# taz.de -- Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: CDU-Politiker wünscht AfD-Regierung herbei
> Ein Stendaler CDUler spendete 10.000 Euro an die AfD. Er wettert gegen
> die eigene Partei – und hofft auf eine absolute Mehrheit für die
> Rechtsextremen.
(IMG) Bild: Plakatschlacht: Rechtsextremist über Ministerpräsident
Zweieinhalb Wochen vor der [1][Landtagswahl in Sachsen-Anhalt] fällt ein
CDU-Kommunalpolitiker seiner Partei mit einer Spende an die AfD in den
Rücken. Der Ortsbürgermeister Bernd Prange aus der Gemeinde Altmärkische
Höhe im Landkreis Stendal, dort zugleich für die CDU Mitglied des
Kreistages, spendete zweimal 5.000 Euro an den AfD-Landesverband.
Die Bundes-AfD bestätigte auf der Plattform X den Eingang und
veröffentlichte zugleich einen „Offenen Brandbrief“ Pranges an die CDU
Sachsen-Anhalt und die Öffentlichkeit. Der solle nach seinen Worten die
Union und die Gesellschaft „wachrütteln“ und zu einer Kursänderung
gegenüber den Linken und der AfD veranlassen.
„Es war ein bewusster, nach reiflicher Überlegung gefasster Schritt aus
tiefer Sorge um unser Land“, begründet der Ortsbürgermeister eingangs Brief
und Spende. Er unterstellt der CDU einen Trend nach links, während sie die
Brandmauer zur AfD immer höher ziehe. Deshalb wolle er ein „klares
Stoppzeichen“ setzen.
„Ich wünsche mir, dass die AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt so
stark wird, [2][dass sie alleine regieren kann]“, schreibt Bernd Prange. Er
wolle am 6. September selbst sein Kreuz bei der AfD machen und hoffe, dass
es ihm viele gleichtun.
## Provozierter Rausschmiss
Im Kreistag konstatiert der 59-jährige Fuhrunternehmer, der seit 1992 der
CDU angehört, eine „gute und konstruktive Kooperation“ mit der AfD.
Gemeinsam habe man angeblichen Schaden durch linke Initiativen abwenden
können. Der CDU-Rebell fordert zugleich eine Absetzung von Bundeskanzler
Friedrich Merz, der den konservativen Kern der Union preisgebe.
Der Chef des CDU-Arbeitnehmerflügels Dennis Radtke [3][forderte gegenüber
dem Handelsblatt], der Spender solle konsequenterweise aus der CDU
austreten, wenn er zur Wahl der AfD aufrufe. Einen Austritt kündigte dieser
allerdings nicht an. Auf eine entsprechende Frage [4][antwortete Prange dem
Magazin Focus]: „Ich will, dass sie mich rausschmeißen.“
Für den CDU-Landesverband bezeichnete am Mittwoch dessen Generalsekretär
Mario Karschunke Spende und Brief als einen „sehr schwerwiegenden
parteirechtlichen Vorgang“. „Niemand ist gezwungen, Mitglied unserer Partei
zu bleiben, wenn er ihre politischen Grundüberzeugungen nicht mehr teilt“,
heißt es in seinem Statement.
Über das weitere Vorgehen kündigte er lediglich eine Abstimmung mit dem
CDU-Kreisverband Stendal und seinem Vorsitzenden Chris Schulenburg an. Für
ein Parteiausschlussverfahren sei der Kreisvorstand zuständig, der sich bei
seiner nächsten Sitzung damit befassen werde. Schulenburg war am Donnerstag
auf taz-Anfrage zunächst nicht erreichbar.
## Mitten ins Wahlkampffinale
Bereits vor vier Wochen hatte der AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund im
Wahlkampf triumphierend den anonymen Eingang einer Spende von 5.000 Euro
aus CDU-Kreisen bekanntgegeben. „Das sagt mehr über den Zustand der CDU
aus, als es Merz lieb sein kann“, schreibt die Bundespartei nun auf X. „Wir
sagen Danke und freuen uns auf die Alleinregierung!“
Die nunmehr bestätigte Spende an die AfD und ihre schriftliche Begründung
kommt für den Ministerpräsidenten und CDU-Spitzenkandidaten Sven Schulze
zur unpassendsten Zeit und dürfte das Wahlkampffinale zusätzlich anheizen.
Hartnäckig hält Schulze in allen öffentlichen Äußerungen am
Unvereinbarkeitsbeschluss der Bundes-CDU gegenüber der AfD und der Linken
fest. Auf Spekulationen über eine [5][parteiübergreifende Zusammenarbeit
nach der Wahl] lässt er sich nicht ein. Wahlumfragen sehen die Union im
Bundesland nur knapp über der 20-Prozent-Marke und damit [6][etwa 20 Punkte
hinter der AfD].
Zugleich lenkt die Affäre erneut den Blick auf den inneren Zustand des
CDU-Landesverbandes und seine drohende Spaltung. Er gilt seit Langem als
einer der konservativsten, manchmal reaktionärsten in Deutschland. Das
wurde beispielsweise im Streit um Rundfunkgebühren und den
Rundfunkstaatsvertrag deutlich. Über das reale Kräfteverhältnis zwischen
liberalem und ultrakonservativem Flügel gibt es keine verlässlichen
Angaben. Die Stendaler Altmark, der Nordharz oder der Burgenland- und
Saalekreis stehen im Ruf gefühlter AfD-Nähe.
Das Dilemma nicht nur der Landes-CDU hinsichtlich einer Aufweichung des
Unvereinbarkeitsbeschlusses nach der Wahl hatte Anfang Juni der Vorsitzende
der Landtagsfraktion Guido Heuer beschrieben: „Bei einer [7][Koalition mit
der Linken] droht eine Austrittswelle aus der CDU, speziell der Älteren mit
DDR-Erfahrung. Bei einer Zusammenarbeit mit der AfD würde die andere Hälfte
austreten“, hatte Heuer vorausgesagt.
20 Aug 2026
## LINKS
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## AUTOREN
(DIR) Michael Bartsch
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