit treten. Zwei Tage lang sprechen er und seine
Minister:innen über deutsche Wettbewerbsfähigkeit und nationale
Sicherheit, lassen sich die Lage von Gästen wie Siemens-Chef Roland Busch
erklären und die neueste Abfangdrohne von Tytan Technologies vorführen.
Um ein Thema wird es, zumindest offiziell, nicht gehen: um die
Landtagswahlen in Ostdeutschland im September. Dabei werden die Ergebnisse
auch über die Schicksale von Friedrich Merz und den SPD-Chef:innen
[1][Bärbel Bas und Lars Klingbeil] entscheiden. Alle drei sind öffentlich
angeschlagen und leiden in ihren Parteien [2][unter massivem
Autoritätsverlust]. Werden die Wahlen zum Fiasko für CDU und SPD, steht
nicht nur die politische Zukunft des Spitzenpersonals auf dem Spiel,
sondern auch der Fortbestand der Koalition.
Sicher, die internationale Lage mit Kriegen in der Ukraine und in Iran
würde jeder Regierung zu schaffen machen, und Deutschlands Wirtschaft
schwächelt nicht erst seit dem Amtsantritt von Merz und Co, sondern seit
Jahren. Aber dass diese Regierung derzeit noch unbeliebter ist als die
wahrlich nicht gefeierte Ampel, hat sie eindeutig auch sich selbst und
ihrer Führung zu verdanken.
Merz hat sich durch [3][maßlose Selbstüberschätzung und fehlende Empathie]
in eine Situation manövriert, in dem auch intern die Frage lauter wird, ob
er nicht der falsche Mann im Kanzleramt ist. Kürzlich geriet seine als
Neustart gedachte Kabinettsumbildung zur Karambolage, bei der er die
eigenen Leute vor den Kopf stieß.
## Die SPD-Ultras fühlen sich verarscht
In der SPD gibt es schon länger Zweifel, ob die Personalunion aus
Parteivorsitz und Ministerämtern hilfreich ist, trägt sie doch erkennbar
nicht dazu bei, dass die SPD eigene Positionen durchsetzt und der
neoliberalen Riege um Merz in den Arm fällt.
Statt die Gesellschaft sozial gerechter zu machen und Digitalkonzerne und
Hochvermögende endlich in die Pflicht zu nehmen, senkt man gemeinsam mit
der Union Steuern für Unternehmen, kürzt Sozialleistungen, erhöht Abgaben
und schleift den Kündigungsschutz. Kein Wunder, dass sich selbst SPD-Ultras
verarscht fühlen.
Die Koalition mit CDU und CSU war wahrlich kein Herzenswunsch der
Genoss:innen, vielmehr haben sie pflichtbewusst und im Glauben zugestimmt,
nur so ließe sich die extreme Rechte in Schach halten und die politische
Mitte stärken. Doch diese Mitte erodiert in Umfragen immer weiter, und so
mancher fragt sich mittlerweile, warum man dann dabei bleiben sollte. Fest
steht: Der schwelende Unmut über Klingbeil und Bas wird sich nach dem 20.
September Bahn brechen; wer oder was danach kommt, ist derzeit aber unklar.
## Kein Durchbruch
Was diese Regierung retten könnte, wäre ein Wirtschaftswunder. Doch auch
danach sieht es zurzeit nicht aus. [4][Die Wirtschaft stagniert], die
Unternehmen halten sich trotz Steuernachlässen nach wie vor [5][zurück mit
Investitionen] oder schließen Standorte ganz. Auch die vielen Hundert
Milliarden Euro, die der Staat in Infrastruktur und Rüstung pumpt,
finanziert durch Schulden, führen bisher nicht zum erhofften Durchbruch.
Und unter der gestiegenen Inflation, bedingt vor allem durch die Teuerung
bei Kraftstoffen und die Gier der Raffinerien, ächzen vor allem Familien
mit niedrigen und mittleren Einkommen. Immerhin im Bereich Wohnungsbau
verzeichnet die Regierung Fortschritte. Aber das allein reicht nicht aus.
Statt Steuersenkungen an Unternehmen nach dem Prinzip Gießkanne
auszureichen, müsste die Koalition den Umbau der fossil getriebenen zur
klimaneutralen Wirtschaft vorantreiben. Aber das Wirtschaftsministerium
leitet eine Frau, die erneuerbare Energien ausbremst und [6][auf die
Technologien von gestern setzt]. Merz sollte Katherina Reiche auswechseln.
Doch damit würde er nicht nur gegen die Mehrheitsmeinung der Basis, sondern
auch gegen seine Überzeugungen handeln.
Es führt wohl kein Weg daran vorbei: Merz muss weg – aber anders, als die
Nöler:innen und Hetzer:innen von rechts denken. Deutschland braucht
eine Regierung, die den sozialökologischen Umbau vorantreibt, die nach vorn
schaut.
22 Aug 2026
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(DIR) [4] https://www.destatis.de/DE/Themen/Wirtschaft/Volkswirtschaftliche-Gesamtrechnungen-Inlandsprodukt/_inhalt.html
(DIR) [5] https://www.kfw.de/%C3%9Cber-die-KfW/KfW-Research/Dossier-Investitionen.html
(DIR) [6] /Gesetz-fuer-neue-Gaskraftwerke/!6205390
## AUTOREN
(DIR) Anna Lehmann
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