# taz.de -- Personaldebatte um Bas und Klingbeil: Trügerische Sehnsucht nach neuen Gesichtern
> Die Kritik am SPD-Führungsduo ebbt nicht ab. Doch die Personaldebatten
> lenken davon ab, dass die Partei ein inhaltliches Problem hat.
(IMG) Bild: Bas und Klingbeil, Dreamteam ist was anderes
Sollte die SPD ihre Vorsitzenden austauschen? Noch wird diese Forderung nur
von geltungsbewussten Genossen der dritten Reihe laut ausgesprochen. Mehria
Ashuftah und Orkan Özdemir, Vorsitzende der SPD-Arbeitsgruppe Migration und
Vielfalt, wollen nun einen Sonderparteitag im Herbst. Ex-Minister Karl
Lauterbach hat dies [1][als „falsche Frage zur falschen Zeit“
zurückgewiesen]. Und damit gleichzeitig recht und unrecht.
Natürlich ist es für die SPD kurz vor drei Landtagswahlen schlecht, wenn
sie über ihre Vorsitzenden diskutiert. Die Partei wirkt so noch schwächer,
als sie ohnehin ist. Andererseits wurden Lars Klingbeil und Bärbel Bas
schon bei ihrem Amtsantritt als Minister dafür kritisiert, dass sie
glaubten, sie könnten die Partei im Nebenjob aus der Krise führen.
[2][Klingbeil wurde dann mit einem schlechten Ergebnis wiedergewählt], er
war also gewarnt.
Zudem wird eine Frage nicht falsch, weil sie manchen gerade ungelegen
kommt. Den richtigen Zeitpunkt für die Frage, wer der SPD neues Leben
einhauchen könnte, gibt es nicht. Im Herbst würde wohl auf die Reformen
verwiesen werden, die dringend beschlossen werden müssten und die leider
keine Personaldebatten zuließen. Die SPD ist in einem schlechten Zustand,
sie wird bei den Wahlen in Sachsen-Anhalt und Berlin voraussichtlich sehr
schwach abschneiden, mit oder ohne Personaldebatten. Spätestens danach
dürfte es für die SPD-Spitze nicht mehr weitergehen.
Spekuliert wird, dass nach den Landtagswahlen Manuela Schwesig den
Parteivorsitz übernehmen könnte – wenn sie es schaffen sollte,
Mecklenburg-Vorpommern gegen die AfD und gegen den Trend ihrer Partei zu
verteidigen.
Doch wer glaubt, dass Schwesig die Rettung für die SPD wäre, schlägt auch
Cem Özdemir als Chef der Grünen vor. Die beiden verbindet, dass [3][sie als
Landesfürsten auch deshalb erfolgreich sind], weil sie sich in Abgrenzung
zu ihrer jeweiligen Bundespartei in Berlin profilieren können. Sobald
Manuela Schwesig als Parteivorsitzende den Kurs der Regierung Merz
verteidigen müsste, wäre es mit ihrer Beliebtheit schnell vorbei.
## Auch Schwesig würde alt aussehen
Die SPD ist mit ihrer Sehnsucht nach neuen Gesichtern nicht allein. Auch in
der Union wird in diesem Sommer über ein Ende von Friedrich Merz als
Bundeskanzler geraunt. Der Wunsch ist verständlich, aber er ist trügerisch.
Und so hat Lauterbach mit seiner Aussage doch recht: Die Frage nach dem
Vorsitz ist die falsche. Die SPD, aber auch die Union, haben in erster
Linie kein Personal-, sondern ein politisches Problem. Ihre Koalition steht
für einen sozial ungerechten, selbst auferlegten Sparzwang, bei
gleichzeitiger Rekordverschuldung zum Zweck der Aufrüstung. Zudem steckt
die Wirtschaft in der Krise, und als einzige Alternative zu dieser
Koalition der schrumpfenden Mitte lauert nur die AfD auf ihre Chance.
Gegen diese geballten Probleme sehen auch neue Gesichter ziemlich schnell
ziemlich alt aus.
14 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.deutschlandfunk.de/lauterbach-haelt-personaldiskussionen-in-der-partei-fuer-falsch-100.html
(DIR) [2] /SPD-stellt-sich-neu-auf/!6096931
(DIR) [3] http://ww.morgenpost.de/politik/article412505918/manuela-schwesig-spd-mecklenburg-vorpommern-landtagswahl.html
## AUTOREN
(DIR) Kersten Augustin
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